1. Region
  2. Vulkaneifel

Prozess um Kupferklau in der Eifel: Vier Angeklagte, vier Geständnisse

Prozess um Kupferklau in der Eifel: Vier Angeklagte, vier Geständnisse

Eine Vierer-Bande soll Kupfer gestohlen und dafür ganze Windkraftanlagen in der Eifel ausgeschlachtet haben. Vor dem Landgericht Trier legen die Angeklagten größtenteils Geständnisse ab. Ein Zeuge belastet sich selbst.

Was sagt Justitia in diesem Fall? Das Urteil im Missbrauchprozess gegen einen Mann aus der VG Saarburg will das Gericht am Dienstag verkünden. SymbolFoto: dpa Foto: ARRAY(0x2cd250a70)

Trier. "Kabelschere und Kletterwerkzeug", sagt der 29 Jahre alte B. "Mehr braucht man nicht." Er ist einer von vier Angeklagten, die sich vor der großen Jugendkammer am Landgericht Trier verantworten müssen: Die Bande soll Kupfer aus Windkraftanlagen gestohlen haben - im ganz großen Stil.

Worum geht es: Staatsanwalt Wolfgang Bohnen wirft der Vierer-Bande vor, zwischen Juli und Dezember des vergangenen Jahres in mehreren Fällen schweren Bandendiebstahl begangen zu haben. Der größte Coup: In einem Windpark sollen sie Kupfer und andere Teile aus den dortigen Anlagen gestohlen und so mindestens eine Beute von mehr als 80 000 Euro gemacht haben. Der Schaden, den sie hinterließen, betrug mehr als zwei Millionen Euro.

Ohne Rücksicht auf Verluste: Bei einem Einbruch in ein Wiegehaus bei einem Steinbruch soll die Gruppe nur eine Beute von vielleicht 100 Euro gemacht haben. Nach Aussage eines Zeugen, dem Angestellten eines Straßenbau-Unternehmens, habe sie jedoch einen viel höheren Schaden hinterlassen: etwa 10 000 Euro.
Im September 2015 soll die Bande eine Trafostation in Prüm aufgebrochen und ein 20 000-Volt-Kabel gekappt haben - die Chance, dabei tödlich verletzt zu werden, sei hoch, sagt ein Netzbetriebsmeister bei Westnetz, als weiterer Zeuge geladen.
"Das muss schon ein äußerst Lebensmüder gewesen sein." Passiert ist damals nichts, doch erbeutet wurde auch nichts: Aluminium, nicht Kupfer, war darin zu finden. Kupfer und Amphetamine: Drahtzieher des Ganzen soll ein Paar aus dem Prümer Land gewesen sein. Sie hätten sich damit vor allem ihren Drogenkonsum finanzieren wollen, bestätigen die 40-jährige S. und der 36-jährige M. Letzterer gibt an, in einer Woche Stoff für etwa 400 Euro bezogen zu haben.
Den habe er nicht zuletzt gebraucht, um sich nachts wach zu halten: Denn das Ausschlachten der "Mühlen", so der Spitzname der Bande für die Windkraftanlagen, sei anstrengend gewesen. Um das Kupfer-Innenleben aus zwei Anlagen zu stehlen, sei man etwa 25 Mal in den Windpark eingestiegen, schätzt er.

Gehilfen - und die Polizei: Die beiden jüngeren Männer - der heute 20-jährige T. und der 29-jährige B. - sollen an einzelnen Taten beteiligt gewesen sein. T. jedoch leugnet vor Gericht jegliches Wissen über die Sache mit den Windkraftanlagen - während B. behauptet, ihn dort in jener Nacht sogar mit dem Handy fotografiert zu haben. Von der Polizei festgenommen wurde T., gemeinsam mit B. und S., am 19. Dezember 2015: Da scheiterte der Versuch, Sicherungen aus einer Trafo-Station und eine Kabeltrommel zu stehlen. In der gestrigen Verhandlung belastet dann ein als Zeuge geladener Mann sich selbst: Er habe "ein Bierchen getrunken und sei so mitreingeschlendert" in eine der Anlagen, sagt der Mann, bei dem es sich nach Aussage des angeklagten Paares um einen von zwei weiteren "Gehilfen" handeln soll.

Wie es weiter geht: Am Mittwoch, 13. Juli, setzt das Gericht die Beweisaufnahme fort. Der Vorsitzende Richter Günther Köhler kündigt an, dann werde die Kammer auch mitteilen, ob sie die zu Beginn getroffene "verfahrensbeendende Absprache" wieder aufkündige. In dem Gespräch hatte das Gericht den Angeklagten Strafobergrenzen zugesagt - im Falle eines Geständnisses. Eine Absprache, die unter diesen Umständen, sagt Richter Köhler, jedoch "sinnlos" sei.