Raus auf die Straße!

Wenn heutzutage Menschen auf die Straße gehen, dann meistens, um ihrem Unwillen Ausdruck zu verleihen. Und um zu zeigen, dass sie gegen etwas sind.

Seltener wird für etwas demonstriert. Am morgigen Donnerstag etwa ist das anders. Da gehen auch Menschen auf die Straßen. Der Weg, den sie nehmen, ist meistens mit Fahnen und Blumen geschmückt. Und sie haben Haltepunkte. Stationen, an denen schmucke Altäre aufgebaut sind. Es sind Christinnen und Christen, die sich zu einer Fronleichnams-Prozession auf den Weg machen. Das Fest wird im Bistum Lüttich schon seit 1246 gefeiert. Die Anregung für dieses Fest geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich, einer Augustinerchorfrau, im Jahre 1209 zurück. Es ging ihr darum, ein eigenes Fest für das Altar-Sakrament auf den Weg zu bringen. In ihrer Vision, so sagt sie, deutete Christus den Mond, den sie sah, als Bild für das Kirchenjahr. Und ein dunkler Fleck auf dem Mond weist - so Christus - darauf hin, dass eben ein solches Fest noch fehlt. In Bayern gab es 1273 erste Prozessionen, im Bistum Köln 1279. Glauben an Gott bekennenDabei geht es um zwei wichtige Punkte. Einmal darum, dass die Menschen dann ihren Glauben an Gott bekennen. Zum anderen aber auch darum, und das in erster Linie, dass sie die konsekrierte (gewandelte) Hostie in die Welt tragen - in einer Monstranz. Und damit zeigen: Wir glauben, dass in diesem Stück Brot Jesus Christus in Leib und Blut gegenwärtig ist. Und er ist nicht irgendwo, er ist in der Welt, mitten unter uns. Das mag manchen befremden. Und es braucht sicher auch Zeit, auch für uns Christen, sich damit auseinanderzusetzen und den eigenen Standpunkt zu finden. Aber es ist eine Auseinandersetzung mit einer Wirklichkeit, auf die ich durch solche Prozessionen, durch solche Feste gestoßen werde. Gäbe es das nicht, würde ein wichtiger Impuls fehlen, mich mit mir, mit Gott und mit der Welt auseinanderzusetzen. Johannes Eiswirth, Geschäftsführender Dekanatsreferent Dekanat St. Willibrord Westeifel GLAUBE IM ALLTAG