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Neuer Eigentümer für das Eisenmuseum

Neuer Eigentümer für das Eisenmuseum

Das frühere Kreisheimatmuseum in Gerolstein besitzen sie schon, nun kommt eine weitere bekannte Einrichtung hinzu: Christa und Christian Engels kaufen das Eisenmuseum in Jünkerath vom Kreis. Die Ausstellungsstücke bleiben aber in dessen Besitz.

Daun/Jünkerath/Gerolstein. "Aus meiner Sicht ist eine zufriedenstellende Lösung gefunden worden. Unsere Hauptanliegen sind erreicht: Das Eisenmuseum bleibt für die Öffentlichkeit zugänglich und die Eisenbahnfreunde haben mit ihrem Museum im Keller des Gebäudes weiter ein Domizil", sagt der Jünkerather Ortsbürgermeister Rainer Helfen. Nach langen Verhandlungen, in denen unterschiedliche Optionen diskutiert wurden, hat der Kreistag nun entschieden: Das Eisenmuseum in Jünkerath wird an Christa und Christian Engels für einen laut Kreisverwaltung "symbolischen Preis" (nach TV-Informationen ein Euro) verkauft.
"Der Kreis ist mehr als froh, mit der Familie Engels einen neuen Eigentümer gefunden zu haben. Sie wird gewährleisten, dass auch in den kommenden Jahren die Geschichte der Eisenindustrie im Kreis weiter der Öffentlichkeit präsentiert werden kann", sagt Heinz-Peter Hoffmann, der bei der Kreisverwaltung für die Museen zuständig ist.
Als noch diskutiert wurde, dass die Gemeinde Jünkerath das Museum übernehmen könnte (der TV berichtete), hatte der Kreis einen Zuschuss von 20 000 Euro zur Sanierung des Gebäudes in Aussicht gestellt. Diese Summe bekommen nun auch die neuen Besitzer.
Defizit des Kreises reduziert


Sie sind im Kreis keine Unbekannten: Familie Engels betreibt bereits seit 2005 das frühere Kreisheimatmuseum in der Sarresdorfer Straße in Gerolstein. "Dort haben sie ein gutes Gespür und eine glückliche Hand für die Kultur- und Heimatpflege bewiesen", sagt Hoffmann.
In der Diskussion um den Beitritt des Kreises zum Entschuldungsfonds des Landes war sogar eine Schließung des Museums ein Thema. Das wollten die Jünkerather verhindern und hatte eine Übernahme des Museums durch die Gemeinde ins Gespräch gebracht. Diese Lösung war lange erste Wahl, dann aber tat sich die Option mit einem privaten Träger auf.
"Diese Lösung ist gemeinsam von Gemeinde und Kreis erarbeitet worden, deshalb können wir auch gut damit leben", sagt der Jünkerather Ortsbürgermeister. Kreis und Gemeinde werden sich künftig an den Unterhaltungskosten beteiligen. Helfen: "Wir zahlen monatlich 100 Euro, der Kreis 750 Euro." Damit wird das bisherige jährliche Defizit des Kreises deutlich reduziert. In den vergangenen Jahren musste er durchschnittlich 30 000 Euro für den Betrieb des Museums zuschießen.
"Es konnte nicht sein, dass ein solches Museum, in dem so viel Eifeler Kultur und Tradition steckt, geschlossen wird", führt Christian Engels (60) als einen Grund an, warum er und seine Frau die Einrichtung übernehmen. "Die Region braucht ein solches Museum. Ich denke, man kann einiges draus machen. Es hat einen guten Ruf, darauf können wir aufbauen", sagt der gelernte Schlosser und Schreiner, der mehrere Jahrzehnte Antiquitätenläden in Köln und Umgebung geführt hat. Das Inventar des Museums bleibt im Kreisbesitz und wird als Dauerleihgabe den neuen Besitzern zur Verfügung gestellt. Im Kaufvertrag ist festgehalten, dass das Gebäude an den Kreis zurückfällt, falls das Museum in den kommenden zehn Jahren nicht mehr betrieben werden kann. sts
Das Eisenmuseum ist am Sonntag, 1. April, von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

´Extra

Das Eisenmuseum Jünkerath ist 1991 vom ehemaligen Kreis Daun im Gebäude der alten Berufsschule Jünkerath eingerichtet worden. Es liegt direkt neben dem Gelände einer vor mehr als 300 Jahren gegründeten Gießerei. Der Abbau von Eisenerz und die Verarbeitung des Metalls haben in Jünkerath und Umgebung eine lange Tradition. So geht man davon aus, dass bereits die Kelten 55 vor Christus erste Verhüttungsanlagen in der Eifel anlegten. Auch die Römer haben in Jünkerath, damals Icorigium, Eisen verarbeitet. Der Niedergang der Eifeler Eisenhütten begann Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Vorkommen nahe der Erdoberfläche fast abgebaut waren und billiges Eisen aus England auf dem Kontinent verkauft wurde. In den vergangenen Jahren kamen durchschnittlich rund 2000 Besucher ins Eisenmuseum. slg