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Notlösung mit Erfolg und Tücken

Notlösung mit Erfolg und Tücken

Die gute Nachricht, die auch an anderen kleinen Grundschulen und den potenziell betroffenen Elternhäusern in der Region positiv zur Kenntnis genommen werden dürfte: Das Lernen in der Kombi-Klasse in Neroth scheint zu funktionieren.

Das ist erfreulich, war aber nicht unbedingt zu erwarten. Schließlich waren weder Eltern, Kinder noch die Lehrer auf diese Situation vorbereitet. Und dennoch: eine Notlösung mit Erfolg. Sie birgt aber auch Tücken. Erstens: Die Klasse wird wieder auseinandergerissen, was immer ein Problem in der Entwicklung der Kinder darstellt. Doch der Staat kann (und will) es sich nicht leisten, für fünf Schüler eine eigene Klasse zu bilden und einen Lehrer zu bezahlen. Daher werden die fünf Erstklässler in anderthalb Jahren die "Großen" in einer neuen Kombi-Klasse sein, die dann bis zum Abschluss geführt wird. Denn - und das ist der zweite Knackpunkt - ab der dritten Klasse steigt der Leistungsdruck in der Grundschule in der Regel enorm an. Schließlich sollen die Kinder optimal auf die weiter führenden Schulen vorbereitet werden. Und dadurch ist es kaum mehr zu verantworten, noch ein paar jüngere Schüler "mitzuschleppen". Einen eventuellen Misserfolg würden die Eltern sofort dem System und den Lehrern anlasten. Die wiederum sind für solche Experimente überhaupt nicht ausgebildet. Nicht von ungefähr hat sich die erfahrenste unter den Nerother Pädagogen dem Projekt angenommen. Und hat Glück gehabt, dass die Klasse klein geblieben ist. Bei 27 Schülern - wie es das Gesetz ermöglicht - ist ein solches Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Falls das Modell der Kombi-Klasse Schule machen sollte, was angesichts sinkender Schülerzahlen und entwicklungspsychologischer Erfolge durchaus sinnvoll ist, muss zweierlei gewährleistet sein: Lehrer, die dafür ausgebildet sind, und kleine Klassen. Ansonsten wird Bildung zum Glücksspiel. m.huebner@volksfreund.de