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Oberster Lehrer, aber nur selten Oberlehrer

 Freut sich auf seinen neuen Job: Günter Karst (49), demnächst nicht mehr nur kommissarischer Leiter der Berufsbildende Schule Vulkaneifel in Gerolstein. TV-Foto: Mario Hübner
Freut sich auf seinen neuen Job: Günter Karst (49), demnächst nicht mehr nur kommissarischer Leiter der Berufsbildende Schule Vulkaneifel in Gerolstein. TV-Foto: Mario Hübner FOTO: (e_gero )
Gerolstein. Die größte Schule der Region mit einem Einzugsgebiet weit über den Kreis Vulkaneifel hinaus, die Berufsbildende Schule in Gerolstein, bekommt einen neuen Leiter: Günter Karst (49). Er hat die Schule nach dem Ausscheiden des langjährigen Chefs Heinz Brauns ein Jahr kommissarisch geleitet und ist bereits seit 19 Jahren dort tätig. Worauf sich Kollegen, Schüler und Eltern freuen dürfen, erzählt er vorab dem Trierischen Volksfreund. Mario Hübner

Gerolstein. Günter Karst (49) ist ein bodenständiger und umgänglicher Typ, bekennender Eifeler, aktiver Katholik. Einer, der begeistert und viel (von Lehrerjob und Bildungspolitik) erzählt, den Teamgedanken lebt, oft lacht, gerne (im Lehrerchor) singt, in seiner Freizeit liest und (mit Kumpels und der Familie) wandert und (anders als so mancher Kollege) ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.
Nur bei einer Sache nicht: wenn Kollegen salopp von der Berufsschule Gerolstein sprechen. "Da werde ich dann schon mal oberlehrerhaft, was ansonsten überhaupt nicht meine Sache ist", bekennt er.
Denn die BBS Vulkaneifel in Gerolstein ist deutlich mehr. Sie bietet erstens eine Reihe von Bildungsgängen und Abschlüssen bis zum Fachabi und Abi an, manches davon in Voll-, manches berufsbegleitend in Teilzeit. Zweitens ist sie mit derzeit 1534 Schülern und 85 Lehrern die größte Schule zwischen Trier und Mayen mit einem Einzugsgebiet weit über den Kreis Vulkaneifel hinaus. Und das versucht Karst seit etlichen Jahren bekannt zu machen. Daher sagt er in ernstem Ton: "Ich erwarte von jedem Kollegen, dass er Schülern, Eltern und Bürgern unsere gesamte Schule mit all ihren Differenzierungen und Abschlüssen erklären kann. Unsere Schule soll nicht nur ein Gesicht bekommen, sondern viele."
Kommenden Freitag wird Karst zum Oberstudiendirektor befördert und offiziell zum Schulleiter ernannt. Eine Eingewöhnungsphase wird er nicht brauchen, denn bereits seit einem Jahr führt er die Schule kommissarisch und vertritt sie seitdem auch bei Schulleitertreffen, seit 19 Jahren arbeitet er dort. Da kennt man sich - auch die Macken. "Meine ist wohl, dass ich zu jeder sich bietenden oder auch unpassenden Gelegenheit mit 'ner Fußballweisheit daherkomme", sagt der 49-Jährige, der in jungen Jahren in Uersfeld gekickt hat - als Spielmacher oder Rechtsaußen.
Ob er deswegen während seiner Ernennungsfeier mit einer "Blutgrätsche" der Kollegen rechne? "Blutgrätsche oder Traumpass - ich traue ihnen alles zu", kontert Karst - und lacht. Ebenso wie sein Vorgänger Heinz Brauns, der die BBS in Gerolstein 24 Jahre lang leitete "und der mich stark gefordert und gefördert hat", will er ein offenes Ohr und eine offene Tür für Kollegen, Schüler und Eltern haben.
Da könne es dann auch schon einmal vorkommen, dass Platt gesprochen wird, sagt der "bekennende Eifeler", der in Uersfeld aufgewachsen ist und mit seiner Frau und den Kindern (18, 15 und 10 Jahre) in Kottenheim bei Mayen lebt. "Das ist natürlich die Ausnahme, passt manchmal aber gut. Vor allem hat es eine reinigende Wirkung", weiß er aus Erfahrung. Das gelte übrigens im Job wie zuhause - sagt er, beginnt erneut spontan zu lachen und berichtet von einer Anekdote mit seinen Kindern: "Mensch, Papa, warum musst du mit Oma und Opa immer Englisch sprechen", hätten diese sich in jungen Jahren einmal bei ihm beschwert. Und auch unter den Kollegen werde ab und an das Platt hochgehalten.
Und der Gesang, denn der "Chef" singt seit Jahren im Lehrerchor mit. Nur zuletzt habe er sich wegen der neuen Aufgabe eine Auszeit gegönnt. "Wenn ich darf, mache ich bald aber wieder mit", kündigt Karst an. Eine weitere Aufgabe will er trotz der neuen Herausforderung behalten: die Leitung der Referendarausbildung im Haus. "Lehrer ist für mich nach wie vor der Traumberuf. Und ich möchte den jungen Leuten meine Erfahrungen mit auf den Weg geben", sagt der 49-Jährige, der Wirtschaftspädagogik und Theologie studiert hat und noch in geringem Umfang selbst unterrichtet.
Auf die Frage, was einen guten Lehrer seiner Meinung nach auszeichne, kommt wie aus der Pistole geschossen: "Leidenschaft für den Beruf. Es gilt das Augustinus-Zitat: Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen. Fachliche Autorität setze ich ohnehin voraus."