Preute lässt Nazis in der Eifel aufmarschieren

Preute lässt Nazis in der Eifel aufmarschieren

Premierenlesung an einem geschichtsträchtigen Tag: 75 Jahre nach der Reichspogromnacht hat Jacques Berndorf im Hillesheimer Kriminalhaus seinen neuen Krimi Eifel-Krieg vorgestellt. Vor mehr als 60 Zuhörern hat er über fiktive Verbrechen von Neonazis in der Eifel gelesen.

Hillesheim. Die erste Lesung im neuen Kriminalhaus war Jacques Berndorf, dem Erfinder des Eifel- Krimis, vorbehalten. "Das Thema Neonazis ist bei mir besetzt von einer Flut von Erinnerungen", erklärte der 77-Jährige seinen Zuhörern. Über die Judenverfolgung durch die Nazischergen habe er als Jugendlicher mit seinen Eltern nicht sprechen können. "Das Buch habe ich auch geschrieben, um zu erfahren, was es mit mir anstellt, es war ein großer Druck", berichtete Berndorf weiter. Der Tag der Lesung ist dabei bewusst ausgewählt worden: genau 75 Jahre nach der Reichspogromnacht. Antisemitismus ist ein aktuelles Thema, denn rund zwei Drittel der Juden in Deutschland und Europa fühlten sich bedroht, zitierte Krimiautor Berndorf aus einer Studie der EU.
In seinem neuen Roman haben Neonazis einen Bauernhof in der Eifel zu einem Zentrum ihrer Ideologie umgebaut. Tatsächlich gebe es 260 solcher Einrichtungen in Deutschland, so habe es ihm ein Politiker erklärt. Im Roman wird ein junger Mann namens Blue ermordet. Bei den Nachforschungen in der Neonazi-Szene rund um den Bauernhof wird Berndorfs Held Siggi Baumeister verprügelt und dessen väterlicher Freund Rodenstock so brutal zusammengeschlagen, dass er ins Koma fällt. Seine Geschichte bewege sich in einem "Halbnebelzustand von Gerüchten über Neonazis", beschrieb Berndorf, und die Angst vor solcher Gewalt hindere Menschen daran, genauer nachzufragen.
Auch bei der Fragerunde an den Autor nach der eigentlichen Lesung blieb das Thema der Neonazis präsent. "Ich finde das hervorragend, dieses Thema anzusprechen", lobte ein Zuschauer.
Hochinteressiertes Publikum


Auf die Frage, wie man mit jungen Leuten über die Nazizeit reden sollte, meinte Berndorf: "Man darf ihnen unter keinen Umständen vorenthalten, zu welch riesenhaften Schweinereien menschlicher Natur es dabei gekommen ist."
Trotz des nachdenklich stimmenden Themas kam die Premierenlesung im Kriminalhaus bei den Zuschauern gut an. "Es war eng, aber sehr gemütlich, sehr gut", lobte Rosa Marita Schrouff, die extra aus Aachen angereist war. Auch Verleger Ralf Kramp war zufrieden. Er sagte: "Heute Abend war das Publikum hochinteressiert, und es hat ganz andere Fragen gestellt als sonst bei Lesungen." aix