Politiker wollen Bibliothek unbedingt retten

Politiker wollen Bibliothek unbedingt retten

Die Zukunft der Kreisbibliothek in Daun ist wegen der Finanznot des Kreises nach wie vor ungewiss. Die SPD hat einen Zwölf-Punkte-Plan aufgestellt, mit dem die Bildungseinrichtung erhalten werden soll. In den Kreistagsfraktionen wird rege diskutiert.

Daun/Gerolstein. Die Kreisbibliothek in Daun hat eine Galgenfrist bis Ende 2012. Weil die Bildungseinrichtung in den vergangenen Jahren stets ein Defizit von mehr als 100 000 Euro (2011: 112 730 Euro; 2010: 118 230 Euro; 2009: 107 815 Euro) erwirtschaftet hat und der hoch verschuldete Kreis sparen muss, ist die Schließung zum Thema geworden. Zwischenzeitlich gab es eine Podiumsdiskussion, eine Schülerdemo für den Erhalt der Bibliothek, die VG Daun hat ihren jährlichen Zuschuss von 15 400 auf 20 000 Euro aufgestockt, und ein Arbeitskreis sucht nach Strategien für den dauerhaften Erhalt der Einrichtung.
Auf politischer Seite hat sich die SPD bislang besonders hervorgetan, um die Einrichtung zu erhalten. Jens Jenssen, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag, betont aber die Gemeinsamkeit der Anstrengungen, die Kreisbibliothek im Bestand zu sichern. Er hofft, "einen schönen gemeinsamen Erfolg" zu erzielen. Keinesfalls solle der Eindruck entstehen, die SPD wolle sich in dieser Angelegenheit profilieren.
Dennoch: Die SPD hat nun einen Zwölf-Punkte-Plan unter dem Titel "Eine Bibliothek für alle" erarbeitet und dem Schul- und Kulturausschuss des Kreises als Grundlage für weitere Überlegungen präsentiert. In den anderen Kreistagsfraktionen wurde der Vorstoß unterschiedlich aufgenommen:
CDU: Fraktionschef Herbert Schneiders begrüßt zweierlei: erstens, dass sich die Kreistagsmehrheit gegen den Plan der Verwaltung ausgesprochen hat, "die Kreisbibliothek mit einem Federstrich im Rahmen des Kommunalentschuldungsfonds zu schließen".
Und zweitens, dass in der Folge alle Gruppierungen im Kreistag den Argumenten von Eltern, Schülern und Lehrern folgend, beschlossen haben, im Laufe des Jahres über eine neue Konzeption nachzudenken. Es gebe bereits Überlegungen und auch Ansätze in Mainz, die Dauner Kreisbibliothek im Rahmen der Pilotprojektförderung des Landes zu einer leistungsfähigen Bibliothek der Grundversorgung auszubauen. Zum Zwölf-Punkte-Papier der SPD sagt er: "Wenn die SPD-Fraktion an ihrem Papier noch feilt, wird man es in den unumgänglichen Gesprächen der nächsten Wochen auch weiterhin mit dabei haben."


FWG: Fraktionssprecher Jörg Leclaire
sagt: "Die Freien Wähler sind froh, dass sich nun eine einvernehmliche Lösung für die Kreisbibliothek abzeichnet, die den Interessen der Nutzer und der Finanzlage des Kreises entgegenkommt." Und weiter: "Wir begrüßen daher alle Vorschläge, die in diese Richtung gehen." Letztendlich werde der Kreistag für nächstes Jahr entscheiden müssen, ob und wie viel der Kreishaushalt durch die Maßnahmen entlastet werde.

BUV: Petra Schneider
, Mitglied im Schul- und Kulturausschuss: "Eine Schließung der Kreisbibliothek Daun kam und kommt für uns nicht in Betracht, und wir freuen uns, dass sich abzeichnet, dass der Fortbestand der Kreisbibliothek Daun eine breite Mehrheit findet." In der jüngsten Sitzung des Schul- und Kulturausschusses, an der Schülervertreter, Vertreter der Kreisverwaltung, Schulleiter der in Kreisträgerschaft stehenden Schulen sowie die Bibliotheksleiterin Stephanie Lönenbach teilgenommen haben, seien "viele gute Vorschläge beigesteuert" worden, wie Kosten reduziert und somit Defizite heruntergefahren werden können. Zudem habe es praktikable Vorschläge gegeben, wie die Attraktivität der Kreisbibliothek gesteigert werden kann.

Grüne: (Kreisgeschäftsführer Rainer Klippel):
"Aus unserer Sicht ist die Kreisbibliothek ein wichtiger Bestandteil des Kreisbildungsangebotes. Das Schließen wäre aus unserer Sicht ein großes Verlustgeschäft für die Bildung von Kindern, Schülern und Erwachsenen. Bildung kostet Geld!" Grundsätzlich unterstützen die Grünen die Maßnahmen, um die Kreisbibliothek zu erhalten. Mit einer Ausnahme. Klippel: "Eine Einführung von Gebühren für Schüler lehnen wir strikt ab. Auch die Erhöhung der Beiträge für die restlichen Nutzer sollte wohldurchdacht beziehungsweise darauf verzichtet werden." Erhöhungen würden unter Umständen eher abschrecken.

Linke, Ulli Meyer:
"Die von der SPD vorgeschlagenen Änderungen können hilfreich sein, werden jedoch im Bereich der Änderung der Öffnungszeiten sowie Erhöhung der Mitgliedsbeiträge keine gravierenden Verbesserungen bringen. Die vorgeschlagenen inhaltlichen Verbesserungen sind aus meiner Sicht zu unterstützen. Auch eine verbesserte Präsenz durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, mehr Veranstaltungen etc. sind sinnvoll. Jedoch wird die Kreisbibliothek immer ein defizitärer Bereich bleiben. Bildung kostet halt, und sie sollte es uns wert sein."

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