Polit-Theater auf hohem Niveau

Polit-Theater auf hohem Niveau

DAUN. (red) Auf Einladung des Forums "Eine Welt" und 20 weiterer Gruppen aus dem Kreis Daun führten die Schauspieler der Berliner Compagnie ein Stück auf, das auf einer wahren Begebenheit beruht.

Das Stück "Schöne eine Welt", das die Berliner Compagnie auf Einladung des Forums "Eine Welt" und 20 weiterer Gruppen vor 150 Besuchern im Forum Daun aufführte, beruht auf einer wahren Geschichte: dem Mord an der indonesischen Arbeiterführerin Marzinah 1993. Die Berliner Compagnie, bekannt dafür, brisante politische Themen auf die Bühne zu bringen, hat mit "Schöne eine Welt" das Zauberwort von der "segensreichen" Globalisierung eindruckvoll entzaubert. Was die vier Schauspieler auf der Bühne vorführten, war politisches Theater auf hohem Niveau, ohne dabei in politische Agitation zu verfallen. Das südostasiatische Drama wurde in unterhaltsamer Form dargeboten. Die Geschichte von "Schöne eine Welt" spielt in einer deutschen Textilfabrik in einer "freien" Produktionszone Südostasiens. Direktor Klon und sein Produktionsleiter Zoff lassen Hunderte von asiatischen Näherinnen für einen Monatslohn von 100 Euro billige Kleidung für den deutschen Markt herstellen. Bis zu 16 Stunden arbeiten die Frauen jeden Tag. Die Fabrikhalle ist nicht belüftet, und Husten ist verboten. Wer länger als zwei Minuten für seinen Gang zur Toilette braucht, verliert einen Teil seines Lohns. Sexuelle Übergriffe sind an der Tagesordnung. Wer einer Gewerkschaft beitritt, wird entlassen. Schließlich beginnen die Frauen, sich gegen die Arbeitsbedingungen mit einem Streik zu wehren. Produktionsleiter Zoff ruft das Militär. Die Sprecherin der Streikenden wird von den Soldaten zu Tode gefoltert. Die Fabrikleitung versucht, den Mord zu kaschieren. Als die Schwester der Ermordeten um die Herausgabe der Leiche bittet, erfährt sie, dass die Verlagerung der Fabrik nach Bulgarien beschlossen und bereits heimlich mit dem Abtransport der Maschinen begonnen wurde, um kein Abfindung an die Arbeiterinnen zahlen zu müssen. Als der Fabrikdirektor zur Rede gestellt wird, antwortet er: "Meinst du, wenn die Männer mit den Gewehren nicht hinter uns stehen würden, gäbe es bei euch einen Winterschlussverkauf?"