Ortsumgehung Hillesheim: eine bewegte Geschichte

Verkehr : Ortsumgehung Hillesheim: eine bewegte Geschichte

Bereits seit den 1970er Jahren wird in Hillesheim über das Thema Ortsumgehung diskutiert.

Verkehrssplitting: 1995 wird das so genannte Verkehrssplitting eingeführt, um Hillesheim von einem Großteil des hohen Schwerlastverkehrsaufkommens zu entlasten. Es regelt, dass die Brummis – vor allem Sprudel- und Lava-LKW – auf ihrem Weg nach Norden nicht mehr durch Hillesheim, sondern über die L 10 entlang Kerpen fahren und nur auf dem Rückweg durch Hillesheimkommen dürfen. Die Regelung soll zeitlich begrenzt sein.

Neuer Schwung: Anfang 2000 kommt Schwung in die Planung – angetrieben von Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU).

Varianten: Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) lässt von 2004 bis 2006 mehrere Varianten prüfen – auf Machbarkeit, Landschaftseingriff, Kosten: Dies sind die ortsnahe Variante über den ehemaligen Bahndamm, eine Mittelvariante über die Schwedenschanze und eine ortsferne Variante. Bei der Abwägung wird die ortsnahe Variante favorisiert. Die ortsferne Trasse fällt durch, weil sie zu wenig Entlastung für Hillesheim bringt und sehr teuer ist, die Mittelvariante fällt wegen ihres starken Eingriffs in die Natur durch.

Grüne Idee: Die Grünen sprechen sich für eine Umgehung über bestehende Straßen aus – unter anderem nah vorbei an Kerpen und durch Üxheim. Die Gemeinden protestieren heftig, die Grünen rudern zurück.

Votum: Hillesheims Stadtrat spricht sich Anfang 2007 für eine Ortsumgehung aus: am liebsten über die Schwedenschanze, falls das nicht durchgeht, über den Bahndamm.

Bürgerprotest: In Hillesheim formieren sich Bürger (und die FWG), die jegliche Umgehungen ablehnen. Sie befürchten Umsatzeinbußen und ein Aussterben der Innenstadt.

Entscheidung über Varianten: Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als Obere Landesplanungsbehörde legt sich im Sommer 2007 für die geplante Ortsumgehung Hillesheim auf die ortsnahe Trasse über den ehemaligen Bahndamm fest. Die Variante über die Schwedenschanze ist damit vom Tisch.

Verkehrszahlen: Der LBM stellt aktuelle Daten zum Verkehr in Hillesheim und zur geplanten Ortsumgehung vor. Fazit: Das Verkehrsaufkommen wird künftig stark steigen, der Stadt droht der Kollaps – ohne Umgehung. 2030 sollen laut Gutachten durch die Kölner und die  Koblenzer Straße täglich mehr als 12 000 Fahrzeuge fahren.

Verkehrssplitting: 2010 kommt Protest aus Kerpen und Üxheim: 15 Jahre nach der Einführung drängen die Gemeinden darauf, dass Hillesheim endlich eine Umgehungslösung vorantreibt und das Verkehrssplitting aufgehoben wird. Vergeblich.

Lärm: Der LBM stellt 2012 ein Lärmgutachten vor, das zeigt, wer durch die Umgehung über den Bahndamm be- oder entlastet wird. Klar ist, dass an den kritischen Stellen vor allem am ehemaligen Bahndamm umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen, vor allem bis zu sechs Meter hohe Lärmschutzwände,  geplant sind. Gerolsteins LBM-Chef Harald Enders sagt damals auf Nachfrage, dass er an eine Realisierung der 7,5 Millionen Euro teuren, ortsnahen Umgehung bis 2020 glaube.

Widerstand: Nachdem knapp 1000 Unterschriften gegen die ortsnahe Umgehung samt der hohen Lärmschutzwände gesammelt wurden, gehen auch Teile von FWG und Wählergruppe Handwerk auf Distanz zur weit fortgeschrittenen Planung. Die CDU und die Kerpener schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und drängen auf den Bau.

Abstimmung: Mit 9 zu 9 Stimmen endet Anfang 2014 im Stadtrat nach hitziger Debatte die Abstimmung über die ortsnahe Umgehung samt Lärmschutz. Das ist dem LBM zu wenig, um damit in Mainz für das Projekt und dessen Finanzierung durch das Land zu werben. Das Vorhaben wird auf Eis gelegt. Die Planungen und Gutachten haben bis dato eine halbe Million Euro gekostet.

Neue Befragung: Im Sommer 2018 beschließt der Hillesheimer Stadtrat auf Initiative von Stadtbürgermeister Stein, nochmals eine Bürgerbefragung zum Thema zu machen. Im Mai 2019 ist es soweit.

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