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Phönix-Sprudel: Land will nicht nachbohren

Phönix-Sprudel: Land will nicht nachbohren

Die Akte Birresborner Phönix-Sprudel wird endgültig geschlossen. Auch das Land will keine weitere Ursachenforschung zur Verunreinigung der Mineralquellen betreiben. Erst kürzlich war der Gerolsteiner Brunnen als Mutterkonzern mit einer Schadensersatzklage in Millionenhöhe gegen den ehemaligen Holzverarbeitungsbetrieb Vanck gescheitert.

Birresborn/Koblenz. "Solange wir keine neuen Anhaltspunkte haben, werden wir auch nichts Weiteres unternehmen. Auch die Gutachten im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzung (zwischen dem Gerolsteiner Brunnen und dem ehemaligen Holzverarbeitungsbetrieb Vanck, Anmerkung der Redaktion) haben für uns keine neuen Erkenntnisse gebracht", sagt Sandra Hansen-Spurzem, Pressesprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz. Die SGD Nord kümmert sich im Auftrag des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums unter anderem um den Gewässerschutz in der Region Trier.
Zwar würden im betreffenden Fall nun nochmals die verfügbaren Unterlagen von den Fachbehörden des Landes bewertet. Sandra Hansen-Spurzem sagt aber auch: "Derzeit liegen kaum verwertbare Daten vor, so dass von weiteren Felderkundungen keine erfolgversprechenden Ergebnisse zu erwarten sind." Und ins Blaue hinein werden keine aufwendigen und teuren geologischen Untersuchungen in Auftrag gegeben.
Hinzu komme laut SGD, dass die Schadstoffgehalte im Grundwasser "nur wenige Mikrogramm pro Liter betragen und damit im Spurenbereich liegen", und "das dortige Grundwasser nicht für die öffentliche Trinkwassergewinnung genutzt wird".

Bereits kurz nach der Schließung des Unternehmens Phönix-Sprudel im Jahr 2003 (siehe Extra) sind Verdachtsmomente geäußert worden, wonach die Verunreinigung der Quellen vom benachbarten, ehemaligen Holzverarbeitungsbetrieb Vanck stammt.
Daraufhin hat der Birresborner Phönix-Sprudel - vertreten durch Liquidator Joachim Schwarz, der zugleich kaufmännischer Geschäftsführer des Gerolsteiner Brunnens ist - 2004 eine Schadenersatzklage mit einem Streitwert von zuletzt 4,2 Millionen Euro gegen die Firma Vanck eingereicht. Und nun, siebeneinhalb Jahre später, zurückgenommen. Denn: Trotz zweier umfangreicher Gutachten konnte kein Zusammenhang zwischen dem Holzimprägnierwerk sowie den Verunreinigungen auf dessen Gelände mit der Kontamination der Mineralwasserquellen hergestellt werden.
Kein neuer Anlauf


Nach der Rücknahme der Klage ist das Verfahren beendet. Und es soll vonseiten des Getränkekonzerns auch keinen neuen Anlauf geben, einen Verursacher für die Verunreinigung der Quellen zu finden. So teilte Schwarz mit: "Eine weitere Untersuchung zur Herkunft der Schadstoffe würde die Möglichkeiten des Unternehmens Birresborner Phönix Sprudel überschreiten."
Doch nicht nur der Gerolsteiner Brunnen schlägt das Kapitel Birresborner endgültig zu, sondern auch das Land Rheinland-Pfalz.
Das sorgt vor allem bei der Familie Vanck aus Malbergweich für Aufatmen. So sagte Horst Vanck (72), der letzte Geschäftsführer des Holzimprägnierwerks in Birresborn, nach der Klagerücknahme durch den Gerolsteiner Brunnen: "Es ist eine große Erleichterung, nicht dafür verantwortlich zu sein, dass 25 Leuten die Arbeit genommen wurde. Aber natürlich bin ich auch froh, die hohe Schadenersatzzahlung nicht leisten zu müssen. Da ging es immerhin um mehr als vier Millionen Euro."Extra

2003 hat das Unternehmen Birresborner Phönix-Sprudel, eine Tochterfirma des Gerolsteiner Brunnens, wegen Verunreinigung seiner Quellen unter anderem mit Benzol von jetzt auf gleich geschlossen. 25 Menschen haben ihren Job verloren, Familien gerieten in Existenznot. Die Firma ist aus heiterem Himmel vom Markt verschwunden - und mit ihr die Traditionsmarke Birresborner. mh