Pilger und Promille

MEHREN/KLAUSEN. Vor (mindestens) 245 Jahren wegen einer Viehseuche ins Leben gerufen, vor (genau) 30 Jahren von Roland Thelen wieder auf die historische Strecke gebracht: Am Sonntag nach Fronleichnam pilgert die Pfarrei Mehren nach Eberhards-Klausen.

Roland Thelen hat in Chroniken recherchiert und die Geschichte der Wallfahrt nach Eberhards-Klausen aus mündlicher Überlieferung und aus eigenem Erleben aufgeschrieben. Jetzt stellte er seine Ergebnisse dem Trierischen Volksfreund vor. Die älteste zur Zeit fassbare urkundliche Erwähnung stamme aus dem Jahr 1761. Es dürfe jedoch angenommen werden, dass zu diesem Zeitpunkt die Wallfahrt bereits Tradition gewesen, ihre Ursprünge also noch älter seien."Der Gang zum Heiligen-Komm-Hol-mich"

Die Hintergründe hat Thelen im Wesentlichen in der von Dechant Friedrich Müller 1887 verfassten "Geschichte der Pfarrei Mehren" entdeckt. Danach basiert die Wallfahrt auf einer am 31. Mai 1761 zu Ehren der Muttergottes geleisteten Messstiftung der Maria Gertrudis Kemmers, einer "frommen und gottesfürchtigen Jungfer". Ursprünglich fand die Wallfahrt am Tag nach dem Dreifaltigkeitssonntag statt; als Dechant Müller die Chronik schrieb, war der Pilgertag bereits auf den Sonntag nach Fronleichnam gelegt worden. Ein weiteres, nicht minder interessantes Detail hat Roland Thelen entdeckt: So war die Wallfahrt wohl eine Zeitlang von Amts wegen eingestellt. Hatte doch der Trierer Bischof von Hommer 1830 mit dem Blick auf "arge Missstände" dem damaligen Mehrener Pastor Schneider geschrieben, "dass die Prozession nach Clausen eingestellt ist, damit ist sehr wohl geschehen". Über die Art der Missstände vermutet Thelen: "Es gibt Hinweise, dass bei der Wallfahrt Alkohol in größeren Mengen im Spiel war." Eine erneute schreckliche Viehseuche sei wohl der Grund gewesen, dass die Wallfahrtszeit 1831 wieder durchgeführt wurde. Dass die Wallfahrt noch heute im Volksmund auch als "Gang zum Heiligen-Komm-Hol-mich" bezeichnet werde, deute darauf hin, dass sie zuweilen in dem Anliegen, den Partner fürs Leben zu finden, gegangen werde. Für das Jahr 1876 sei die Zahl von über 300 Pilgern dokumentiert. Was sich bis in die 1950er-Jahre als reine Fußwallfahrt gestaltete, habe aber allmählich den Charakter einer Kaffeefahrt angenommen: Man sei mit dem Zug von Schalkenmehren nach Wittlich, später bis Salmrohr gefahren und habe nur die letzten Kilometer zu Fuß zurückgelegt. In den 1960er-Jahren seien die Busse von Mehren sogar bis in das nur drei Kilometer vor Klausen liegende Dorf Pohlbach gefahren. In dieser Zeit sei in seiner Jugendgruppe die Idee entstanden, den rund 40 Kilometer langen Weg wieder zu Fuß zu gehen, erzählt Roland Thelen. Er selbst erkundete die historische Wegstrecke, und 1976 machten sich erstmals 17 Pilger nachts um zwei Uhr auf den Weg nach Klausen. "Seither ist die Fußwallfahrt ab Mehren wieder fester Bestandteil im Leben der Pfarrgemeinde St. Matthias Mehren", fasst Thelen zusammen. In diesem Jahr findet die Wallfahrt am Sonntag, 18. Juni, statt. Die Fußpilger treffen sich um vier Uhr an der Pfarrkirche in Mehren. Wer nicht die ganze Strecke gehen möchte, kann sich um 9.30 Uhr am Krankenhaus Wittlich anschließen. Die Abfahrt der Pilgerbusse ist um 12.15 Uhr in Steiningen und um 12.30 Uhr in Mehren. Um 13.15 Uhr beginnt in der Wallfahrtskirche in Klausen das Rosenkranzgebet, die Pilgermesse ist um 13.45 Uhr. Anmeldung bis Freitag, 16. Juni, im Café Wangen in Mehren oder bei Adolf Scheid in Steiningen.