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Psychosoziale Hilfe der Caritas für von Hochwasser Betroffene in Eifel

Flutkatastrophe : Nach der Flut: „Wenn Betroffenen zur Ruhe kommen, nehmen die Ängste zu“

Der Caritasverband (CV) Westeifel hat nach der Flut in den Landkreisen Bitburg-Prüm und Vulkaneifel über die Soforthilfe hinaus ein langfristiges Programm zur psychosozialen Begleitung von Betroffenen auf die Beine gestellt. Der Koordinator Alexander Knauf berichtet von seinen Beobachtungen und den bisherigen Erfahrungen.

„Geld ist in so einer Situation immens wichtig“, erklärt Alexander Knauf. Der Dienststellenleiter des CV Westeifel in Bitburg und zudem Fachbereichsleiter Frauen, Familie und Begegnung sowie Gemeindecaritas weiß aber auch: „Viele sind gerade zu Beginn überhaupt nicht in der Lage, die Ereignisse zu verarbeiten.“ Denn wer Wasser im Keller und Schlamm im Erdgeschoss habe, müsse erst einmal damit klarkommen.

Vor diesem Hintergrund war fünf Tage nach der Flut vom 14. Juli beim CV Westeifel eine Flutopferhilfe an den Start gegangen, die zwar zunächst Soforthilfe leistet, materielle und finanzielle, aber nach den Erfahrungen von Caritas International in anderen Hochwasser-Gebieten mehr und mehr in eine soziale Beratung und Begleitung übergehen soll. „Und das kann zwei bis vier Jahre, wenn nicht noch länger dauern“, erklärt Alexander Knauf.

Der 40-jährige Spangdahlemer ist promovierter Sozialpädagoge und nun der Koordinator der Maßnahmen der Flutopferhilfe. Um Fragen und Ansprüche der Betroffenen zu klären, Hilfsangebote aufzuzeigen, Anträge zu stellen, steht ihm ein multiprofessionelles Team aus Sozialarbeitern, Psychologen, einem Bankfachmann und einem Bauingenieur zur Seite. Von kommunalen Verantwortungsträgern und Mitarbeitern der Jobcenter erfahre er großes Entgegenkommen und viel Flexibilität, von den Seelsorgern komme Beistand, betont er.

Wenn er in diesen Tagen durch Irrel, Rittersdorf oder Densborn fahre, erinnere auf den ersten Blick nichts mehr an das Hochwasser, räumt Knauf ein. Erst bei genauerem Hinsehen entdecke er die Spuren an den Häusern, die bis in die Höhe des ersten Stockwerks reichten. Und in den Fenstern seien keine Gardinen und keine Zimmerpflanzen zu sehen. Wenn er dann ein hochwassergeschädigtes Haus betrete, werde das ganze Ausmaß deutlich. „Es ist die reinste Entkernung“, sagt er. Die Tapeten würden ebenso entfernt wie der Putz, die Fußbodenbeläge und der Estrich. Im schlimmsten Fall müssten Häuser komplett abgerissen werden.

Was sich in der Seele der betroffenen Menschen abspielt, beschreibt Alexander Knauf so: Wenn ein Mensch bedroht sei, brauche er zunächst Sicherheit für Leib und Leben. Trete diese Sicherheit ein, beginne sich die Bedrohung häufig mit psychischen Problemen auszuwirken. „Übertragen auf die Flutkatastrophe bedeutet das, dass zuerst nach dem Container für den Bauschutt und nach dem Antragsformular für ein Bautrockengerät gefragt wird. Dann können Schlafstörungen auftreten, etwa weil die Menschen das Wasser wieder rauschen hören“, erklärt der Sozialpädagoge. „Wenn der Mensch nach solch extremen Situationen zur Ruhe kommt, nehmen die Ängste zu“, weiß er. „Und oft entsteht auch das Gefühl, dass es andere doch viel schlimmer getroffen habe, zum Beispiel die Menschen an der Ahr“, berichtet Knauf aus Gesprächen. „Aber wer in Not ist, hat ein Recht auf Unterstützung“, nennt er den Grundsatz der Caritas.