Neues Geld für altes Gemäuer

Mürlenbach/Mainz/Berlin · Für insgesamt 132 000 Euro wird die Sanierung der Bertradaburg in Mürlenbach vermutlich noch in diesem Jahr fortgesetzt und vorerst zum Abschluss geführt. Bund und Land unterstützen die Instandsetzung eines Kellers und einer weiteren Außenmauer mit 107 000 Euro, der Eigentümer beteiligt sich mit 25 000 Euro.

Foto: (e_gero )

Mürlenbach/Mainz/Berlin. "Wir fühlen uns nach wie vor gut als Burgherren. Wir wussten, auf was wir uns eingelassen haben und haben insgesamt selbst schon einen siebenstelligen Betrag investiert", sagt Gottfried Schüll in Bezug auf Kauf und Instandsetzung des historischen Gemäuers.Imposanter Doppelturm


Der diplomierte Physiker und Patent-Anwalt aus Düsseldorf, der in Daun Abitur gemacht hat, hat gemeinsam mit seiner Frau und Architektin Annette Carduck die Bertradaburg in Mürlenbach 2008 gekauft - zumindest den Großteil der Burg. Denn der imposante Doppelturm samt einem Stück der nördlichen Wehrmauer gehört weiterhin dem Land Rheinland-Pfalz.
Bund (67 000 Euro) und Land (40 000 Euro) bezuschussen nun die weitere Sanierung des bedeutsamen historischen Gemäuers, Eigentümer Schüll steuert nach eigenen Worten ebenfalls 25 000 Euro zu.
"Mit dem Geld wird ein eingestürzter Keller freigelegt, abgedichtet und mit neuen Decken versehen, damit es nicht zu weiteren Feuchtigkeitsschäden kommt, zudem wird ein Teil der großen Wehrmauer saniert", sagt Burgherr Schüll. Die Maßnahme soll noch dieses Jahr in Angriff genommen werden.
Schüll bedankt sich ausdrücklich beim CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder. Diesen hatte er wegen des eingestürzten Kellers angesprochen und um Unterstützung gebeten. Mit Erfolg: Schnieder hatte sich bei der Kulturstaatsministerin Monika Grütters und bei den Abgeordneten des Haushaltsausschusses dafür eingesetzt, dass die Burg in die Förderung des Denkmalschutz-Sonderprogramms aufgenommen wird.
"Ich freue mich sehr über diese Entscheidung und wünsche den Burgherren für die Sanierung alles Gute", ließ Schnieder wissen.Kosten: 750 000 Euro


Die Maßnahme bildet laut Schüll den vorläufigen Abschluss der Sanierung. Für rund 750 000 Euro ist die Burg mit Unterstützung von Bund und Land seit dem Eigentümerwechsel auf Vordermann gebracht worden - vor allem die große Wehrmauer ist saniert worden.
Mit einem anderen Vorhaben lassen sich die Burgherren hingegen Zeit: dem Umbau eines Gebäudes innerhalb der Burg als eigenes Domizil. "Das werden wir komplett entkernen und nach eigenen Vorstellungen gestalten. Das kann allerdings noch ein paar Jahre dauern", sagt Schüll, der nach eigener Auskunft ein bis zwei Mal im Monat mit seiner Frau und den vier Kindern in der Burg ist. Dann wohnen sie in der Ferienwohnung der Burg, die bereits seit Langem hergerichtet ist und an Urlaubsgäste vermietet wird.
Die Burg soll nach Auskunft der Eigentümer auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Neben den regelmäßigen Burgführungen mit dem Knappen Wollibert (Wolfgang Bonefas) von Mai bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat sowie den gebuchten Führungen nach Terminvereinbarung ist es vor allem das jährliche Sommerfest (2015: 8. und 9. August), bei dem die historische Anlage präsentiert wird.
Hans-Peter Böffgen, Geschäftsführer der Tourismus- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gerolsteiner Land, begrüßt die anstehende Sanierung. Er sagt: "Die Bertradaburg ist ein touristisches Highlight des Gerolsteiner Landes. Wir freuen uns natürlich, wenn die Burg in Schuss gehalten wird, weiter für die Öffentlichkeit zugänglich ist und dort wieder mehr Leben einkehrt."Extra

Zur Geschichte der Betrada burg führen die Eigentümer auf der Homepage www.bertradaburg.de aus: "Die Gründung der Bertradaburg erfolgte vermutlich am Ende des 13. Jahrhunderts unter Abt Heinrich von Prüm. 1331 wurde die Burg urkundlich erstmals erwähnt. Die Auseinandersetzungen, die das Erzbistum Trier seit dem 12. und 13. Jahrhundert im Rahmen der Gebietserweiterung führte, ließ auch die Bertrada burg nicht unbehelligt. Da die Burg der Abtei Prüm unter anderem als Verteidigungsanlage diente, erfolgte im Laufe des 16. Jahrhunderts der Ausbau zur Festung. Dieser Ausbau wurde auch nach dem Zusammenschluss der Abtei Prüm mit dem Erzbistum Trier Ende des 16. Jahrhunderts fortgesetzt. Wenige Jahre später allerdings waren große Teile der Burg bereits verfallen. 1804 erklärte die französische Besatzung die Burg zum Nationaleigentum. Im Zuge des folgenden Verkaufs war das Burgareal bewohnt, die Reste des Palas wurden zur Brauerei ausgebaut und eine Straße zur Burg angelegt. In den 1960er-Jahren entstanden Wohnhäuser am westlichen Burghang. In den 1980er-Jahren begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die bis heute andauern. mh