Rebellen beim Bundespräsidenten: Fusionsgegner sind ins Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen

Rebellen beim Bundespräsidenten: Fusionsgegner sind ins Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen

Große Ehre und Überraschung für Matthias Stein und Horst Kolitsch: Der Stadtbürgermeister von Hillesheim und der Ortsbürgermeister von Walsdorf, bekennende Gegner der Fusion der Verbandsgemeinden Gerolstein und Hillesheim, sind von Bundespräsident Joachim Gauck für den 23. Mai nach Berlin zum Tag des Grundgesetzes und zu einem Empfang eingeladen.

So einen Brief mit dem Stempel des Bundespräsidialamtes als Adresse bekommt man nicht jeden Tag. "Wahnsinn, die beiden Rebellen sind zum Bundespräsidenten eingeladen. Einmal im Leben und niemals wieder", sagt Horst Kolitsch dem Trierischen Volksfreund.Zwei Einladungen für Stein

Dieser Tage sei der Brief mit der Aussage "Der Bundespräsident bittet Herrn Ortsbürgermeister Horst Kolitsch......." ins Haus geflattert - und das hat ihn und Matthias Stein (beide CDU) richtig gefreut. Nun müssen sie nur noch bis zum 6. Mai zusagen, und der große Tag in der Hauptstadt kann kommen. Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein bekommt sogar noch eine zweite Einladung, da man ihn beim Anschreiben als Ortsbürgermeister bezeichnet hatte. Und dies will das Bundespräsidialamt natürlich noch richtigstellen.
Doch wie kommt man zu dieser Ehre? "Ich weiß es auch nicht, warum wir eingeladen wurden. Ich hatte mit dem Bundespräsidialamt gesprochen, da hat man mir gesagt, dass zum Empfang am 23. Mai im Park von Schloss Bellevue rund 750 Gäste kommen werden. Und dass die Vorschläge für die Gäste überwiegend vom Gemeinde- und Städtebund kommen", berichtet Stein. Da trifft es sich ja gut, dass er seit Jahren im Vorstand des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz ist. Sicher hat die Einladung etwas mit seinem kommunalpolitischen Engagement zu tun. Stein ist seit 40 Jahren aktiv, saß im Kreis- und Verbandsgemeinderat und ist seit 19 Jahren Stadtbürgermeister von Hillesheim. Horst Kolitsch ist seit 22 Jahren Ortsbürgermeister von Walsdorf. Schlagzeilen machten die zwei "Rebellen" besonders in jüngster Zeit beim Thema Zusammenschluss der Verbandsgemeinden Hillesheim und Gerolstein. Der Zusammenschluss ist zum 1. Januar 2017 so gut wie besiegelt, aber Stein und Kolitsch wollen trotzdem nicht klein beigeben.

Gegner der Kommunalreform

Sie haben bereits mehrere Briefe an den rheinland-pfälzischen SPD-Innenminister Roger Lewentz geschrieben. Sie scheuen sich nicht, sich mit Bürgermeisterin Heike Bohn, anderen Ratsmitgliedern und auch CDU-Parteifreunden anzulegen, und sie haben bereits Kreativität bewiesen und Aufkleber für einen Erhalt der VG Hillesheim drucken und verteilen lassen.
"Ich sehe in dieser Fusion überhaupt keinen Vorteil für die Bürger der Stadt und der Dörfer der Verbandsgemeinde. Alles an der Vereinbarung wirkt schwammig und unklar. Von daher sehe ich persönlich überhaupt keinen Sinn darin", sagt Matthias Stein. Horst Kolitsch pflichtet bei: "Die sagen immer, wir sparen. Im Gegenteil, wir sparen nichts. Bei einer Fusion knabbern wir die nächsten 20 bis 30 Jahre daran. Die VG Hillesheim muss für sich erhalten bleiben." Stein ergänzt: "Ich befürchte: Wenn die Fusion erfolgt ist, fällt für das Grundzentrum Hillesheim vieles weg. Wir geben vieles aus der Hand. Das kann es für meine Begriffe nicht sein. Ich will mir nach meiner Amtszeit nicht nachsagen lassen, der Stein hat nichts dagegen gemacht." Mit einer Veranstaltung im Berlin-Congress-Center zum Thema "Gelebte Demokratie in den Kommunen" mit der Rede von Joachim Gauck beginnt der Besuch für die beiden Eifeler. Im Anschluss daran findet im Park von Schloss Bellevue, Amtssitz des Bundespräsidenten, ein Empfang statt. Dort hoffen die beiden Gäste, ein paar Worte mit dem Staatsoberhaupt wechseln zu können. Wird dabei die ungeliebte Fusion ein Thema sein? "Wenn wir gefragt werden, sind wir nicht zu bange, darüber zu reden", sagt Horst Kolitsch. Übrigens ist auch Mathilde Weinandy, Stadtbürgermeisterin von Prüm, nach Berlin zum Empfang beim Bundespräsidenten eingeladen.Extra

Der Tag des Grundgesetzes ist der Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 und findet 2016 am 23. Mai statt. Für diesen Tag lädt Bundespräsident Joachim Gauck nach Mitteilung der Pressestelle des Bundespräsidialamts rund 700 Bürgermeister und andere Kommunalpolitiker aus allen Bundesländern nach Berlin ein. Viele sind bei Besuchen des Bundespräsidenten eingeladen worden, ansonsten machen die Staatskanzleien der Länder dem Bundespräsidialamt Vorschläge. sts

Mehr von Volksfreund