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Proteste gegen Fällung der Linde

Protest : Der alte Baum soll bleiben

Grüne, Naturschutzbund und Bürger der Stadt wollen den 230 Jahre alten Baum erhalten. Nach der Demo am Samstag sollen weitere Aktionen stattfinden, unter anderem wird ein Bürgerbegehren angestrebt.

Im Rahmen der Umgestaltung des Kyllufers im Bahnhofsbereich soll die uralte Linde entgegen der fünf Jahre währenden Planungen, in denen der Baum stets als wichtiges Element der Maßnahme angesehen wurde, nun fallen.

Nach einer Begutachtung und dem darauf folgenden Dringlichkeitsantrag beschloss der Stadtrat Gerolstein vor einigen Tagen mehrheitlich, die Motorsäge anzusetzen. Der Grund: Die Wurzeln der Linde müssten in einem Umkreis von mehreren Metern gekappt werden, damit einerseits die Sanierung der Straße, aber auch der Bau der geplanten Betontreppe zum Kyllufer durchgeführt werden könne. Damit würde der Baum seine Standfestigkeit verlieren und zum Risikofaktor, hieß es im Stadtrat.

„Totale Fehlentscheidung“ sagt Grünen-Fraktionssprecher Tim Steen bei der Protestaktion am Samstagmorgen. „Der Baum wurde erst vor Kurzem von einer Fachfirma überprüft. Dem Gutachten nach ist er kerngesund.“

Die Linde sei verkehrssicher und zukunftsfähig, besagt das Untersuchungsergebnis, das Susanne Venz vom Naturschutzbund (Nabu) Kyll­eifel bei der Demo vorzeigt. Sie wundert sich darüber, dass der Nabu nicht im Vorfeld über die geplante Fällung informiert wurde. „Im Normalfall werden wir bei solchen Entscheidungen hinzugezogen“, sagt Venz. Denn so ganz ohne weitere Gutachten könne nicht einfach die Motorsäge angeworfen werden: „Es stellt sich hier die Frage nach dem Artenschutz, der Baum muss ökologisch untersucht werden.“

Darüber hinaus sei die gesamte Umbaumaßnahme im Rahmen der Aktion Blau plus ja dazu gedacht, das Kyllufer beim Bahnhofsgelände naturnah zu gestalten. „Hier wird eine Betontreppe hinunter zum Fluss gebaut. Wenn die Linde gefällt wird, ist das einzige Grün auf dem Areal verschwunden.“

Man habe in den Ausschüssen nun fünf Jahre lang rund um den alten Baum geplant, erzählt Tim Steen. „Es muss doch wirklich jedem, inklusive des ausführenden Ingenieur-Büros klar gewesen sein, dass solch ein Gewächs auch Wurzeln hat.“

Im Übrigen könnten die armdicken Wurzeln in einem Umkreis von rund fünf Metern gekappt werden, ohne dass der Baum absterbe, sagen Steen und Venz. „Das muss aber von einem Fachmann ausgeführt werden.“ Auch einige Äste könnten entfernt werden, sollten sie für Passanten und Besucher des Kyllufers ein Risiko darstellen. „Das kann eine Linde gut wegstecken“, sagt Susanne Venz.

An der Protestaktion auf dem Bahnhofsvorplatz beteiligen sich im Laufe des Vormittags immer mehr Menschen, für den Abend ist eine Mahnwache geplant. Hans-Joachim Stief, ehemaliges Ratsmitglied, ist richtig sauer: „Was hier passiert, ist unter aller Sau. Da wird in einer Nacht- und Nebelaktion die gesamte Planung über Bord geworfen und der Stadtrat wird unter Druck gesetzt, sich für eine Fällung zu entscheiden.“ Das sei doch alles ein schlechter Witz, sagt eine Passantin, die über den Rückschnitt der Linde aus unserer Zeitung erfahren hat. „Da wird laufend über Bürgerbeteiligung gesprochen, aber der Stadtrat boxt so eine Entscheidung einfach durch.“

„Wenn wir nichts unternehmen, dann liegt der Baum“, sagt Dietmar Johnen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Verbandsgemeinderat. „Und das kann bereits in der kommenden Woche passieren.“

Bündnis 90/Die Grünen wollen ein Bürgerbegehren auf die Beine stellen, sagt Johnen. „Wir werden Unterschriften gegen die Fällung der Linde sammeln. Wenn rund 520 Menschen, also etwa neun Prozent aller Wahlberechtigten der Stadt Gerolstein und ihrer Stadtteile sich dagegen aussprechen, muss der Stadtrat den Beschluss aussetzen.“ Dann müsse die Sache im Rat erneut verhandelt werden, sagt Johnen. „Wir starten die Aktion Bürgerbegehren bereits am Wochenende und gehen davon aus, dass die nötige Anzahl an Unterschriften schnell erreicht ist.“

Er verstehe, dass das Thema emotionsgeladen sei, sagt Stadtbürgermeister Uwe Schneider und fügt hinzu: „Diese Entscheidung ist uns selbstverständlich nicht leicht gefallen.“ Aber die Sicherheit der Bürger stehe nunmal an erster Stelle. „Wir müssen das sachlich diskutieren, denn wenn etwaige Regressforderungen auf die Stadt zukämen, weil der Baum nicht verkehrssicher ist, dann wird es extrem schwierig.“

Der Bürgermeister will den Entschluss des Stadtrats zur Fällung nochmals rechtlich prüfen lassen, „denn immerhin gibt es ja auch den vorherigen Entscheid, die Linde in die Umgestaltung des Kyllufers mit einzubeziehen.“

Das von den Grünen angestoßene Bürgerbegehren sei ein legitimer demokratischer Prozess, sagt Schneider. „Und wenn sich nach einem weiteren Gutachten doch noch eine Möglichkeit ergibt, den Baum nicht fällen zu müssen, wären wir alle sicherlich damit glücklich.“

Am Montag werde es zahlreiche weitere Gespräche geben - unter anderem mit dem ausführenden Bauunternehmen. „Bevor dort irgendjemand die Säge ansetzt, will ich informiert werden“, sagt Uwe Schneider.