Infrastruktur: Nur eine Straße von vielen

Infrastruktur : Nur eine Straße von vielen

Die Straße zum Don-Bosco-Gelände muss dringend saniert werden. Die Gemeinde Jünkerath weiß das, kann aber in diesem Jahr an der Situation nichts ändern.

Am Anfang der Geschichte steht ein Schreiben an die TV-Redaktion. „Sie kennen den Weg zum Kloster Don Bosco in Jünkerath“, beginnt der Autor, der seinen Namen jedoch nicht in der Zeitung lesen möchte. „Den sollten sie sich mal ansehen. Es ist eine Schande, wenn man bedenkt, wie die Gemeinde Jünkerath das Kloster in früheren Zeiten hofiert hat: Man fällt von einem Schlagloch ins nächste und die werden immer tiefer. Jeder Feldweg in der Umgebung ist in einem besseren Zustand“, schließt der Verfasser und fordert den TV auf, sich den kläglichen Zustand der Straße doch einmal anzusehen.

Machen wir. Und tatsächlich ist die Zufahrt   zur Jugendbildungsstätte Don Bosco Jünkerath nur noch mit Vorsicht zu genießen - wer hier schneller als 20 Stundenkilometer den Berg herauf oder hinunter fährt, der hat seine Stoßdämpfer nicht wirklich lieb. Die Krater im Straßenbelag haben beachtliche Ausmaße erreicht.

Ein Anruf bei Jünkeraths Bürgermeister Rainer Helfen, der in wenigen Tagen aus dem Amt scheidet, gerät zu einem längeren Gespräch. Denn es gehe beileibe nicht nur um die Sanierung einer einzigen Straße, berichtet Helfen. Es gehe um viele weitere Projekte, die die Gemeinde in naher Zukunft stemmen müsse, um knappe Kassen und um die Reihenfolge dringlicher Sanierungsmaßnahmen.

„Selbstverständlich hat der Verfasser des Briefs Recht, was den Zustand der Straße angeht“, sagt der Bürgermeister. „Aber eines ärgert mich: wir haben das Kloster Don Bosco nie ,hofiert’. Die Gemeinde und die Einrichtung pflegen seit Jahrzehnten ein beiderseits sehr gutes Verhältnis.“

Obendrein hätte die Gemeinde, unter deren Zuständigkeit auch die Don-Bosco-Straße falle, Warnschilder aufgestellt, eine Tatsache, die dem Briefeschreiber wohl nicht aufgefallen sei. „Die Don-Bosco-Straße war bereits ein Thema im Gemeinderat“, berichtet Rainer Helfen.

„Es wurde eine Voruntersuchung des Belags in die Wege geleitet. Der Kostenpunkt der Sanierung wird auf rund 600 000 Euro geschätzt. Genaue Zahlen werden wir erhalten, wenn die Analyse abgeschlossen ist.“ Trotzdem sei die Summe in die Haushaltsplanung für 2020 bereits eingeflossen: „Auch, wenn wir noch nicht  wissen, wie viel uns die umweltgerechte Entsorgung des jetzigen Straßenbelags kosten wird.“

Es gebe einen weiteren Grund, mit der Sanierung bis zum kommenden Jahr zu warten, sagt Helfen. „Die Wälder links und rechts der Straße sind vom Borkenkäfer befallen und müssen gefällt und abtransportiert werden.“

Dies geschehe in den  Herbstmonaten dieses Jahres - die einzige Zufahrt für die schweren Maschinen sei nun einmal die Don-Bosco-Straße. „Ein neuer Belag wäre somit in kurzer Zeit ruiniert.“ Außerdem,  müsse man in der Eifelgemeinde eben auch Prioritäten setzen: „Das Geld fällt nicht vom Himmel“, sagt Helfen, der im August nach 20 Jahren als Bürgermeister aufhört. „Der Bahnhof ist fertig, die Gemeinde hat 15 Prozent der insgesamt rund sieben Millionen Euro teuren Umbaukosten getragen.

Zudem stehen dringende Projekte an: Die Sanierungsarbeiten der inzwischen 60 Jahre alten Straßen in unserem allerersten Neubaugebiet „Auf dem Sonnenberg“  beginnen zurzeit und werden voraussichtlich bis zu 1,2 Millionen Euro kosten.“ Auch die Straße „Auf dem Werth“, schreie nach Erneuerung. „Zudem platzt die Kindertagesstätte aus allen Nähten“, sagt Helfen. „Dort müssen wir anbauen, um Platz für eine fünfte Gruppe zu schaffen. Kostenpunkt rund 500 000 Euro.“ Insgesamt seien dies allesamt aktuelle Vorhaben, die auf der Agenda der Gemeinde Jünkerath stehen. „Wie gesagt, wir müssen Prioritäten setzen. Die Don-Bosco-Straße ist nur ein Projekt unter vielen.“