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Regionale Wirtschaft: Oben ohne geht nicht, auch wenn’s nervt

Regionale Wirtschaft : Oben ohne geht nicht, auch wenn’s nervt

In Berlin demonstrieren selbsternannte „Corona-Rebellen" gegen die Maskenpflicht, in der Vulkaneifel sehen dagegen Gewerbetreibende den praktischen Nutzen. Auch wenn der Umsatz hin und wieder leidet.

Erst galt eine Maskenpflicht als nicht zwingend erforderlich zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, doch Ende April wurde sie dann als verpflichtend eingeführt, auch beim Einkauf.  Inzwischen werden die Masken als wichtiges Instrument angesehen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern. Was womöglich mit einer zweiten Lockdown einher gegehen würde – ein Horrorszenario sicher auch für den Einzelhandel im Kreis Vulkaneifel. „Eine zweite Schließung würden viele der Geschäfte in Gerolstein höchstwahrscheinlich nicht überleben“, schickt Hans-Hermann Grewe, Vorsitzender des Gewerbevereins GeroTeam, voraus.

„Ganz klar beeinflusst der Mund-Nase-Schutz das Einkaufsverhalten. Die Leute kaufen nur noch das Nötigste.“ Doch es sei nun mal wichtig, sich und sein Gegenüber zu schützen. „Eine erneute Infektionswelle können wir in der Eifel nicht brauchen.“

Die Pandemie hat aber auch Folgen, mit denen noch im Frühjahr kaum jemand gerechnet hätte: Die Deutschen verbringen ihren Urlaub in der Heimat und die Region ist als Reiseziel beliebter denn je (der TV berichtete mehrmals). „Wir haben viel mehr Besucher als in den Vorjahren“, sagt Stefanie Mayer-Augarde, Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsvereins Daun. Die Maskenpflicht sei inzwischen zur  Normalität geworden. „Die Kunden machen mit. Manche empfinden die Vorschrift, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, als lästige Vorschrift und äußern das auch. Andere setzen die Maske falsch auf, doch da reicht immer ein kurzer Hinweis und es wird nachgebessert.“ Umsatzeinbrüche beobachtet Mayer-Augarde in den Mitgliedsbetrieben nicht, hier und dort sei aber das Angebot reduziert worden, um den geltenden Abstandsregelungen gerecht zu werden. „Die Geschäftsleute in Daun sind zufrieden, wir haben im Allgemeinen gut zu tun,“ sagt die Mayer-Augarde.

Dieses Statement der Vorsitzenden bestätigt sich bei weiteren Versuchen, Dauner Gewerbetreibende telefonisch zu erreichen. „Schreiben Sie, die Maskenpflicht stört uns nicht und das bei uns alles gut ist“, ist aus einem Restaurant in der Dauner Innenstadt zu erfahren. „Tut mir leid, ich habe viel Kundschaft. Rufen Sie bitte außerhalb der Geschäftszeiten an“, heißt es aus einem Modegeschäft. In Daun scheint die Maskenpflicht tatsächlich kein „Umsatz-Killer“ zu sein.

Dort, wo Touristen im Allgemeinen seltener anzutreffen sind, sinkt die Kundenanzahl jedoch: „Die Leute gehen nicht mehr drei- bis viermal in der Woche einkaufen“, berichtet der Gerolsteiner Lebensmittelhändler Björn Thömmes. „Sie planen nun anders, das hat wahrscheinlich mit den herrschenden Corona-Regeln zu tun.“

An die Maskenpflicht hätten sich Kunden und Mitarbeiter längst gewöhnt, sagt Thömmes. „Die Situation ist entspannt.“ Weil seine Kunden seltener kämen, sich dann aber mit Lebensmitteln für mehrere Tage eindeckten, müsse er  die Logistik leicht ändern. Doch Umsatzeinbußen gebe es nicht.

„Wer kommt, zieht auch eine Maske an“, sagt Gaby Leufer, die gegenüber der Gerolsteiner Stadthalle Rondell ein Geschäft für Elektrotechnik betreibt.

Und: „Wer kommt, der braucht einen Handwerker oder ein neues Gerät.“ Laufkundschaft verirre sich äußerst selten in den Fachhandel: „Daher mindert die Maskenpflicht unsere Umsätze nicht“, sagt Gaby Leufer. Die Pflicht, in geschlossenen Räumen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, hat in solchen Geschäften negative Auswirkungen, wo das Stöbern und Suchen zwischen den Regalen ausdrücklich erwünscht ist. Lisa’s Landleben in Hillesheim bietet Geschenkideen, Eifel- und Fair-Trade-Produkte, Schmuck, Grußkarten und vieles mehr - ein Laden, in dem der Kunde durchaus lange verweilen kann, bis er sich für etwas entscheidet. „Das ist mit einer Maske nicht möglich“, sagt Inhaberin Lisa Lauer. „Die Leute bekommen schlecht Luft, Spontankäufe kommen nicht mehr vor, das sorgt für Umsatzeinbußen.“ Ihre Kunden versuchten die Käufe möglichst schnell zu erledigen und immer öfter werde die Ware auf ihrer Internetseite ausgesucht, telefonisch oder online vorbestellt, um sie dann lediglich abzuholen. „Es ist viel ruhiger im Geschäft als vor Corona-Zeiten“, sagt Lauer. „Da wir auch keine verkaufsoffenen Sonntage haben, wirkt sich die Situation insgesamt auf den Umsatz aus.“