Neue Station auf dem Weg zur Uni

Neue Station auf dem Weg zur Uni

GEROLSTEIN. Angebot komplett: An der Berufsbildenden Schule (BBS) in Gerolstein wird nach den Sommerferien mit der Berufsoberschule (BOS) II ein Bildungsgang eröffnet, der mit dem Abitur abschließt und den Gesellen so den Zugang zur Uni ermöglicht.

"Das ist das Sahnehäubchen auf unserem Angebot", schwärmt Oberstudiendirektor Heinz Brauns über das Ja der Schulaufsichtsbehörde, auch in Gerolstein im Jahr zwei nach der landesweiten Berufsschulreform die BOS II einzurichten. In der Region hat sonst nur die BBS in Trier den Zuschlag erhalten, landesweit sind es zwölf Berufsschulstandorte."Krönung der Strukturreform"

Die Entscheidung pro Gerolstein hält Brauns aus zwei Gründen für sinnvoll und richtig: die regionale Ausgewogenheit und die zentrale Lage der Brunnenstadt. Neben dem Oberzentrum Trier, dessen Berücksichtigung zu erwarten gewesen sei, sei das Ja zu Gerolstein "als Standort in der Fläche" eine "konsequente Entscheidung". "Wir haben im Bereich der Westeifel eine zentrale Bedeutung. Zudem haben wir von Anfang an dafür gekämpft", spielt Brauns auf das vehemente Befürworten und konsequente Umsetzen der (kompletten) Berufsschulreform an (der TV berichtete). Und dazu zählte für die Gerolsteiner Schulleitung von Anfang an auch die BOS II. Oder, wie es der stellvertretende Schulleiter Reiner Uhlendorf formuliert: "Das ist die Krönung der Strukturreform." Für Schulleiter Brauns ist das neue Angebot gar "ein großer Schritt hin zur Gleichwertigkeit der allgemeinen und der beruflichen Bildung". Vor allem den so genannten Spätzündern soll so ein relativ rascher Zugang zum Universitätsstudium ermöglicht werden und den bisherigen, langwierigen Umweg über den zweiten Bildungsweg ersparen. Schließlich beginnen viele Bildungskarrieren erst während der beruflichen Bildung. Brauns berichtet aus seiner langjährigen Praxis: "Viele merken erst im Berufsalltag, dass sie doch mehr lernen möchten. Das hat etwas mit Menschwerdung zu tun." Derjenige, der bewusst den Weg durch Haupt- und Realschule gegangen ist oder zwischenzeitlich im Gymnasium versagt hat, kann nun laut Uhlendorf "ohne große Probleme doch noch das i-Tüpfelchen draufsetzen". Binnen fünf bis fünfeinhalb Jahren kann ein Schüler mit mittlerer Reife auf dem Weg der beruflichen Bildung (also neben dem Erlernen eines Berufs) das Abitur erlangen: drei bis dreieinhalb Jahre Ausbildung samt Berufsschule, ein Jahr BOS I (mit der Fachhochschulreife als Abschluss) sowie ein Jahr BOS II.Hoffen auf die Nachbarschulen

Brauns meint: "Das Abitur über die BOS II ist kein Abitur zum Nulltarif, sondern mindestens so anspruchsvoll wie über den allgemeinen Bildungsweg." Nur wer das Zeug dazu habe, werde diesen Weg auch bestehen. Zu diesem Bestehen zählt unter anderem das Erlernen einer zweiten Fremdsprache. Dem Start des neuen Angebots blickt die Gerolsteiner Schulleitung jedoch noch mit ein wenig Ungewissheit entgegen. Zum einen, weil "viele noch gar nicht begriffen haben, welche Möglichkeiten ihnen mittlerweile eröffnet werden", sagt Brauns. Zum anderen, weil Erfahrungswerte fehlen. So kommen für die BOS II lediglich die Absolventen der BOS I in Frage. Und die wurde erst dieses Schuljahr eingerichtet. "Ich gehe aber davon aus, dass wir auf jeden Fall eine Klasse mit Technikern und Kaufleuten zusammenbekommen", sagt Brauns und hofft auf ein ähnlich großes Interesse von BOS-I-Absolventen an den Nachbarschulen in Bitburg, Prüm und Bernkastel-Kues wie in Gerolstein. Uhlendorf meint: "Nach den Osterferien sehen wir klarer."