Passionsspiele oder Jackpot?

Passionsspiele oder Jackpot?

Vorgestern am Stammtisch: Mein Freund Rudolf tippt mich an und fragt: "Hast du in jüngster Zeit mal Herbert Schneiders gesehen?" "Nein", antworte ich, "warum sollte ich auch?" "Der hat ziemlich lange Haare und einen Bart, trägt Freizeitkleidung statt Anzug, den kennst du nicht mehr", gibt Rudolf seine Exklusivinformationen preis.

Und schon beginnt die Diskussion: Was ist los mit unserem Vorzeige-CDU-Mann? Rudolf tippt darauf, dass Schneiders die ersten Dauner Passionsspiele ins Leben rufen will, schließlich habe er doch einen beachtlichen Leidensweg vorzuweisen nach mehr als zehn Jahren Opposition in Mainz. "Alles Quatsch", ruft Freund Egon, "der hat den Jackpot geknackt!" Unseren Hinweis, der glückliche Gewinner sei ein Krankenpfleger aus NRW, lässt er nicht gelten. "Würde ich auch sagen, wenn ich gewonnen hätte. Ich habe jedenfalls den Schneiders mehrfach beim Lotto-Wilhelm gesehen! Glaubt mir, der hat was gewonnen und sich davon eine Ranch mit großer Jagd in Kanada gekauft. Der braucht keinen Anzug mehr." "Gewonnen hat der nix, aber dass er auswandert, kann ich mir vorstellen. Hier hat er doch schon alles erlebt, und dass die CDU im Land nochmal gewinnt, so alt kann er eigentlich nicht werden", lästert mein Kumpel Manfred, "Bart und Matte hat er schon, ist doch die halbe Miete für einen echten Aussteiger." "Was meinst du denn, Pitter?", fragt Rudolf. "Klarer Fall", antworte ich, "der will doch noch Landrat werden. Der Amtsinhaber trägt Bart, gelegentlich längere Haare, und kommt bekanntermaßen bei den Leuten gut an. Warum also das Erfolgsrezept nicht schlicht kopieren und im zweiten Anlauf den Sprung auf den Chefsessel schaffen!" Und wenn nicht: Es bleiben immer noch die Passionsspiele auf der mit den Jackpot-Millionen gekauften Ranch in Kanada, wo Herbert Schneiders mit Bart und Pferdeschwanz in Jeans und T-Shirt das Leben genießen könnte. Es gibt eindeutig schlimmere Schicksale!

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