Neuer Ärger um Gülle und Nitratwerte in Trinkwasserbrunnen in Birgel

Kostenpflichtiger Inhalt: Umweltschutz : Neuer Ärger um Gülle in Birgel

Drei Tiefbrunnen in Birgel weisen hohe Nitratwerte auf. Um sie weiter betreiben zu können, muss künftig Wasser aus dem Hochbehälter Hillesheim beigemischt werden. Trotzdem wird in dem sensiblen Bereich um die Brunnen weiterhin Gülle ausgefahren.

Seit Wochen beunruhigt viele Menschen an der Oberen Kyll die Tatsache, dass das Grundwasser dort zu hohe Nitratwerte aufweist. Für viele Menschen und auch die maßgeblichen Behörden ist klar, dass die Landwirtschaft die Ursache dafür ist. Über Strategien, die Lage zu verbessern, wurde bereits beraten, erste Maßnahmen wurden in Angriff genommen. Nun haben sich erneut Einwohner aus Birgel bei unserer Zeitung beschwert, weil ein Landwirt in der derzeitig geltenden Sperrfrist zwischen dem 1. November und dem 31. Dezember weiterhin Gülle ausfährt. „Und zwar bis an den Ortsrand und die belasteten Tiefbrunnen“, berichtet Agraringenieur Gerd Ostermann, der in Birgel wohnt und zudem als Biotopbetreuer für den Landkreis Vulkaneifel tätig ist. Eine Nachfrage bei der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) Trier ergab, dass der Landwirt eine Verlängerung der Ausfuhrgenehmigung beantragt und auch erhalten hat.

„Das hat alles seine Richtigkeit“, sagt Olaf Roller von der Genehmigungsstelle für die Ausfuhrverlängerungen bei der ADD. Für eine solche Erlaubnis müsse ein Bauer keine besonderen Nachweise erbringen, sagt Roller. „Die Genehmigung erhalten im Augenblick viele Landwirte. Es war lange Zeit viel zu trocken und die Bauern sind auf den letzten Schnitt des Wintergrases angewiesen.“

Agrar-Ingenieur Ostermann von der Bürogemeinschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie hält diese Erklärung für Unsinn: „Es ist November, es ist kalt und die Sonnenstunden nehmen rapide ab. Die Pflanzen können das Nitrat nicht mehr aufnehmen und verarbeiten. Das Zeug sickert so, wie es aufgebracht wird, in tiefere Erdschichten oder fließt einfach ab.“ Zudem hätte der Landwirt auch Gülle auf seine abgeernteten Maisäcker aufgebracht. „Das macht erst recht gar keinen Sinn und ist außerdem nicht zulässig.“

Doch es gibt einen weiteren Punkt, der laut Ostermann jeden, der sich mit dem schlechten Zustand der für die Wasserversorgung der Oberen Kyll so wichtigen Brunnen befasst, den Kopf schütteln lässt.

„Seit Jahren wissen die Behörden, die Verbandsgemeindewasserwerke und die Verbraucher, dass die Nitratwerte der Brunnen zu hoch sind und die zulässige Höchstmenge von 50 Milligramm pro Liter von Zeit zu Zeit überschreiten“, sagt Ostermann. Das wisse auch der betroffene Landwirt, mit dem in all der Zeit etliche Gespräche gelaufen seien – in der Hoffnung, einen für alle Seiten akzeptablen Ausweg aus der Misere zu finden.

Im Gespräch war und bleibt sogar eine finanzielle Entschädigung des Bauern, weil er seine Gülle in den geplanten Wasserschutzzonen II und III nicht mehr ausbringen darf.

Bereits im kommenden Jahr wollen die Verbandsgemeindewerke Gerolstein eine Wasserleitung von Hillesheim nach Birgel ziehen, um den Tiefbrunnen weniger belastetes Wasser hinzuzumischen. Kostenpunkt: rund eine Million Euro, Steuergeld.

Im Zuge der Neuordnung der Wasserversorgung an der Oberen Kyll sind die ergiebigen Birgeler Brunnen „Im Suhr“, „Im Poppental“ und „Hirschberg“ wichtig. Deshalb ist es vorgesehen, möglichst bald neue Wasserschutzzonen um die Brunnen auszuweisen, auf denen das Ausbringen von Gülle verboten ist.

Mit der Planung der Wasserschutzzonen II und III auf der Birgeler Gemarkung ist zurzeit die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD Nord) in Trier befasst. Von dort gab es auf eine schriftliche Anfrage bis Redaktionsschluss keine Antwort – weder auf die Frage, was sie zur Verlängerung der Ausfuhrfrist durch die ADD und das Aufbringen der Gülle in diesem besonders sensiblen Gebiet hält.

Ostermann hingegen wird sehr deutlich: „Es ist eine Unverschämtheit, dass der Landwirt den jetzt noch rechtsfreien Raum nutzt und die insgesamt 19 Hektar der geplanten Wasserschutzzone güllt.“

Der betroffene Landwirt Alfons Schmitz sagt, dass die zehn Kubikmeter Gülle, die er auf den Acker ausgebracht hat, der Verrottung der Maisstoppeln zuträglich war. Die Gülle in der Nähe des Brunnens habe er aufgrund der Sondergenehmigung ausgebracht. Er ärgert sich, dass der Brunnen „Im Suhr“ insgesamt an einer ungeeigneten Stelle angebracht sei. Eine Mülldeponie, undichte Zuleitungen von Kläranlagen und die Bundesstraße 421 lägen dort ganz in der Nähe.

Bald sollen neue Wasserschutzzonen um die Brunnen in Birgel ausgewiesen werden, auf denen das Ausbringen von Gülle verboten ist. Foto: TV/Vladi Nowakowski

Der Bauernverband des Vulkaneifelkreises, der seit Jahren an den Gesprächen zwischen ADD, SGD und den VG-Werken teilgenommen hat und sich stets bemühte, den betroffenen Landwirt zu unterstützen, will keine offizielle Stellungnahme zur Sache abgeben.

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