Nicht nur die Schule wird etwas bunter

GEROLSTEIN. Mit ihrem Englisch als gemeinsamer Sprache fallen sie unter den sonstigen Urlaubsgästen in Gerolstein kaum auf: Die 17 jugendlichen Teilnehmer des dreiwöchigen Arbeitscamps, das zum dritten Mal in Gerolstein veranstaltet wird, stammen aus acht Nationen.

Ob am Stausee oder in der Schule: Das Radio läuft immer und gibt die aktuellen Chart-Hits zum Besten. Einen nach dem anderen. Und die scheint jeder zu kennen, ob er aus Estland, Russland oder Polen, aus Spanien, England oder Frankreich, aus der Türkei oder aus Deutschland kommt. "Wir machen alles mit Musik", sagt Svetlana Finoguenova (21) aus Moskau und erntet von ihren beiden Mitstreiterinnen Irina Gaydenko (21), ebenfalls aus Moskau, und Oksana Zilina (18) aus Estland ein deutliches Nicken. "Manchmal tanzen wir sogar", fügt Svetlana hinzu, und erntet erneut eine Bestätigung, diesmal von Forstwirt Günter Hebben, der, so scheint es, dabei gleichzeitig den Kopf schüttelt und die Achseln hochzieht und vermutlich denkt: "Die jungen Leute." Dennoch ist die Arbeit mit den Heranwachsenden - und es ist Arbeit, schließlich handelt es sich um ein so genanntes "Work (also Arbeits)-Camp" - auch für ihn eine willkommene Abwechslung von der harten Maloche im Wald. Sein knapper Kommentar: "Es macht Spaß." Oder wie es sein Chef, Revierförster Ewald Michels, sagt: "Mit den Mädels zu schaffen, ist ja auch was anderes als wie üblich mit den rauen Waldschraten." Kann man wohl sagen, denn die sind wohl nur selten in Shorts und Top anzutreffen. Damit aber ja kein falscher Eindruck entsteht, zeigen die Drei auf den bereits ausgebesserten Holzzaun und greifen zu Hobel und Schleifgerät, mit denen sie die massiven Holzbalken bearbeiten, aus denen neue Bänke hergestellt werden. Denn unter anderem sorgen die Jugendlichen mit Leuten des Angelvereins und des Forstamts dafür, dass das Areal am Stausee wieder auf Vordermann gebracht wird. Aber am Nachmittag, so ab 15, 16 Uhr, ist Schwimmbad angesagt. Denn Arbeit muss zwar sein, Freizeit aber auch. Bis dahin dauert es aber für die andere Gruppe noch ein wenig. Sie schneidet von Gestrüpp zugewachsene Wege und Pfade zur Dietzenley frei, und erhält dabei Unterstützung von Forstwirt Peter Mülbusch und - vor allem - von seiner Kettensäge. "Es ist zwar gut, dass wir draußen sind, aber in der Schule war die Arbeit doch einfacher", sagt der 22-jährige Hygar Erten aus Ankara. Und er nennt noch einen Grund, weshalb er den anderen Job - jeder macht reihum alles - bevorzugte: "In der Schule konnten wir immer was essen und trinken, da der Kühlschrank in der Nähe war."Interessiert an den Sitten in anderen Ländern

Ja, kreative Köpfe sind auch gefragt. Denn die dritte Baustelle ist in der Regionalen Schule, wo die Jugendlichen zudem untergebracht sind und sich selbst verpflegen. Teile des Flurs - und manchmal auch Nasen der Teilnehmer - werden gestrichen und später landestypisch bemalt. Ohnehin steht das gegenseitige Kennenlernen der Sitten und Gebräuche aus anderen Ländern ganz oben im Konzept dieser Begegnung als auch bei den Teilnehmern, die immerhin drei Wochen miteinander verbringen (müssen). Und dabei erfährt man auch Dinge, die so meist nicht im Reiseführer stehen. Gruppenleiterin Anika Grunhold (24) aus Hamburg nennt ein Beispiel: "Jetzt weiß ich, dass es in Frankreich durchaus üblich ist, dass Männer den Frauen hinterherpfeifen oder sie sogar berühren, während das in der Türkei undenkbar wäre. In der Türkei wiederum duschen die Männer nicht in Gruppen. Aber das muss ja jetzt nicht geschrieben werden." Warum eigentlich nicht? Dafür müssen an jedem Tag zwei Teilnehmer für die Verpflegung der Mitstreiter sorgen. Dann wird meistens landestypisch gekocht. "Bei uns gab es Blini, das sind russische Pfannkuchen, die verschieden gefüllt werden können. Ich denke, es hat geschmeckt", sagt Irina Gaydenko. Was die beiden deutschen Teilnehmerinnen zaubern werden, sei noch nicht klar, meint Lydia Ehrler: "Wahrscheinlich was mit Kartoffeln." Mal sehen, mit welchen landestypischen Sitten die anderen Teilnehmer dann erst beim "Kulturabend" überrascht werden.