Nürburgring hat neue Strahlkraft dank schwarzer Zahlen

Wirtschaft : Nürburgring hat neue Strahlkraft dank schwarzer Zahlen

Nach Jahren des Niedergangs ist der Nürburgring wieder in der Erfolgsspur. Davon profitieren nicht nur die neuen Eigentümer, die 200 Angestellten und übers Jahr verteilt mehr als 1100 Aushilfen, sondern die gesamte Region.

Irgendwie passt dieser Widerspruch zum Nürburgring: Während drinnen Geschäftsführer Mirco Markfort darüber referiert, dass vom Ring „seit drei, vier Jahren wieder eine immense Strahlkraft ausgeht“ und „wir wieder tiefschwarze Zahlen schreiben“, peitscht draußen scharfer Wind zunächst starken Regen, dann Schnee über die Rennstrecke – und dass Mitte März, kurz vor dem Start in die neue Motorsport-, Rad- und Eventsport-, Festival- und Firmenkunden-Saison, die Markfort mit namhaften Gästen wie dem zweifachen DTM-Champion Marco Wittmann und Rennradprofi Christian Knees vom Team Sky vorstellt.

Der Ring: Das war stets (bei fast allen Events, mal im stündlichen Wechsel und auch über die Jahre hinweg) Licht und Schatten, Regen und Sonne zugleich. Zumindest musste man darauf als Veranstalter, (Motor-)Sportler und Besucher stets gefasst sein. Doch schenkt man Geschäftsführer Markfort Glauben, so gilt die Wechselhaftigkeit für den Ring nur noch meteorologisch. Im TV-Gespräch sagt er: „Wir haben auf allen Ebenen neue Partner gefunden, unsere Streckenauslastung liegt bei nahezu 100 Prozent, wir haben inzwischen viele erfolgreiche Standbeine. Kurzum: Wir sind ein gesundes mittelständisches Unternehmen. Um den Ring braucht sich vorerst niemand Sorgen zu machen.“ 2018 sei sehr erfolgreich gewesen, „und ich gehe davon aus, dass es 2019 genauso weitergeht“.

Der Ring habe wieder eine „enorme Strahlkraft“. Und die wirke sich nicht nur auf das Unternehmen, sondern die gesamte Region aus. Genaue Zahlen, wie viel Umsatz der Ring in die Region bringe, könne er zwar nicht nennen. Aber auf Basis der internen Ring-Zahlen (die er nicht nennt) geht er von Gesamt-Umsätzen, die der Ring der Region bringe, „in dreistelliger Millionenhöhe“ aus.

Und er sagt: „Ich verspreche mir durch unsere Kooperation mit umliegenden Hochschulen wie Remagen, Aachen und Köln genau zu diesen Fragen mal konkrete Antworten zu bekommen. Das wäre für uns sehr aufschlussreich und daher werden wir das auch mal anpacken.“

Doch wer genau profitiert davon, wenn es am Ring fluppt? Das sind zunächst einmal die umliegenden Gemeinden. Markfort zählt auf: „Das Gewerbegebiet in Meuspath platzt aus allen Nähten. Manthey und AMG haben da groß investiert, Hyundai hat ein Testcenter und so weiter und so fort.“ Ein guter Indikator für die Strahlkraft des Nürburgrings sei auch die Verwendung der Marke. So seien im vergangenen Jahr Sondermodelle mit Alfa Romeo gemacht worden, eine BBS-Felge und an der Grand-Prix-Strecke ist keine Werbebande mehr frei. „Man schmückt sich wieder gerne mit der Marke, der Nürburgring zieht wieder, er hat definitiv seine schlechten Zeiten überstanden.“

Große Profiteure sind auch Hotellerie und Zimmervermieter: Bei den Vorzeigeveranstaltungen wie dem 24-Stunden-Rennen oder der DTM (der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft) ist es laut Markfort schwer, im Umkreis von 60 bis 70 Kilometern noch ein Zimmer zu bekommen. Das bestätigen Hoteliers beispielsweise aus Daun oder Hillesheim. So sagt Ruud Zillig, Direktor des Augustiner-klosters in Hillesheim: „Wir merken schon lange im Voraus, wenn am Nürburgring ein großes Event ist – und sind natürlich sehr froh darüber.“

Bei Rock am Ring oder den anderen Festivals, wo die meisten Besucher ja zelteten, sei es zwar nicht ganz so dramatisch, aber auch dann seien im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern sämtliche Zimmer vermietet. Und die Leute kaufen natürlich in den umliegenden Geschäften (etwa in Kelberg) ein, besuchten Cafes und Restaurants, nutzen Taxen und sonstige Dienstleistungen. Man nehme beispielsweise nur die Brötchenlieferungen von regionalen Bäckern an den Ring samt seiner Hotels, die regionalen Handwerker, die Wartungs- oder Sanierungsarbeiten am Ring erledigen. Oder die aktuelle Generalsanierung von drei Kilometern Strecke sowie 900 Meter Fangnetz auf der Nordschleife, die rund vier Millionen Euro gekostet hat und von regionalen Firmen erledigt wurde.

Markfort sagt: „Es gibt sehr viele Anbieter, die entweder in erster Linie vom Nürburgring abhängig sind oder aber Geschäfte mit uns machen, die ich gar nicht alle aufzählen kann. Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es sie gibt. Denn es funktioniert nur miteinander.“

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