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"Nicht alles kann toleriert werden"

"Nicht alles kann toleriert werden"

BONN/GEROLSTEIN. (mh) Katrin Weber (14) aus Zendscheid, die das St. Matthias-Gymnasium (SMG) in Gerolstein besucht, hat mit ihrem Plakat zum Thema Toleranz als einzige Schülerin aus Rheinland-Pfalz einen renommierten Schulwettbewerb gewonnen - den Europäischen Wettbewerb.

"Ich habe gar nicht mehr damit gerechnet. Doch dann kam auf einmal das Schreiben des Zentrums für Europäische Bildung, dass ich gewonnen hätte", berichtet die 14-Jährige. Mit ihrer an Kunst interessierten Mutter Lydia und ihrem Kunstlehrer am SMG, Helmut Blinn, der die Teilnahme am Wettbewerb angeleiert hatte, sei dann der Entschluss gefasst worden: "Zur Preisverleihung in Haus der Geschichte nach Bonn fahren wir gemeinsam hin." Das war vergangene Woche. 40 Preisträger samt Anhang waren dort. Und in der Festansprache sei dann gesagt worden, dass sich die Gewinner unter 200 000 Teilnehmern durchgesetzt hätten. Auf die Frage nach ihrem Lampenfieber sagte die Teenagerin: "Das ging - schließlich konnte ich ja nichts mehr falsch machen. Ich hatte nur Angst davor, eine Rede halten zu müssen. Musste ich aber nicht. Zum Glück." Froh ist sie besonders über ihren Sonderpreis, eine Digitalkamera. Den hat sie für ihr Plakat zum Thema Toleranz erhalten. Die Idee zu ihrem Bild, dass drei Neo-Nazis von hinten - mit Glatzköpfen und Bomberjacken als den typischen Symbolen - sowie einen Lexikon-Ausschnitt mit dem Stichwort Toleranz zeigt, sei ihr nach einigem Nachdenken eingefallen. Spontan aber habe für sie festgestanden, dass sie nicht die "typischen positiven Beispiele für Toleranz wie Kinder verschiedenen Nationalitäten, die miteinander spielen", malen wollte. "Ich wollte die Toleranz-Idee einschränken. Zeigen, dass nicht alles toleriert werden kann", sagt sie. Zwar sei sie nicht sonderlich politisch interessiert und habe auch persönlich keine Negativ- Erfahrungen mit Neo-Nazis gemacht, "aber was in dieser Zeit alles passiert ist, finde ich nur schrecklich", spielt sie auf das Thema Nationalsozialismus an. Das habe sie im Unterricht "sehr beschäftigt, aber es kommt in der Schule noch viel zu kurz.""Glaube, meine Mutter ist ziemlich stolz"

Das Plakat will sie, sobald es zurück ist, ihrer Mutter schenken. Schließlich habe die ein viel größeres Faible für Kunst und bereits eigene Werke ausgestellt. "Ich glaube, dass sie ziemlich stolz ist und sich mehr gefreut hat, als ich selbst." Na ja, über die Eins, die sie für das Bild bekommen hat, ist Katrin auch froh. "Denn früher war ich nie gut in Kunst". Ihr Kunstlehrer jedenfalls ist vom Werk überzeugt. Er sagte: "Katrin orientierte sich am Prinzip der Prägnanz und des sparsamen Einsatzes bildnerischer Mittel. Es entstand ein Plakat, das durch seine Beschränkung auf ein einprägsames Bildmotiv und wenig Text die Ambivalenz des Begriffs Toleranz eindringlich vermittelt.