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Post gibt Standortgarantie für Gerolstein

Das Postgebäude in Gerolstein hat - unter Vorbehalt - einen neuen Eigentümer. Es ist der Elektrohändler Armin Gillenkirch aus Rommersheim, der in den oberen Stockwerken eine Filiale eröffnen will. Noch hakt die Sache aber, da die Stadt Auflagen macht, damit das Gelände hinter dem Gebäude weiterhin frei zugänglich bleibt. Klar ist aber: Die Post bleibt bis mindestens 2020 in Gerolstein. Von unserem Redakteur Mario Hübner

Gerolstein. Lange war es ruhig um das Postgebäude in Gerolstein, das unmittelbar an den Bahnhofsvorplatz anschließt. Während im Erdgeschoss ohne Unterbrechung Briefmarken gekauft, Pakete abgegeben und Geldgeschäfte erledigt werden konnten, werden die oberen beiden Stockwerke nach Umstrukturierungen der Post seit Jahren nicht mehr genutzt.

Vor geraumer Zeit hat die Post das Gebäude an einen Immobilienfonds verkauft. Der wiederum hat für die Immobilie lange einen neuen Käufer gesucht. Und nun gefunden. Es ist Armin Gillenkirch, Elek trohändler und -meister aus Rommersheim. Der war zwar nicht erfreut, dass sein Name nun publik wird, dennoch gab er nach einigem Zögern preis, was er mit dem Gebäude vorhat. Er sagte: "Wir wollten eine Filiale in Gerolstein aufmachen."

Weshalb er in der Vergangenheitsform spricht, hat einen Grund. Der Unternehmer ist sauer auf die Stadt Gerolstein, überlegt gar, einen Rückzieher zu machen. Er sagt: "Die Verträge sind zwar unterzeichnet, trotzdem klemmt es im Moment." Denn die Stadt will die drei Meter breite Straße rechts neben dem Gebäude übernehmen und als öffentlichen Weg deklarieren, damit das Gelände dahinter erschlossen wird. Gillenkirch: "Ich kaufe aber doch kein Gebäude mit einem öffentlichen Weg dran." Zudem müsste er dann den Eingang verlegen, was ihn nach eigenem Bekunden mehrere Tausend Euro kosten würde. Gillenkirch sagt: "Jahrelang hätte die Stadt das Gebäude kaufen können, hat es aber nicht gemacht. Jetzt, wo es ein Privater erworben hat und etwas aufbauen will, kommt sie mit ihrem Vorkaufsrecht."

Stadt: Brunnengelände muss erreichbar sein



Das hat die Stadt in der Tat generell. Aber kaufen will sie das Gebäude eigentlich nicht. Das sagt Stadtbürgermeister Bernd May unumwunden: "Uns geht es primär darum, die Erschließung des Areals hinter dem Gebäude sicherzustellen." Der rund 6000 Quadratmeter große Bereich zwischen Kyllbogen und Bahngleisen gehört dem Gerolsteiner Brunnen, dessen Innenstadtwerk auf der anderen Kyllseite liegt. Bis zur Aral-Tankstelle in Richtung Pelm gehört dem Unternehmen so gut wie der gesamte Streifen zwischen Ufer und Bahngleisen. Und da der Brunnen angekündigt hatte, bis 2013 das Werk aufzugeben und für eine öffentliche Nutzung zu öffnen (der TV berichtete), will sich die Stadt nun auch die laut May "einzige mögliche Erschließung des rückwärtigen Bereichs sichern". Für ihn eine "wichtige stadtplanerische Entscheidung".

Zumal es auch bereits Überlegungen gibt, das Gelände touristisch zu nutzen und dort eventuell ein Museum zu installieren sowie Gastronomie und Spielmöglichkeiten an der Kyll zu schaffen. Und per Fußgängerbrücke sollen die Gäste dann vom Bahnhof einen direkten Weg zum Gelände bekommen.

May sagt: "Wir können uns hier einfach nicht die Zukunft verbauen lassen." Er zeigte sich aber auch "zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine vernünftige Lösung finden".

Während noch nicht endgültig entschieden ist, was künftig mit dem Postgebäude geschieht, ist klar, dass Gerolstein Poststandort bleiben wird. So sagte der zuständige Verkaufsgebietsleiter der Postbank-Filial-GmbH, Jürgen Uhlein, auf TV-Anfrage: "Wir haben uns vor geraumer Zeit für den Standort Gerolstein ausgesprochen und am 1. Juli 2010 einen Pachtvertrag über zehn Jahre abgeschlossen."

Und diese Standortzusage sei nicht an das jetzige Gebäude gekoppelt. Gebe es dort eine Veränderung, "suchen wir uns in Gerolstein für unsere Postbank-Filiale, in der auch künftig alle Postdienstleistungen angeboten werden, eben ein anderes Zuhause".

Meinung

Gute Nachricht

Die beste Nachricht in Sachen Post ist die, dass Gerolstein auch die nächsten zehn Jahre eine Filiale mit allen Dienstleistungen haben wird. Damit ist sie Städten von vergleichbarerer Größe einen großen Schritt voraus. Diese Entscheidung darf letztlich auch als Beleg für die relative Stärke und Wichtigkeit des Mittelzentrums Gerolstein gesehen werden. Dass die Stadt sich ihre Möglichkeiten für die künftige Nutzung des hinter dem Postgebäude liegenden Brunnengeländes nicht verbauen will und somit auf die Erschließungsstraße pocht, ist nachvollziehbar. Auch, dass sie dabei ihr stärkstes Argument, ihr Vorkaufsrecht, ins Feld führt, ist nachvollziehbar. Doch das hätte sie bereits beim vorherigen Verkauf des Gebäudes (von der Post an einen Immobilienfonds) tun müssen. Daher ist es geboten, dass sie bei den jetzigen Verhandlungen Entgegenkommen zeigt. Denn grundsätzlich ist jede Neuansiedlung gut. m.huebner@volksfreund.de