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Nur keine Konkurrenz vor der Haustür

Nur keine Konkurrenz vor der Haustür

Der Gewerbeverein Gerolstein warnt vor einem Aussterben der Innenstadt, falls im frei werdenden Areal des Gerolsteiner Brunnens ein ähnliches Sortiment wie in der City angeboten wird. Zu bevorzugen seien eine touristische Nutzung, Wohnungen, ein Dienstleistungszentrum und ein großflächiger Bau- oder Möbelmarkt.

Gerolstein. Gerolsteins Gewerbevereinsvorsitzender Heinz Weber begrüßt das vorliegende Einzelhandelskonzept, das die Stadt in Auftrag gegeben hat (der TV berichtete). Er sagt: "Das Gutachten ist professionell aufgearbeitet, es ist stichhaltig und begründet sehr gut. Es ist das beste Einzelhandelsgutachten über Gerolstein, das ich bislang in Händen gehalten habe."
Es sieht für die Stadt Gerolstein ein Potenzial von 15 000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche. Laut Gutachter fließen wegen besagter Unterversorgung theoretisch jährlich 45 Millionen Euro Kaufkraft aus Gerolstein ab. Der Gewerbevereinsvorsitzende sagt: "Diese Aussage hat mich nicht allzu sehr überrascht, denn ich sage schon seit Jahren, dass wir hier noch großes Potenzial haben. Nur war es eben stets ein Bauchgefühl, das nun aber professionell belegt ist."
Lediglich im Detail habe es Schwächen oder zieht nach Ansicht von Weber falsche Schlussfolgerungen. Er sagt: "Unser Haupteinspruch wird sein, dass das Brunnengelände als innerstädtisches Areal angesehen wird. Das ist aus unserer Sicht sicher nicht so, da eine Bundesstraße sowie ein deutlicher Höhenunterschied zur Innenstadt zu überbrücken sind. Daher muss mir auch erst einmal jemand erklären, wie es da Synergieeffekte geben soll." Und an das Brückenprojekt zwischen dem 32 000 Quadratmeter großen Brunnenareal und Hauptstraße in Höhe des Dreestreppchens, wie vom Planer vorgestellt, glaubt der Gewerbevereinschef ohnehin nicht. Er sagt: "Wie soll das funktionieren, wer soll das bezahlen?"
Ausbluten vermeiden


Vor allem aber warnt er vor einer "falschen Ansiedlungspolitik". Er sagt: "Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn dort kleinflächiger Einzelhandel mit einem ähnlichen Angebot wie in der Stadt zugelassen würde." Das hätte nach Worten des Kaufmanns ein rasches Ausbluten der Innenstadt zur Folge. "Es gibt bei uns nur wenige, die einen 20-prozentigen Umsatzrückgang verkraften können. Wenn dann drei oder vier bedeutende Geschäfte zumachen, ist die Innenstadt binnen drei Jahren tot - und die Arbeit von zwei, drei Jahrzehnten während der Stadtsanierung zerstört." Daher appelliert er an die Stadt, ihre großen planungsrechtlichen Einflussmöglichkeiten geltend zu machen.
Im Übrigen betone ja auch das Gutachten, dass eine funktionierende Innenstadt ein "hohes und besonders schützenswertes Gut" sei. Weber: "Das hat auf vieles Auswirkungen, auch auf die Immobilienpreise in der gesamten Stadt. Man muss sich ja nur mal Kyllburg anschauen, wenn man ein Negativbeispiel sehen will."
Er plädiert daher für eine touristische Nutzung, Wohnungen, ein Dienstleistungszentrum und die Ansiedlung eines großflächigen Bau- oder Möbelmarkts. Schließlich sehe das Gutachten da ja auch Lücken. Aber eben auch im Bereich der Unterhaltungselektronik.
Auf die Frage, was er von der Ansiedlung eines Großen der Branche, beispielweise eines Media-Markts, halte, sagte Weber: "Das müsste aus Sicht des Gewerbevereins sehr gut überlegt werden, denn der erschlägt alles." Und ein H&M? "Der sollte lieber ins Rondell ziehen, dann gäbe es Synergieeffekte für die Innenstadt."Meinung

Einwände ernst nehmen
Bis Ende 2013 räumt der Gerolsteiner Brunnen sein Areal in der Brunnenstraße. Das ist eine riesengroße Chance für Gerolstein. Wenn der Gewerbever einschef aber davor warnt, dass eine Ansiedlung kleinflächigen Einzelhandels (wie in der Hauptstraße) den Tod für die City bedeuten würde, muss das ernst genommen werden. Die Stadt sollte den Gewerbeverein eng in die Überlegungen einbeziehen, was bislang nicht der Fall war. Und sie darf das Heft des Handels nicht aus der Hand geben. Denn auch wenn sie nicht die Planung für das Areal macht, so kann, ja muss sie die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Denn: Die Stadt würde unterm Strich verlieren, wenn\'s an der Kyll brummt, aber in der für viel Geld sanierten Innenstadt Geschäfte schließen. m.huebner@volksfreund.deExtra

Das Büro ISU aus Bitburg, das für Gerolstein ein Einzelhandelskonzept erstellt, sieht ein Potenzial von 15 000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche. Die größten Posten: Baumärkte 5000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche, Einrichtungsbedarf 2000 Quadratmeter, Bekleidung 1500 Quadratmeter, Nahrungs- und Genussmittel 1000 Quadratmeter. Der Gewerbeverein Gerolstein kann wie auch die umliegenden Städte eine Stellungnahme zu der Untersuchung abgeben. Bis 10. Mai muss diese vorliegen. In seiner nächsten erweiterten Vorstandssitzung will sich der Gewerbeverein detailliert mit dem Werk befassen. Als zentraler Punkt wird dabei die künftige Nutzung des Areals des Gerolsteiner Brunnens gesehen. mh