Neue Linie für Bürger und Touristen

Daun/Cochem · Die Kreise Vulkaneifel und Cochem-Zell haben gemeinsam eine neue Busverbindung konzipiert. Sie führt ab dem 1. Dezember von Bullay nach Daun. Finanziert wird das Vorhaben vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Nord.

Daun/Cochem. Wer kein Auto hat, ist in der Eifel aufgeschmissen: In diesem Satz steckt eine Menge Wahrheit, aber dass es - was ja auch schon mal behauptet wird - überhaupt keinen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region gibt, stimmt so pauschal nicht.
Und für einen Teil des Kreises Vulkaneifel soll es in absehbarer Zeit eine Verbesserung geben. Gemeinsam mit dem Nachbarkreis Cochem-Zell ist eine neue Buslinie konzipiert worden: die R 65 (Verlauf siehe Grafik). Zwar wird über die Einrichtung erst von der Versammlung des für den ÖPNV (Bus und Schiene) zuständigen Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord entschieden, aber im Kreishaus in Daun ist man überzeugt, dass das Votum positiv ausfallen wird.

Integrieren in bestehende Regiolinie 500: Der Kreis Cochem-Zell hat bereits zugestimmt, dass die neue Regiolinie zwischen Bullay (Verbandsgemeinde Zell) und Daun eingerichtet wird. Sie soll auch gleichzeitig in den Takt der bestehenden Regiolinie 500 zwischen Cochem und Gerolstein integriert werden. Die Hoffnung der beiden Kreise: dass Dörfer in den Verbandsgemeinden Daun und Ulmen besser ans Busnetz angebunden werden.
In diesem landesweit einzigartigen, auf fünf Jahre angelegten Pilotprojekt haben dann die Bürger der Gemeinden, die zwischen den Linien 500 und 65 liegen, die Möglichkeit, sich per Zubringer zu einem Haltepunkt der beiden Linien bringen zu lassen.
Konkret heißt das: Saxler, Winkel, Immerath und Ellscheid werden an die Linie R 65 angebunden, Demerath, Steineberg, Steiningen und Hörscheid an die Linie 500 (Haltepunkt Darscheid).

In die Jahre gekommener Anrufdienst wird modernisiert: Schon seit fast 30 Jahren existiert im Bereich Gillenfeld der sogenannte Anruf-Nahverkehrsdienst (Andi). Das Prinzip: Wer von Saxler morgens nach Daun will, meldet sich über Andi und wird per Kleinbus nach Daun gebracht. Dieser Service ist zeitlich allerdings nur eingeschränkt nutzbar. Das soll sich ändern: Will jemand von Saxler mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Daun fahren, wird dies ab 1. Dezember mehrmals am Tag (auf der Linie R 65 im Dreistundentakt) ab Gillenfeld möglich.
Und Andi bekommt einen neuen Namen: Das in die Jahre gekommene System heißt mit Einrichtung der neuen Linie Anruflinientaxi (ALT) und ist dann auch technisch auf der Höhe. So können Fahrten künftig per SMS und E-Mail bestellt werden.
Die neue Linie ist allerdings nicht nur zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs gedacht, sondern dient auch der touristischen Erschließung des Gebiets zwischen Strotzbüsch und Daun, in das beispielsweise die Gillenfelder Maare und das Vulkanhaus in Strohn liegen.

Zweckverband ist für die Finanzierung zuständig: Der SPNV Nord sorgt für die Finanzierung, die Kosten für das Nahverkehrsprojekt werden (bei fünf Jahren Laufzeit) auf drei Millionen Euro veranschlagt. Auf den Kreis Cochem-Zell könnten geschätzt 40 000 Euro im Jahr zukommen, im Kreis Vulkaneifel waren bislang etwa 15 000 Euro für das ALT-System zu zahlen.
Meinung

Viel Geld für ein vages Ziel
Drei Millionen Euro für ein neues Nahverkehrskonzept? Eine stolze Summe für eine Ecke der Vulkaneifel und des Kreises Cochem-Zell, in der der ÖPNV - außer dem Schülerverkehr - fast keine Rolle mehr spielt. Natürlich wäre es zu begrüßen, wenn mehr Leute mit dem Bus fahren würden. Aber wie sie wieder daran gewöhnen, wie sie wieder in den Bus locken, wenn längst alles auf das Auto konzentriert ist? Daran etwas zu ändern, werden selbst fünf Jahre kaum reichen - wenn es denn überhaupt gelingt. Jeder weiß, dass bei einem solchen Projekt keine schwarzen Zahlen geschrieben werden können, aber es darf nicht sein, dass noch mehr fast leere Busse übers Land fahren. Davon gibt es heute schon genug. Drei Millionen Euro? Ob die an dieser Stelle gut angelegt sind, darf schon jetzt stark bezweifelt werden. Viel Geld für ein vages Ziel. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Das neue System soll am 1. Dezember 2013 starten und als Ab- beziehungsweise Zubringer zu den beiden Regiolinien 65 und 500 fungieren. Ein Kombiticket für die Regiolinien kann sich lohnen: Busnutzer zahlen 30 Prozent weniger Eintritt beim Besuch der Vulkaneifeltherme in Bad Bertrich.

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