Poetry-Slam beim Kulturzirkus: Worte wie Hammerschläge

Poetry-Slam beim Kulturzirkus: Worte wie Hammerschläge

Kleine Besucherzahl, großes Kino und eine Premiere: Erstmals mit einem Poetenwettstreit ist das Abendprogramm des Hillesheimer Kulturzirkus eröffnet worden. Es sind zwar nur zwei Dutzend Besucher gekommen, aber die haben beeindruckende Vorträge erlebt: mal brüllend komisch, mal bildreich kreativ, mal krachend brutal.

Hillesheim. Sie nennen sich Vorwiegendinmoll, Lasse Samström oder Sim Panse - und so gut wie keiner der gut zwei Dutzend Gäste ahnt, was angesichts dieser Künstlernamen auf ihn zukommt. "Sind das alles nur weitere Spinner, die eine Bühne für sich suchen?" ist eine durchaus berechtigte Frage in Zeiten, in denen "Talente" und selbst ernannte Komiker dauerhaft im Fernsehen aufs Publikum losgelassen werden.Und so waren alle sehr gespannt auf den ersten Hillesheimer Poetenwettstreit (engl.: Poetry Slam). Auch Organisator Manfred Schmitz. Gut dreieinhalb Stunden (!) und etliche Vorträge später ist klar: Diese Premiere war eine Bereicherung des Kulturzirkus-Programms: neu, erfrischend, anders, stark! Und sollte daher wiederholt werden. Knapp gewonnen hat der Komischste von allen: Lasse Samström (Lahme). Der in Gerolstein geborene und in Prüm aufgewachsene 44-Jährige hat mit seinem mimik- und gestenreichen Vortrag, vor allem aber seiner Sprachgewandtheit gepunktet - und die Gäste mit seinen Schüttelreimen (bei denen die Anfangsbuchstaben aufeinanderfolgender Worte vertauscht werden) begeistert und losprusten lassen. Zum Beispiel wenn Frauen sich einerseits wie "häufige Lündinnen" benähmen, er sich mit seiner Frage "Pillste woppen?" dann aber doch wieder nur Ärger einhandele. Sein Fazit: "Ich frete oft ins Trettnäppchen, man verneht mich sticht!" Applaus, "Dielen Vank", Abgang. Und die Krone. Ganz anders kommt der punktgleiche und gerade einmal 20-jährige Fabian Wolf aus Braunschweig daher. Der Junge mit den Rastalocken thematisiert Rassismus, Anderssein, Toleranz - und regt mit seinem hoch konzentrierten Vortrag zum Nachdenken an. Noch etwas brachialer geht es beim Drittplatzierten Sim Panse aus Köln zur Sache - als er hinter die Kulissen der ach so schönen Einkaufswelt und die Verlockungen und Verwerfungen der Konsumgesellschaft blickt. Oder auf den Taksim-Platz, wo Menschen und Menschenrechte mit Füßen getreten werden - und Sim Panse dazu die Geschichte eines kleines türkischen Mädchens erzählt und einen türkischen Refrain einfließen lässt. Gänsehautfeeling! Das erzeugen auch andere Teilnehmer wie Nele aus Waxweiler mit ihren tollen Liebesgeschichten voller starker Bilder. Oder Dirk aus Hamburg. Worte wie Hammerschläge! Fazit des wohl mutigsten Akteurs des Abends, Senior Ludwig Hofmann aus dem benachbarten Bolsdorf, der spontan mitgemacht hat: "Das sind alles Profis." mhhillesheimer-kulturzirkus.de

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