Pendel und Pfeile sollen es richten

Pendel und Pfeile sollen es richten

Nach den Unfällen zweier LKW innerhalb kurzer Zeit (der TV berichtete) wird der Serpentinen-Abschnitt der B 421 zwischen Zilsdorf und Oberehe von Experten mit Hilfe von Pendeln untersucht und mit zusätzlichen Schildern nachgerüstet.

Oberehe-Stroheich. "Auch wenn die jüngsten Ereignisse anderes vermuten lassen: Die Kurvenstrecke zwischen Zilsdorf und Oberehe ist kein Unfallschwerpunkt", sagt Horst Krämer, Verkehrsexperte bei der Polizei Daun. So seien in den vergangenen sechs Jahren "lediglich" 20 Unfälle dort passiert. Das sei zum einen nicht außergewöhnlich viel, zum anderen hätte eine Untersuchung der Unfälle "keine Auffälligkeiten" ergeben. Ein Schnelltest mit dem Fuß reicht nicht aus

Ein Blick in die Statistik untermauert Krämers These: Außer bei den beiden Unfällen zu Jahresbeginn seien in keinem weiteren Fall Lastkraftwagen beteiligt gewesen - neben einem Lieferwagen und einem Krad ausschließlich Personenkraftwagen. Auch Witterungseinflüsse, Lichtverhältnisse oder die Tageszeit waren kunterbunt gemischt. "Es gibt in der Tat keine Auffälligkeiten, die auf diesen oder jenen Unfallgrund schließen lassen könnten, beispielsweise ein zu enger Kurvenradius oder eine nicht griffige Fahrbahn", sagt auch Bruno von Landenberg, Abteilungsleiter Verkehr beim Landesamt Mobilität (LBM) in Gerolstein. Zusammen mit Krämer und LBM-Verkehrsingenieur Alois Gerharz hat er trotzdem den etwa 600 Meter langen Streckenabschnitt, dessen Gefahrenpotenzial aus den beiden Kurven und dem Gefälle von mehr als zehn Prozent herrührt, erneut unter die Lupe genommen.Und obwohl sich die drei bei der Begutachtung vor Ort einig sind, dass der erst 2006 erneuerte Fahrbahnbelag in Ordnung sei, wird nun noch ein gesonderter Belagstest gemacht, kündigt von Landenberg an. Dazu werde eigens ein Speziallabor beauftragt. Von Landenberg beschreibt die Untersuchungsmethode: "Ein Pendel, das an der Unterseite mit Gummi beschichtet ist, wird über die Fahrbahn streifen gelassen. Anhand der Abbremsung des Pendels, die per Computer gemessen wird, kann festgestellt werden, wie griffig der Belag ist." Eine Sichtprüfung oder ein Schnelltest mit dem Fuß reichten nicht aus, weiß auch Verkehrsingenieur Gerharz. "Oftmals sieht ein Belag sehr gut aus und ist möglicherweise auch noch relativ neu, aber dennoch glatt. Das hängt auch vom Bitumengehalt und der Körnung im Asphalt ab", sagt er. Daher die nun aufwendige Untersuchung. An einem weiteren Punkt wird nach Auskunft von LBM-Mann von Landenberg sofort nachgebessert: "Wir werden erstens das kompakte Kurvenschild im unteren Bereich gegen mehrere einzelne rot-weiße Kurvenpfeile ersetzen und zweitens in der oberen Kurve zu den bestehenden Pfeilen weitere Tafeln hinzufügen." Der Vorteil: Der Verkehrsteilnehmer wird öfter auf den brenzligen Straßenabschnitt aufmerksam gemacht, und er kann auch erkennen, wie lang sich die Kurve zieht.Bereits jetzt schon warnen Schilder vor der Gefällstrecke und den Kurven. Dennoch fahren dort regelmäßig Autos und LKW zu schnell. Und in mehreren Fällen war das auch der Unfallgrund; kurioserweise auch berghoch. Aber mehr als Beschildern könne man eben nicht, meinen die Experten. Zu Jahresbeginn waren innerhalb von nur vier Wochen zwei beladene LKW, ein Milchlaster und ein Lava-Transporter, wegen zu hoher Geschwindigkeit in der oberen scharfen Kurve umgekippt, von der Fahrbahn abgekommen und die Böschung hinabgerutscht. Dabei entstand jeweils 160 000 und 100 000 Euro Sachschaden, einmal wurden der Fahrer schwer und die Beifahrerin leicht verletzt, im anderen Fall kam der Fahrer mit leichten Verletzungen davon.

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