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Nur 100 Meter Abstand zwischen Baugebiet und Lavagrube

Nur 100 Meter Abstand zwischen Baugebiet und Lavagrube

Das Neubaugebiet "An den vier Bäumen" in Hillesheim ist mittlerweile so weit erschlossen, dass die ersten Bauwilligen loslegen können. Die Interessengemeinschaft Eifelvulkane aber warnt: Das Areal grenzt an ein riesiges Basalt- und Lavagebiet, die Abbauarbeiten könnten bis auf 100 Meter ans Baugebiet reichen. Besondere Lärmschutzmaßnahmen sind nicht vorgesehen.

Wer sich derzeit im Neubaugebiet "An den vier Bäumen" am östlichen Stadtrand von Hillesheim mit gutem Ausblick über die Beispielstadt aufhält, hört unweigerlich Baulärm. Die ersten Bauwilligen sind zugange.

Doch da ist noch mehr. Aus östlicher Richtung dringen aus einiger Entfernung weitere Baugeräusche herüber - das Brummen von Motoren und permanente schnelle Schläge wie von Hammer und Meißel: tak, tak, tak, tak ... Sie stammen aus den benachbarten Steinbrüchen im Gebiet "Kyller Höhe". Dort bauen die Firmen Rheinische Provinzial-Basalt- und Lavawerke (auf dem gepachteten Gelände von Lava-Stolz) und Frauenkron bereits Basalt und Lava ab. Künftig soll die Abbautätigkeit deutlich ausgeweitet werden. So wollen es die Unternehmen und das Landesamt für Geologie und Bergbau, das eine Erweiterung im Rahmen der regionalen Raumordnungsplanung vorgeschlagen hat. Demnach sollen die derzeit 20 Hektar großen Gruben auf rund 85 Hektar vergrößert und 27 Hektar als weitere Vorbehaltsfläche für den Gesteinsabbau ausgewiesen werden.
Gewaltige Erweiterung geplant
Die Interessengemeinschaft (IG) Eifelvulkane befürchtet eine massive Zerstörung der Landschaft und eine starke Beeinträchtigung des Neubaugebiets. IG-Sprecher Rolf Schmitz aus Hillesheim-Bolsdorf sagt: "Die geplante Erweiterung der Grube Kyller Höhe ist gewaltig: zum einen, was die Ausbeutungstiefe von 90 Metern betrifft, zum anderen die Ausdehnung. Das Abbaugebiet reicht dann bis auf 100 Meter ans Neubaugebiet heran." Daher appelliert er an die Stadt, gegenüber künftigen Bauinteressenten mit offenen Karten zu spielen und sie auf diese Planungen hinzuweisen. In einem Schreiben an die Stadt sowie die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats hat er diesen Appell nochmals betont. Und er sagt: "Nach unserem Kenntnisstand hat die Verwaltung bisher nicht auf diesen Tatbestand hingewiesen. Eine grobe Pflichtverletzung." Laut Schmitz täte die Stadt Hillesheim gut daran, hiermit an die Öffentlichkeit zu gehen und "alles daran zu setzten, dieser völlig überdimensionierten Planung des Bergamtes entgegenzuwirken statt weiter an ihrer unkritischen Haltung zum Lavaabbau festzuhalten".

Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU) verweist darauf, dass die Stadt bereits ihre Stellungnahme zur Erweiterung des Abbaugebiets abgegeben habe. Er sagt: "Ich habe keine Bedenken, dass das Baugebiet über die Maßen von der Abbautätigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber natürlich werden wir mit Argusaugen darauf achten, dass sich die Abbaubetriebe an die Spielregeln halten. Und falls nicht, werden wir mit aller Schärfe dagegen vorgehen." Besondere Lärmschutzmaßnahmen plane die Stadt aber nicht.
Stein fügt hinzu: "Was den Abbau betrifft, ist uns von den Unternehmen zugesichert worden, dass die Lärmschutzrichtlinien eingehalten werden. Und in der Frage der Erweiterung werden wir als Stadt ja überhaupt nicht gefragt."

Thomas Blau, Geschäftsführer der Rheinischen Provinzial-Basalt- und Lavawerke (RPBL), geht davon aus, dass es "keine übermäßige Belastung" des Wohngebiets geben wird. Er sagt: "Die Ängste sind unbegründet. Erstens liegt die neue Brecheranlage, die wir aufbauen, tief im Berg drin. Zweitens ist sie eingehaust, so dass weniger Emissionen nach außen dringen. Und drittens befindet sich im Randbereich der Abbaufläche, die an die Wohnbebauung grenzt, ein verlandetes Maar. Aber dort wird nicht abgebaut werden, weil sich da nichts befindet." Sein Fazit: "Die Ausweisung des Neubaugebiets an dieser Stelle ist völlig unkritisch."
Das meint auch Stadtbürgermeister Stein. Erstens habe der Planer ebenfalls keine Bedenken wegen der Nähe zu den Gruben gehabt, zweitens "haben wir aus dem bereits bestehenden Wohngebiet im Antoniusweg noch nie Beschwerden deswegen gehabt", und drittens "wissen die Leute ja alle, dass sich dort Abbaugebiete befinden - und unsere Nachfrage nach Bauplätzen in dem Areal ist enorm".Meinung

Augen und Ohren offen halten
Selbst wenn sich die Stadt Hillesheim ihrer Sache sicher ist: Es wäre cleverer und verantwortungsbewusster gewesen, wenn sie alle Bauinteressenten des Areals "An den vier Bäumen" explizit darauf hingewiesen hätte, dass die Steinbrüche ziemlich nah an die Häuser heranrücken könnten. Ob es dazu kommt, ist zwar noch nicht klar. Es ist aber auch zweitrangig. Allein die Erfahrungen aus Oberbettingen hätten Anlass genug sein müssen. Dort sind Anwohner gegen die Sprengungen im nahe gelegenen Steinbruch auf die Barrikaden gegangen. Einige haben Risse in ihren Häusern darauf zurückgeführt. Die Hillesheimer Stadtspitze hat sich für Stillschweigen entschieden. Weshalb? Entweder, weil sie sich sicher ist, dass nichts passiert. Oder weil sie die per Kredit vorfinanzierten Bauplätze rasch verkaufen wollte, um wieder Geld in die Kasse zu bekommen. Oder auch beides. Dennoch sollte sie nun peinlichst genau darauf achten, dass die Menschen und ihre Häuser wirklich nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. m.huebner@volksfreund.de