Nicht das letzte Wort

Trotz der Freisprüche für Zimmermann und Marschall: Sowohl die Urteile als auch die beiden Verhandlungstage haben viele Fragen unbeantwortet gelassen und auch neue aufgeworfen. Fraglich ist beispielsweise nach wie vor: Weshalb wurde die Auszahlung von Urlaub an Zimmermann nicht geahndet, obwohl dies "offenkundig" einen Rechtsbruch darstellte, dessen sich nach Worten des Richters auch der Angeklagte hätte bewusst sein müssen?

Fraglich auch, wie es sein kann, dass eine Aufwandsentschädigung (hier für die VHS-Geschäftsführung) von jetzt auf gleich versechsfacht wird; und der Empfänger kann ungestraft die Hand aufhalten. Ebenfalls nur schwer nachzuvollziehen sind die kollektiven Erinnerungslücken. Zum Beispiel bei Klaus Schildgen. Der ist nicht irgendwer, sondern seit langen Jahren Sprecher der CDU-Mehrheitsfraktion im Gerolsteiner VG-Rat und zudem Partei-Vorsitzender. Und ohne die wird bekanntlich seit jeher keine Entscheidung im Gerolsteiner Land gefällt. Und dieser Mann will von den Altersteilzeit-Regelungen im Detail nichts gewusst haben? Aber das letzte Wort in dieser Angelegenheit dürfte noch nicht gesprochen sein. Schließlich laufen noch zwei Ermittlungsverfahren. Allen voran steht nun, nachdem ihm Rodermann, Schildgen und die beiden Verteidiger den Schwarzen Peter zugeschoben haben, Ex-Büroleiter Klaus Jansen im Mittelpunkt des Interesses. Seine Aussagen dürften somit die Erinnerung des einen oder anderen wieder auffrischen. Aber trotz der noch offenen Fragen: Einen Zweck hat der Prozess hoffentlich schon erfüllt: Dass Rats- und Ausschussmitglieder ihre eigene Arbeitsweise mal auf den Prüfstand stellen. m.huebner@volksfreund.de