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Nur wenige trauern der Fußgängerzone nach

Nur wenige trauern der Fußgängerzone nach

Seit rund einem Jahr müssen Fußgänger die Gerolsteiner Innenstadt ganztägig mit Autos teilen. Der TV hat zu Beginn der Sommersaison bei Händlern, Gastronomen und Passanten nachgefragt, ob sie mit der neu geregelten Einkaufszone zufrieden sind. Die Mehrheit befürwortet die Öffnung für den Verkehr.

Gerolstein. Der Frühling hat in die Gerolsteiner Innenstadt Einzug gehalten: Tische und Stühle der Cafes stehen draußen, und die Geschäfte präsentieren auf Kleiderständern ihre Waren unter freiem Himmel. Neben Einkäufern und Touristen bahnen sich auch Autos ihren Weg durch die Bahnhof- und Hauptstraße. Und das ganz legal. Mit dem Ziel, die Fußgängerzone zu beleben, hatte die Stadt im vergangenen Frühjahr zugestimmt, dass Autos ohne zeitliche Einschränkung die Einkaufsstraßen befahren dürfen. Die Einführung des verkehrsberuhigten Bereichs hatte die Gerolsteiner von Anfang an in zwei Lager gespalten: Während sich die einen von der Abschaffung der Fußgängerzone mehr Leben in der Innenstadt erhofften, fürchteten andere Abgase und Lärm sowie eine Gefährdung durch den Durchgangsverkehr.

"Das hat mit einem Luftkurort rein gar nichts mehr zu tun", schimpft Waltraud Jungers aus Birresborn, die zum Einkaufen nach Gerolstein gekommen ist. "Viele wollen einfach nur gesehen werden, wenn sie hier mit dem Auto durchfahren. Gemütlich im Cafe ein Eis zu essen, macht bei den ganzen Abgasen wirklich keinen Spaß." Klare Worte einer Passantin. Wie aber gehen die Geschäftsleute mit der neuen Regelung um?

Um den Autoverkehr nicht zu behindern, rücken sie die Sitzmöbel der Cafés näher an die Hausfassaden. Statt ausladender Warenständer nutzen die meisten Geschäfte nur die Stellflächen direkt vor den Schaufenstern. Caféinhaberin Ulrike Wieck stellt weiterhin Tische und Stühle nach draußen. "Meine Gäste beschweren sich nicht über die Autos", meint sie. Ralf Hoffmann, Inhaber eines Schreib- und Spielwarengeschäfts, empfindet die Innenstadt seit der Abschaffung der reinen Fußgängerzone als belebter. "Das ist eine ganz zeitgemäße Entwicklung. Der Kunde heute will weniger flanieren, sondern vielmehr schnell und gezielt einkaufen. Deswegen parkt er auch am liebsten direkt vor der Tür."

Genau diese Parklätze sind Reinhilde Hoffmann vom Geschäft Tip Top Creativo ein Dorn im Auge. "Wir werden viel weniger gesehen", beschwert sie sich. Sie selbst vermeidet es, mit dem Auto in die Einkaufszone zu fahren. "Es gibt doch genügend Parkplätze rund um die Innenstadt und die meisten auch noch kostenlos."

Die Mitarbeiter der Verwaltung scheinen sich mit dem Thema "ehemalige Fußgängerzone" nicht mehr auseinandersetzen zu wollen. Hermann-Josef Wirp, Leiter des Ordnungsamts, winkt bloß ab und verweist bei einer TV-Anfrage direkt an Stadtbürgermeister Karl-Heinz Schwartz. Der zeigt sich über die neue Regelung zufrieden. "Es scheint gut zu funktionieren", sagt er. Allerdings, so räumt Schwarz ein, habe der Straßenbelag stark gelitten. Die Pflastersteine werden durch das permanente Befahren stärker belastet. Die Folge: Spurrillen und lockere Steine, die sich als Stolperfallen entpuppen. "Deshalb wird der Eingangsbereich der ehemaligen Fußgängerzone jetzt auch asphaltiert", erklärt Schwartz. Im Mai soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. An der neuen Regelung will Schwartz weiterhin festhalten. "Wir haben die Testphase abgeschlossen. Der verkehrsberuhigte Bereich entlang der Bahnhof- und Hauptstraße wird bleiben."

Meinung

Die bessere Alternative

"Ich bin mit der geöffneten Fußgängerzone sehr zufrieden. Früher war die Stadt oft wie ausgestorben. Für Frauen ist es abends sicherer, wenn sie in der Innenstadt parken können." Janko Drlic, Inhaber des Balkan-Grills "Die Innenstadt ist durch die neue Regelung viel belebter. Ich nutze auch gerne die Möglichkeit, mit dem Auto direkt in die Innenstadt reinzufahren. Das ist einfach bequemer." Frauke Hens aus Gerolstein "Ich finde, eine Fußgängerzone sollte auch eine Fußgängerzone bleiben und ganz ohne Autos auskommen. Meinen Sohn muss ich wegen des Verkehrs ständig im Auge behalten." Uwe Weiland aus Köln, der in Gerolstein zu Gast ist. Es ist traurig aber wahr: Der Verkehr auf vier Rädern sichert das Leben in der Gerolsteiner Innenstadt. Die Leerstände vor allem in der Passage im Rondell zeigen, dass Nutzflächen ausschließlich für Fußgänger nicht angenommen werden. Auch wenn ökologische Aspekte dagegen sprechen und es für Kinder sicherer wäre: Eine Lösung, bei der sich Autofahrer und Fußgänger arrangieren, ist auf jeden Fall besser als eine ausgestorbene Innenstadt. Dann bleiben nämlich nicht nur die Autos, sondern auch die Einkäufer aus. Zwingend erforderlich für diese Lösung ist es, dass sich die Infrastruktur der Bahnhof- und Hauptstraße verbessert. Deshalb dürfen die Bauarbeiten in der gesamten ehemaligen Fußgängerzone nicht auf die lange Bank geschoben werden. So bald wie möglich müssen die Stolperfallen für Fußgänger beseitigt und eine intakte Fahrspur für Autos eingerichtet werden. a.scholz@volksfreund.de

Umfrage

Die bessere Alternative

"Ich bin mit der geöffneten Fußgängerzone sehr zufrieden. Früher war die Stadt oft wie ausgestorben. Für Frauen ist es abends sicherer, wenn sie in der Innenstadt parken können." Janko Drlic, Inhaber des Balkan-Grills "Die Innenstadt ist durch die neue Regelung viel belebter. Ich nutze auch gerne die Möglichkeit, mit dem Auto direkt in die Innenstadt reinzufahren. Das ist einfach bequemer." Frauke Hens aus Gerolstein "Ich finde, eine Fußgängerzone sollte auch eine Fußgängerzone bleiben und ganz ohne Autos auskommen. Meinen Sohn muss ich wegen des Verkehrs ständig im Auge behalten." Uwe Weiland aus Köln, der in Gerolstein zu Gast ist. Es ist traurig aber wahr: Der Verkehr auf vier Rädern sichert das Leben in der Gerolsteiner Innenstadt. Die Leerstände vor allem in der Passage im Rondell zeigen, dass Nutzflächen ausschließlich für Fußgänger nicht angenommen werden. Auch wenn ökologische Aspekte dagegen sprechen und es für Kinder sicherer wäre: Eine Lösung, bei der sich Autofahrer und Fußgänger arrangieren, ist auf jeden Fall besser als eine ausgestorbene Innenstadt. Dann bleiben nämlich nicht nur die Autos, sondern auch die Einkäufer aus. Zwingend erforderlich für diese Lösung ist es, dass sich die Infrastruktur der Bahnhof- und Hauptstraße verbessert. Deshalb dürfen die Bauarbeiten in der gesamten ehemaligen Fußgängerzone nicht auf die lange Bank geschoben werden. So bald wie möglich müssen die Stolperfallen für Fußgänger beseitigt und eine intakte Fahrspur für Autos eingerichtet werden. a.scholz@volksfreund.de