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Justiz: Prozess endet vorzeitig: Auftakt ohne Angeklagten

Justiz : Prozess endet vorzeitig: Auftakt ohne Angeklagten

Auf unbestimmte Zeit verschoben hat das Landgericht Trier den Prozess gegen einen belgischen Angeklagten, dem bewaffneter Raub vorgeworfen wird. Er hatte es vorgezogen, der Verhandlung, bei der es um einen Vorfall bei einem Motorradfahrertreffen in Lissendorf ging, fernzubleiben.

Fast hätte sich dieses vorzeitige Ende erahnen lassen: Vor der Vierten Großen Strafkammer des Landgerichts sollte gestern der Prozess gegen einen 31-Jährigen beginnen, dem bewaffneter Raub und Beihilfe zur Körperverletzung vorgeworfen werden. Schon für das Raubdelikt sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren Haft vor.  Allerdings wohnt der Angeklagte in Belgien.

Die vorgeworfene Tat soll sich schon im Juni 2014 bei einem Motorradfahrertreffen in Lissendorf ereignet haben und wurde, so vermutet es Staatsanwalt Mathias Juchem,  von den Geschädigten erst am Folgetag angezeigt. Da war der mutmaßliche Täter aber schon längst wieder über die nahe Staatsgrenze ins Nachbarland enteilt.  Festnahme und Untersuchungshaft waren nicht mehr möglich. Da er sich  derzeit in Belgien  auf freiem Fuß befindet, ist auch kein Auslieferungsersuchen möglich.

So mussten gestern der Vorsitzende Richter Peter Egnolff, Staatsanwalt Juchem und Verteidigerin Anne  Bosch ihre Akten wieder unverrichteter Dinge zusammenpacken. Was blieb, ist ein frisch ausgestellter Haftbefehl gegen den Mann – die erneute Einreise nach Deutschland könnte für ihn zu einem längeren Aufenthalt führen. Verhandelt werden sollte über folgenden Sachverhalt: Während der „Biker-Week“ in Lissendorf betrat der Angeklagte am 22. Juni 2014 mit vier unbekannten Mittätern das Kassenhaus der Veranstalter, wo sich der Geschädigte S. Aufhielt. Mit den Worten „Nicht bewegen – sitzen bleiben!“ habe der Angeklagte dem Mann ein Messer vors Gesicht gehalten und ihn aufgefordert, seine Kutte (Bikerjacke) auszuziehen, was dieser jedoch verweigerte. Daraufhin soll der ebenfalls anwesende E. von den Mittätern überwältigt worden und nach mehreren Schlägen auf den Kopf zu Boden gegangen sein. Dort hätten die Mittäter weiter auf ihn eingeschlagen und ihn mit Tritten traktiert. Der Mann erlitt Prellungen, Schürf- und Schnittwunden sowie Hämatome. Einer der Angreifer soll am Ende die Kutte des Geschädigten mit einem Messer durchtrennt, sie ihm ausgezogen und mitgenommen haben. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte belgischer Staatsbürger und schon in seinem Heimatland  mit dem Gesetz in Konflikt geraten.