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Plötzlich der Frau die Kehle zugedrückt: Mann wegen Verdachts auf versuchten Totschlag vor dem Landgericht

Plötzlich der Frau die Kehle zugedrückt: Mann wegen Verdachts auf versuchten Totschlag vor dem Landgericht

Wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag muss sich ein 25-Jähriger aus Gerolstein vor dem Landgericht Trier verantworten. Der Mann soll Anfang Dezember 2015 die Ex-Frau seines Freundes im Streit angefallen und heftig gewürgt haben.

Trier/Deudesfeld. Der Dezemberabend in einem Haus in Deudesfeld hatte gemütlich begonnen. Einige Bekannte saßen dort am Esszimmertisch zusammen und tranken Bier. Auch die Ex-Frau des Hausherrn kam vorbei und brachte Zigaretten mit. Das Thema des Abends waren offenbar die seelischen Probleme des jungen Mannes, der nun auf der Anklagebank der Trierer Schwurgerichtskammer sitzt. Sein Freund hatte ihn erst am Nachmittag jenes Tages aus der Psychiatrie in Gerolstein nach einer stationären Behandlung wegen depressiver Zustände abgeholt.Depressive Störung


Am Abend sprach der Betroffene auch mit der Ex-Frau des Freundes über seine Lebenskrise. Doch aus diesem Gespräch entzündete sich ein Streit. Die Folgen aus Sicht der Staatsanwaltschaft stehen in der Anklageschrift von Staatsanwalt Arnold Schomer:

"Einem spontanen Entschluss folgend" soll er die junge Frau plötzlich mit "bedingtem Tötungsvorsatz" angefallen und gewürgt haben. Erst zwei der Anwesenden hätten die Attacke mit Gewalt beenden können. Zu dem Zeitpunkt sei die Frau schon blau angelaufen gewesen und habe eine Kehlkopfprellung erlitten. Der Angeklagte war zu dem Zeitpunkt alkoholisiert (Blutprobe ergab 1,5 Promille). Nach dem Vorfall rief sein Freund die Polizei, die den Mann festnahm. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der junge Mann - gepflegte Erscheinung, T-Shirt, Brillenträger - ,der da neben seinem Dauner Verteidiger Hans-Josef Ewertz sitzt, wirkt nicht wie einer, dem Gewaltanwendung vertraut ist. Das wird auch später sein Freund und Ex-Ehemann der angegriffenen Frau bestätigen.

Gegen Ende letzten Jahres erlitt der Lagerist und Staplerfahrer eine depressive Störung, weil, wie er sagt, seine Freundin fremdgegangen war. Die Folge war eine Behandlung in der Gerolsteiner Psychiatrie. "Seine Lage begann sich dort zu bessern. Aber ich glaube, die haben ihn zu früh entlassen", sagt sein Freund im Zeugenstand.
Zum Tatvorwurf will sich der Angeklagte vor Gericht nicht äußern. Aber er hatte im Prinzip schon an jenem Abend alles zugegeben, und es gibt auch genug glaubhafte Zeugen. Einer der beteiligten Polizeibeamten: "Die Frau wurde vom Rettungsdienst behandelt und er war völlig außer sich." Er sei schuld, er habe eine Frau gewürgt, sie könnte tot sein, das habe er nicht gewollt, soll er immer wieder gerufen haben.

Das Opfer selbst hat die Attacke physisch unbeschadet überstanden, doch es blieben wohl seelische Narben zurück. Im Zeugenstand bricht sie mehrfach in Tränen aus. Sie habe mit ihm über seine Probleme gesprochen. Was dann die plötzliche Aggression ausgelöst habe, wisse sie nicht mehr. "Er hatte ganz weit aufgerissene Augen, das Würgen kam mir vor, als dauere es Stunden."
Alkohol im unseligen Zusammenwirken mit den Antidepressiva, die der Mann nehmen musste? Dazu wird der Mainzer Sachverständige Professor Wolfgang Retz etwas zu sagen haben.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 16. Juni, vor dem Landgericht fortgesetzt.