Neues Amt, bekannte Aufgaben

Neues Amt, bekannte Aufgaben

In der Verbandsgemeinde Daun gibt es nun keinen vakanten Bürgermeisterposten mehr. In Strohn hat der gebürtige Saarländer Heinz Martin das Amt übernommen. Er ist 2014 in die Kommunalpolitik eingestiegen, damals nicht ahnend, dass er einmal an der Spitze des Dorfs stehen würde.

Strohn. Bürgermeisterwahlen in Strohn sind - zumindest was die jüngere Vergangenheit angeht - ein Kapitel für sich. Bei der Kommunalwahl im Mai vor zwei Jahren tritt Helmut Schäfer als Einzelbewerber an - aber der Polizeibeamte fällt, wenn auch knapp, durch. Anfang November 2014 tritt er erneut an, diesmal hat er einen Konkurrenten - und gewinnt. Aber nach drei Monaten im Amt tritt Schäfer zurück. Ein Bürgermeister so kurz im Amt, das waren die Strohner gar nicht mehr gewohnt, stand doch zuvor Alois Pohlen bis 2014 35 Jahre lang an der Spitze des Dorfs.
Führungslos war der Ort aber nicht, bis auf die dreimonatige Amtszeit Schäfers hat Heinz Martin seit Mitte 2014 als 1. Beigeordneter die Geschäfte geführt - als kommunalpolitischer Neuling. Die Unzufriedenheit mit einigen Entscheidungen des früheren Gemeinderats hat ihn 2014 bewogen, sich kommunalpolitisch zu engagieren: "Nur kritisieren reicht nicht, wer etwas ändern will, muss sich einbringen." Die Lust am "Regieren" hat er nicht verloren, im Gegenteil: Er hat sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zur Wahl als neuer Ortsbürgermeister gestellt.
Obwohl er schon viele Sitzungen geleitet hat, an diesem Abend ist er nach eigenem Bekunden dann doch etwas nervös. Martin wird als einziger Kandidat vorgeschlagen, es wird geheim gewählt. Dann das Abstimmungsergebnis: sieben Ja-, zwei Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen. Es ist vollbracht: Strohn hat wieder einen "richtigen" Ortsbürgermeister. Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Daun, gratuliert und hofft, dass die Wahl "ein Stück auf dem Weg in normalere Verhältnisse" ist. Er spielt darauf an, dass in Strohn von einem echten Dorffrieden noch nicht wieder die Rede sein kann. Der Streit um die Einrichtung einer Deponie in der Grube hat 2013/2014 für tiefe Gräben gesorgt.
Warum wurde nicht schon früher ein Bürgermeister gewählt? "Wir haben nicht unter Druck gestanden, das Alltagsgeschäft haben wir auch ohne offiziellen Bürgermeister bewältigt", sagt der neue Amtsinhaber. Also warum nun doch? "Es geht um die Außenwirkung, wenn es beispielsweise um den Kontakt mit Behörden aller Art geht. Dort wird schon mal gefragt, warum es keinen ,richtigen' Ortsbürgermeister gibt."
Vorab geklärt worden ist, dass es Geschäftsbereiche für den Bürgermeister und die Beigeordneten geben wird. "Die Aufgaben werden also auf mehrere Schultern verteilt. Sonst hätte ich mich auch nicht zur Wahl gestellt", sagt der gebürtige Saarländer. Er ist in den 1980er Jahren als Zeitsoldat in die Eifel (in die Heinrich-Hertz-Kaserne Daun) gekommen und der Liebe wegen (seine Frau stammt aus Strohn) geblieben. 1994 hat er sich mit einem IT-Unternehmen mit Sitz in Gillenfeld selbstständig gemacht.
Aus seiner Sicht ist genug zu tun, um das Dorf attraktiv zu halten. Schnelles Internet ist gesichert, die Kindertagesstätte wird erweitert (der TV berichtete), "zwei Pluspunkte fürs Dorf, aber wir brauchen auch eine Erweiterung des Neubaugebiets, um jungen Familien eine Perspektive zu bieten, sich hier niederzulassen."
Aktuell ist nach wie vor das Thema Deponie. Die Firma Scherer will eine in der von ihr betriebenen Grube in Strohn einrichten, die Mehrheit des Gemeinderats ist dagegen. Er hat dem Unternehmen ein Angebot gemacht: Verzichtet es auf die Deponie, verhandelt die Gemeinde über eine Verlängerung des bis 2026 laufenden Vertrags über den Gesteinsabbau. Firmenchef Jörg Scherer ist darauf nicht eingegangen, er hat den Genehmigungsantrag, über den die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) entscheidet, nicht zurückgezogen.
Aber auch der neue Ortsbürgermeister steckt nicht zurück: "Unser Ziel ist, eine Deponie der Klasse 1 zu verhindern. Über unbelasteten Bauschutt und Erdaushub können wir reden."
Ein Kurzgastspiel wie das des früheren Bürgermeisters wird es bei ihm nicht geben, verspricht Martin: "Wir haben einen klaren Auftrag bis zur Kommunalwahl 2019, und den werden wir hoffentlich so erfolgreich wie bisher erfüllen."Extra

In Kaperich (Verbandsgemeinde Kelberg) gibt es gut zwei Jahre nach der Kommunalwahl immer noch keinen Bürgermeister. Und auch keine Beigeordnete, die die Amtsgeschäfte führen könnten, deshalb hat die Kommunalaufsicht des Kreises Vulkaneifel den Bürgermeister der VG, Karl Häfner, vor gut einem Jahr als sogenannten "Beauftragten" eingesetzt. Dieser Zustand kann bis zur Kommunalwahl 2019 dauern, möglicherweise aber mit einem anderen kommissarischen Ortschef, denn die Amtszeit von Häfner als hauptamtlicher Bürgermeister läuft 2018 aus. Ein weiterer Bürgermeisterposten ist in der VG Kelberg zu besetzen: in Retterath. Hermann Hay hat sein Amt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt am 31. März niedergelegt. Wer die Nachfolge antreten und sich der Urwahl stellen will, muss seine Bewerbung bis spätestens nächsten Montag einreichen. Findet sich niemand, kann der Gemeinderat einen neuen Bürgermeister wählen. Wie es in Gunderath (ebenfalls VG Kelberg) geschehen ist: Dort hatte Markus Theisen den Bürgermeisterposten aus beruflichen Gründen aufgegeben. Sein Nachfolger ist seit Kurzem Nick Radermacher. sts

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