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Patienten in Daun fürchten Schließung der Krebsstation

Medizin : Krebspatienten fürchten um Behandlung

Die Zukunft der ambulanten Onkologie in Daun ist ungewiss. Das Krankenhaus und die Betroffenen möchten, dass die Station bestehen bleibt. Denn die Folgen einer Schließung wären für die Erkrankten ein herber Rückschlag.

Täglich muss Manfred Gube derzeit ins Maria-Hilf-Krankenhaus nach Daun fahren. Der Krebspatient hat eine Chemotherapie hinter sich und bekommt Spritzen, die die Knochenmarkproduktion anregen sollen. Mit einem Mundschutz steigt der Mann in den Fahrstuhl, der ihn in die siebte Etage zur ambulanten Onkologie bringt. Überall könnten Viren und Bakterien lauern, die ihm wegen seines geschwächten Immunsystems gefährlich werden könnten. Außerdem strengt jeder Schritt an. „Wir überlegen uns zweimal, ob wir eine Treppe heraufgehen“, sagt seine Frau Claudia Gube. Sie setzt sich dafür ein, dass die Station bestehen bleibt. Denn die lange Fahrt in ein anderes Krankenhaus, zum Beispiel nach Wittlich, Trier oder Mayen sei vielen Krebspatienten nicht zuzumuten. Das sieht auch Maria Jardin-Leclaire, die Anfang Mai eine Therapie in Daun begonnen hat. „Es ist nicht schön, sich ins Auto zu setzen, wenn man direkt von der Chemo kommt.“

Mehr als 2000 Menschen haben sich bereits mit ihrer Unterschrift dafür ausgesprochen, dass die ambulante Krebsstation im Dauner Mari-Hilf-Krankenhaus bestehen bleibt. Für die Patienten, die um den Standort bangen, ist diese Unterstützung immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer. Jutta Weber-Meeth hat die Aktion gestartet, um denen zu helfen, die selbst „keine Kraft haben, etwas zu unternehmen“. Inzwischen liegen die Listen, auf denen sich die Unterstützer eintragen können, nicht nur im Maria-Hilf-Krankenhaus sondern auch bei Hausärzten und Apotheken in und um Daun aus. Für Franz-Josef Jax, Geschäftsführer des Krankenhauses, ist die Protestaktion „ein Ansporn“. Er und seine Kollegen sind nach wie vor auf der Suche nach einer Lösung, um die Station zu erhalten. Diese macht laut Jax derzeit Minus, was an eingeschränkteren Abrechnungsmöglichkeiten als in der Vergangenheit liegt. Um die steigenden Kosten zu decken, stopft das Krankenhaus das entstandene Finanzloch mit sechsstelligen Beträgen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten das Ende der Station bedeuten.

„Die Leute sind so gefrustet“, sagt Claudia Gube. Wenn sie ihren Mann zur Behandlung begleitet, trifft sie auf viele andere Patienten, denen die Lage Sorge bereitet und die nicht auf eine andere Klinik ausweichen wollen. „Das Personal gibt uns ein gutes Gefühl“, erzählt Gube. „Man wird von allen mit Namen angesprochen und es wird auf jedes Detail geachtet.“ In einem großen Haus könne man so eine seelische Unterstützung nicht erwarten. Gube kenne sogar einen Mann mit Lungenkrebs, der von Trier nach Daun gefahren sei, weil er sich hier wohler gefühlt hätte. „Für manche ist das hier wie ein Zuhause“, sagt sie. „Das können die, die von oben herab entscheiden, wahrscheinlich nicht nachvollziehen.“ Für Menschen, die sich in einer Chemotherapie befinden, sei es wichtig, Vertrauen in die Ärzte und Pflegekräfte zu haben, betont  Weber-Meeth.

Nicht nur die Umgewöhnung an neues Personal und die Strapazen der Anreise sind Gründe dafür, dass sie und ihre Unterstützer für die Zukunft der ambulanten Onkologie kämpfen. „Eine Verlagerung in ein anderes Haus ist gar nicht so einfach, weil es wenig Kapazitäten gibt.“, sagt die Organisatorin der Aktion. Sie selbst weiß noch nicht, wo es für sie weitergehen soll, wenn die Dauner Station tatsächlich schließt. Noch schlimmer gehe es aber Menschen, die in akuter Behandlung sind. „Die Patienten sind so erschöpft, dass sie keine Kraft haben, sich darum zu kümmern.“

Bei einem Behandlungstermin ihres Mannes hat Claudia Gube mit einer Schwester gesprochen: „Sie meinte, dass es in Wittlich noch Plätze gäbe.“ Bislang sei die Frau am Telefon jedoch nicht durchgekommen.

Jardin-Leclaire ist seit sechs Jahren Krebspatientin in Daun und Trier. Egal in welches Haus sie geht – die Stühle in den Warteräumen seien ständig alle besetzt. Dass die Patienten aus Daun an anderen Orten „irgendwo dazwischengeschoben werden“, fürchtet sie. „Es wird überall total überlaufen sein.“ In einem Monat hat die Frau ihren nächsten Termin zur Chemotherapie. Wo, weiß sie nicht. Die Hoffnung, dass sie in Daun bleiben kann, hat sie noch. „Ich gebe nicht auf.“

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