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Patienten sorgen sich um die Zukunft der ambulanten Chemotherapie in Daun

Gesundheit : Patienten sorgen sich um die Zukunft der ambulanten Chemotherapie in Daun

Mehrere Hundert Unterschriften für den Erhalt der Abteilung sind schon zusammengekommen. Die Führung des Maria-Hilf-Krankenhaues sucht nun Partner für eine „wirtschaftlich tragbare Lösung“.

Maria Jardin-Leclaire wollte ihren Ohren nicht trauen, als sie vor Kurzem im Maria-Hilf-Krankenhaus in Daun eine neue Chemotherapie beginnen sollte und mitgeteilt bekam, dass die onkologische Abteilung zum 30. Juni geschlossen werden soll. Die 53-Jährige aus Walsdorf ist seit sechs Jahren Krebspatientin. „Ich habe gedacht, dass kann doch wohl nicht wahr sein. Ist der Patient nichts wert bei solch einer Entscheidung? Welche Strapazen muss man dann hinnehmen, weit und breit gibt es keinen Ersatz, die nächste Onkologie ist in Wittlich oder Trier.“

Sie hat nach eigenem Bekunden „alles in Bewegung gesetzt“ (unter anderem mit einem Schreiben an den Trierischen Volksfreund), damit die Abteilung „nicht einfach zugemacht wird.“ Sie könne sich in dieser Sache noch Gehör verschaffen und dafür sorgen, dass „Schwung in das Thema kommt“, im Gegensatz zu vielen Patienten, denen es so schlecht gehe, dass sie keine Kraft zum Protest hätten.

Und Maria Jardin-Leclaire steht längst auch nicht mehr allein da mit ihrem Einsatz für den Erhalt der Abteilung. Jutta Weber-Meeth aus Daun, bei der 2007 Leukämie diagnostiziert wurde, fühlt sich mit der Behandlung in Daun „sehr gut aufgehoben. Es wäre ein echter Schlag für viele Patienten und Angehörige, wenn die Abteilung tatsächlich geschlossen würde.“ Wie sie betonen auch zahlreiche weitere Patienten die „besondere familiäre Atmosphäre“ im Dauner Krankenhaus, die sie nicht missen möchten.

Jutta Weber-Meeth hatte am Freitag vergangener Woche spontan eine Protestaktion für den Erhalt gestartet (der TV berichtete), seitdem liegt auch im Krankenhaus eine Unterschriftenliste aus, eine Idee einer Angehörigen eines betroffenen Patienten. Mehrere Hundert Unterschriften sind schnell zusammengekommen, für die 52-Jährige „eine tolle Bilanz für den kurzen Zeitraum.“

2012 ist die ambulante Chemotherapie als „Onkologie-Zentrum Vulkaneifel“ eröffnet worden. 500 000 Euro hat das Krankenhaus damals investiert.

Bis dahin hatte hat es für die Chemotherapie-Patienten keinen festen Platz in der Klinik gegeben. Mittlerweile werden in Daun nach Angaben des Krankenhauses etwa 150 Patienten pro Quartal betreut.

Wie ist es dazu gekommen, dass die Abteilung sechs Jahre nach der Eröffnung auf dem Prüfstand steht? „Auch uns ist daran gelegen, dass die ambulante Chemotherapie als wohnortnahe Versorgung erhalten bleiben kann“, sagt Franz-Josef Jax, der Geschäftsführer des Krankenhauses. „Allerdings müssen wir auch die wirtschaftlichen Aspekte betrachten. Die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verschlechtert, wir haben eingeschränktere Abrechungsmöglichkeiten als in der Vergangenheit. Die Folge: weniger Einnahmen und ein immer größeres Defizit, vor dem wir nicht die Augen verschließen können.“ Schon seit Längerem müsse das Krankenhaus einen „hohen sechsstelligen Betrag zuschießen“, um die Kosten der Abteilung zu decken.

Um eine wirtschaftliche tragbare Lösung für die Zukunft zu finden, sei man in Gesprächen mit möglichen Kooperationspartnern. „Wir wollen so versuchen, eine andere Abrechnungsgrundlage zu schaffen“, sagt Jax.

Das Krankenhaus begrüße die breite Unterstützung für den Erhalt der ambulanten Chemotherapie, „was auch für uns Ansporn ist, eine Lösung zu finden.“ Auf einen zeitlichen Rahmen, ob und bis wann das geschehen könne, will sich der Geschäftsführer nicht festlegen.

Der Geschäftsführer des Dauner Maria-Hilf-Krankenhauses, Franz-Josef Jax, informiert sich, wie viele Menschen schon für den Erhalt der onkologischen Abteilung unterschrieben haben.  Foto: TV/Foto: Stephan Sartoris

Hat die Station denn wirklich noch eine echte Chance auf Erhalt? „Ich sehe eine Perspektive, dass es eine positive Lösung geben kann.“