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Parcours der Sinne in Immerath soll erweitert werden

Parcours der Sinne in Immerath soll erweitert werden

Der Parcours der Sinne in Immerath zieht seit drei Jahren Menschen von nah und fern an. Im vergangen Jahr hatte er mehr als 1000 Besucher. Verantwortliche der Gemeinde denken nun über eine Erweiterung und über eine andere Organisation nach.

Immerath. Sehen, fühlen, hören und tasten: Im Alltag machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken über ihre Sinne - außer wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollten. Beim Parcours der Sinne in Immerath ist das anders: Jede der 15 Stationen spricht bewusst einen oder mehrere Sinne beim Ausprobieren an.

Bislang werden alle Aufgaben unter freiem Himmel bewältigt. Doch das könnte sich ändern, wenn die Pläne von Ekkehard Nau, der das Projekt plante, und Ortsbürgermeister Stefan Har-becke in Erfüllung gehen. Eine oder mehrere neue Stationen sollen nach der Renovierung in der alten Schule in Immerath untergebracht werden. Von einer wetterunabhängigen Station versprechen die beiden sich mehr Besucher.

Derzeit sind die verschiedenen Sinnesfelder und ihre Geräte im Besitz der Ortsgemeinde Immerath. Nun möchten Nau und Harbecke den Parcours vergrößern und die Leitung des Parcours verändern. Noch regelt der Gemeinderat die großen und kleinen Belange der Sinnesfelder. Doch der Parcours könnte schnellere Fortschritte machen, sind Harbecke und Nau sich einig. Manche Prozesse dauern zu lange. Auch weil es im Dorf und im Gemeinderat Stimmen gegen den Parcours gab und gibt. "Mittlerweile sind es weniger geworden", sagt Harbecke. Trotzdem sind "die zähen Diskussionen und die Überzeugungsarbeit mühsam", sagt er.

Gemeinderatsmitglied Jürgen Pfotenhauer war früher auch einer der Skeptiker: "Wir glaubten damals, dass nur sehr wenige im Dorf profitieren. Der Parcours hat sich aber gut entwickelt. Mittlerweile sind wir an die Besucherströme und den Parcours als Anziehungspunkt gewöhnt."

Für Besucher, die an einer etwa dreistündigen Führung durch alle Stationen und das Schulmuseum teilnehmen, erhebt die Gemeinde einen Preis von 2,50 Euro. "Das ist viel zu günstig im Vergleich zu anderen Attraktionen in der Region", erklärt Nau. Auch für Harbecke ist es klar, dass der Preis erhöht werden muss und dass dies schon zu einem früheren Zeitpunkt als dem bisher ins Auge gefassten kommenden Jahr möglich wäre. "Es kann sein, dass wir im Gemeinderat mit dem einen oder anderen Prozess zu langsam waren. Wenn wir den Preis noch in diesem Jahr erhöhen würden, hätten wir rund 100 bis 150 Euro mehr, und das wäre angesichts des defizitären Haushalts nicht schlecht."

Mehr als 350 Besucher haben in diesem Frühjahr und Sommer an einer Führung teilgenommen. Rund 1000 Menschen besuchten die Stationen im vergangenen Jahr. Die Tendenz sei steigend, so Nau. Auch deshalb steht eine andere Organisation des Parcours nun an.
Während Nau und der ehemalige Ortsbürgermeister Rudolf Müller-Keßeler sich gut vorstellen könnten, den Parcours über einen Verein zu betreiben, sieht Harbecke das kritisch. Müller-Keßeler hat das Konzept für den Parcours gemeinsam mit Nau entwickelt. Er ist der Meinung, dass durch einen Verein klargestellt werden könnte, wer für welche Tätigkeiten verantwortlich ist und so auch nachhaltiger gearbeitet werden könnte. Aus Harbeckes Sicht dagegen wäre ein Verein nur sinnvoll, wenn er auch externe Mitglieder anzieht.
Bei der Frage, wie viel Personal dem Parcours insbesondere für die geplante Erweiterung zur Verfügung stehen soll, decken sich Naus und Harbeckes Meinung: Die Anzahl von drei Führern muss erhöht werden. Doch noch fehlt das nötige Geld sowohl für das Personal als auch für eine Vergrößerung. Verbandsgemeindebürgermeister Werner Klöckner möchte das Angebot der Immerather mit in die Gesundheitslandschaft Vulkaneinfel eingliedern. "Zum Profil mentale Gesundheitsförderung haben die Sinneserfahrungen einen direkten Bezug", sagt Klöckner. Im Rahmen der Sanierung der alten Schule sollen in ihren Räumen weitere Stationen untergebracht werden, so Klöckner.

Fördermittel kann die Ortsgemeinde vom Land und der EU bekommen. Die Fördersätze seien weitgehend gleich. Harbecke hat bereits zusammen mit Verbandsgemeindebürgermeister Werner Klöckner in Mainz vorgesprochen, doch das Land hat noch keine finanziellen Mittel zugesagt.

Einen Teil der Kosten muss die Ortsgemeinde bezahlen, sagt Klöckner. Auch Pfotenhauer ist beigeistert, wenn die Vergrößerung des Parcours mit der Sanierung der alten Schule verknüpft werden kann. "Das wäre sehr positiv, auch weil der Ort selber etwas davon hätte. Das Gebäude muss unbedingt saniert werden. Das Dach ist undicht und die Gemeinde kann es sich im Moment nicht einmal leisten das zu reparieren", sagt Pfotenhauer.
So dürfte es für eine Erweiterung Rückenwind geben. Wie die neue Station aussehen soll, hat Klöckner schon jetzt vor Augen: Er denkt an eine Dunkelbar. "In einem absolut verdunkelten, schwarzen Raum können die Besucher essen und trinken. Sehen kann man dort nicht, so werden andere Sinne aktiv. Bewirtschaftet werden soll die Einrichtung von einem Blinden", erklärt Klöckner. jur

Die 15 verschiedenen Sinnesfelder wurden von Ekkehard Nau auf der Grundlage des Konzeptes von Hugo Kükelhaus entwickelt. Der Philosoph, Pädagoge und Schriftstellerbeschäftigte sich damit, wie der Mensch seine Sinnesanlagen auf spielerische Weise bewusst erleben kann. Das Angebot in Immerath reicht von der Partnerschaukel über einen Schwingungskessel bis zum Barfußpfad. jur Die 15 Stationen für rund 80 000 Euro können Besucher seit Mai 2009 kostenlos in Immerath nutzen. Damit hat sich die Gemeinde unter dem damaligen Ortsbürgermeister Rudolf Müller-Keßeler für die Weiterentwicklung des Tourismus im Dorf entschieden. Das Projekt wurde zu 50 Prozent von der EU, zu 30 Prozent vom Land und zu jeweils 10 Prozent von der Verbandsgemeinde und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel finanziert. jur