1. Region
  2. Vulkaneifel

Online-Veranstaltung des Netzwerks Demenz Vulkaneifel zum Welt-Alzheimertag.

Hilfsangebote : Wenn der Lebenspartner an Alzheimer erkrankt

Bei der Online-Veranstaltung des Netzwerks Demenz Vulkaneifel anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September geht es um das Dilemma der Pflegenden zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge. Wie Anna-Maria Mittler als pflegende Angehörige mit Hilfe lokaler Angebote diesen Spagat schafft, hat sie unserer Zeitung erzählt.

  Wenn Anna-Maria Mittler (81) heute auf die 19 Jahre zurückblickt, in denen sie mit „ihrem“ Helmut (82) zusammen ist, spricht sie von einer „sehr glücklichen Zeit“ in ihrem Leben. Zunächst waren die beiden Verwitweten zwischen ihren Heimatorten Gillenfeld und Kell am See gependelt, dann hatten sie sich als gemeinsamen Wohnsitz für Helmuts Familienhaus mit Garten in Kell entschieden. Der Kontakt zu Anna-Maria Mittlers Geburtsort Gillenfeld blieb bestehen. Und wurde noch einmal interessant für die beiden, als dort das Wohnprojekt „Florinshof“ für ein leichteres Leben im Alter realisiert wurde (der Trierische Volksfreund berichtete). „Eine prima Idee“, fand das Paar und sicherte sich vertraglich eine Wohnung.

  Doch noch während des letzten Jahres in Kell, 2018 war das, mitten im Leben einer harmonischen Zweisamkeit zeigten sich bei Helmut die ersten Anzeichen von Demenz. „Er wurde immer vergesslicher, konnte viele Dinge nicht mehr selbst entscheiden und regeln, klammerte immer mehr“, so beschreibt seine Lebensgefährtin die Entwicklung. „Er verschenkte Dinge, um sie am nächsten Tag zu suchen und sich als Bestohlener zu fühlen“, erklärt sie. Besonders schwer sei es für sie gewesen, wenn sie sein Verhalten allzu persönlich genommen habe. In dieser Situation nahm Anna-Maria Mittler Kontakt zu Uschi Wihr vom Demenzzentrum Trier auf. In einem Fachvortrag erkannte sie bei der Beschreibung der Symptome von Demenz in Vielem das Verhalten ihres Partners wieder. Und erfuhr, dass das Leben mit einem an Demenz erkrankten Angehörigen nur sehr schwer alleine zu schaffen ist, dass es aber eine Vielfalt an Unterstützungs- und Hilfsangeboten gibt.

   Diese Hilfe nahm Anna-Maria Mittler auch in Anspruch, als sie mit ihrem Partner – inzwischen mit bestätigter Alzheimer-Diagnose –  Ende 2018 in die Wohnung im Gillenfelder „Florinshof“ umzog. Die komplett neue Umgebung und der noch laufende Baustellenbetrieb im Haus hätten das Demenz-Verhalten noch verstärkt, erinnert sie sich. „Da war ich oft mutlos“, sagt sie. Doch dann habe sie Britta Sarnes vom Pflegestützpunkt Daun-Kelberg als einen wahren Glücksfall kennengelernt – mit der Vermittlung einer ehrenamtlichen Betreuerin stundenweise, einer weiteren Kurzzeitpflege, der Tagespflege zwei Mal in der Woche, mit viel Beratung und Stärkung. „Ohne sie hätte ich es nicht geschafft“, ist sich Anna-Maria Mittler sicher. „Dass die pflegenden Angehörigen mal zurückschalten können, ist enorm wichtig und wertvoll“, meint sie. Und betont: „Ich habe viel gelernt und bin gelassen geworden, was unserem Zusammenleben zugute kommt.“

  Doch es sollte krankheitsbedingt schon bald wieder zu einer Veränderung im Leben des Paares kommen: Seit Dezember 2020 ist Anna-Maria Mittlers Partner stationär im Regina-Protmann-Seniorenhaus in Daun. „Und da er mein Lebensinhalt ist, habe ich mich umgehend dort um eine Wohnung bemüht“, erzählt sie. Seit zwei Monaten lebt sie wieder unter einem Dach mit ihm, in einer schönen Maisonette-Wohnung mit Betreuung.

Beim TV-Gespräch plagt sie eine weitere Sorge um Helmut, der nach einem Sturz wenige Tage zuvor ins Krankenhaus kam. „Aber es beruhigt mich, dass alles für ihn getan wird und dass ich in der Lage bin, die meisten Angelegenheiten selbst zu regeln“, erklärt sie. Wie wertvoll sei es auch, dass längst gegenseitige Generalvollmacht erteilt sei. Ja, mit der Demenz des Partners gingen einschneidende Veränderungen einher, räumt Anna-Maria Mittler ein. „Aber wer die Hilfsangebote kennt und nutzt, kann trotz allem ein gutes Leben führen und positiv in die Zukunft schauen“, meint sie.