Plötzlich ist nichts mehr, wie es war

Plötzlich ist nichts mehr, wie es war

DAUN. Der Fall "Christian Römer" - ein erschütterndes Beispiel zum heutigen "Tag der Kriminalitätsopfer": Vor zwei Jahren wurde der 26-Jährige brutal zusammen geschlagen. Seit diesem Moment hat sich sein Leben gravierend verändert.

Auf den ersten Blick sieht Christian Römer wie ein völlig gesunder, junger Mann aus. Der 26-Jährige ist fast zwei Meter groß, hat eine sportliche Figur und trägt gerne Jeans. Aber seit Rosenmontag 2002 steht sein Leben auf dem Kopf. Er wurde von einem Unbekannten brutal in der Dauner Innenstadt, Ecke Borngasse, zusammengeschlagen (der TV berichtete).Einige Zeit später, um 4.30 Uhr, fanden ihn Passanten - schwer verletzt mit einem Hirntrauma. Trotz intensiver Behandlung kann Römer auch heute noch keine Zusammenhänge, die er sieht, erfassen und richtig zuordnen. Rainer Klippel, sein Bezugsbetreuer im Wohnheim, wo Römer tagsüber ist, gibt ein Beispiel: "Zeige ich ihm ein Werbeplakat auf dem eine viereckige Dose Cappuccino angeboten wird, behauptet er, das sei eine Tischdecke".Ärzte machen der Mutter zunächst wenig Hoffnung

Die Ärzte machen seiner Mutter Gisela Römer wenig Hoffnung: "Das Gehirn macht, was es will. Ob es jemals wieder zu 100 Prozent in Ordnung kommt, steht in Frage. Ich wünsche ihm und uns, dass er irgendwann mal wieder ein normales Leben führen kann. Ich kann nur hoffen und beten." Mit Trauer in den Augen erinnert sie sich an die Tat vom 12. Februar 2002: "Von einer Sekunde zur anderen ist der erwachsene, gesunde Mann plötzlich behindert. Man muss sich um ihn wie um ein Kind kümmern und sorgen."Ohne die Hilfe von Freunden und Hilfsorganisationen hätte Gisela Römer die harte Zeit nicht überstanden. Sie wandte sich auch an den "Weißen Ring". Außenstellenleiter Leo Hens half ihr bei den Anträgen zum Opferentschädigungsgesetz. Hens sagt: "Aus den Formularen, die wir damals ausgefüllt haben, sind jetzt für Christian Rentenansprüche erwachsen."Gisela Römer bezeichnet die "Rennerei" zu den Behörden, Krankenhäusern und Rentenversicherern als "Wahnsinn". "Wir mussten schon so manchen Spagat machen, um was durchzuboxen", sagt sie. Die Mitarbeiter des Weißen Rings betreuen die Familie noch heute.Momentan steht für den ehemaligen Lageristen der Wiedereinstieg in den Beruf an. Voll arbeiten will Christian Römer wieder. "Und Auto fahren dürfen." Daran ist nach Einschätzung seines Betreuers Rainer Klippel vorerst aber nicht zu denken.Er meint: "Christian wäre bei einer Arbeitsstelle im geschützten Rahmen, also einer Werkstatt für psychisch Kranke, am besten aufgehoben."Aussichten auf Beschäftigung auf dem freien Arbeitsmarkt sieht der Betreuer für seinen Schützling nicht.Der Täter wurde übrigens mittlerweile verurteilt - zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafarrest. Er hat die Tat gestanden, aber nie ein Motiv genannt. Und Reue zeigt er bis heute nicht."Jeder sollte bedenken, er könnte das nächste Opfer sein", sagt Leo Hens vom Weißen Ring. Deshalb fordert er zum heutigen Tag der Kriminalitätsopfer mehr Zivilcourage. Ebenso wie auch die Kampagne "Wer nichts tut, macht mit" von der Polizei. Werner Müllen, Vize-Chef der Dauner Polizei, sagt: "Wir sind auf die Mithilfe engagierter Bürger angewiesen, ob als Zeugen oder beim Eingreifen in eine Straftat".