Regionalplanentwurf: Vulkaneifel-Steinbrüche könnten auf bis zu 2000 Hektar Fläche ausgeweitet werden

Daun/Gerolstein/Trier · Der Entwurf für den künftigen Gesteinsabbau im Kreis Vulkaneifel sieht eine deutliche Erweiterung der Abbauflächen vor. Derzeit wird auf rund 400 Hektar gebaggert, künftig können es 2022 Hektar werden. Die Naturschutzverbände kündigen - obwohl einige markante Vulkanberge verschont bleiben - angesichts des Umfangs und weiterhin bedrohter Berge Widerstand an.



Groß war der Aufschrei bei Naturschutzverbänden, Bürgern und auch etlichen Kommunalpolitiker, als das Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) 2010 ihre Vorstellungen dargelegt hat, wo und in welchem Umfang sie künftig Gesteinsabbau im Kreis Vulkaneifel vorsieht.

Die Flächen sollten von derzeit 400 Hektar, auf denen bereits gebaggert wird, auf rund 2600 Hektar ausgeweitet werden. Betroffen waren nach diesem Vorschlag etliche markante Vulkanberge sowie Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete. Auf die breite Empörung folgte Beschwichtigung vonseiten des LGB, aber auch der Planungsgemeinschaft Region Trier: Es werde nicht überall sofort mit der Ausbeutung begonnen, sondern es gehe um eine langfristige Planung. Und, so das Argument der Planer, nicht alle vorgeschlagenen Gebiete würden auch als Rohstoffflächen ausgewiesen.

Aber sehr viele von ihnen, wie der Entwurf nun zeigt: Insgesamt 2022 Hektar sind zugunsten der Rohstoffsicherung vorgesehen, heißt es von der Pressestelle der Planungsgemeinschaft. Die weist aber auch darauf hin, dass im derzeit noch geltenden Raumordnungsplan im Landkreis Vulkaneifel bereits 1855 Hektar für die Rohstoffsicherung vorgesehen waren - und nicht nur 400 Hektar, wie von den Naturschutzverbänden angegeben.

"Die in der öffentlichen Diskussion in der Vulkaneifel befürchtete Vervielfachung von Abbauflächen wird insoweit durch die Regionalplanung nicht gestützt", sagt Pressesprecher Thomas Müller. Vielmehr erfolge "nur eine geringfügige Ausdehnung der Rohstoffsicherungsflächen". Um 167 Hektar.

Diese Aussage bringt Hans-Peter Felten, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Dauner Naturschutzverbände, dem sechs Organisationen vom Nabu bis zum Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz angehören, auf die Palme. Er sagt: "Wir sind stets von den 400 Hektar ausgegangen, auf denen im Kreis bereits gebaggert wird, und sind weiter der Meinung, dass es reicht, dort zu erweitern, damit der Bedarf gedeckt wird." Neue Gebiete seien nicht erforderlich.

Vor allem komme es nicht auf die Quantität, sondern die Qualität an, meint Felten: "Es sind weiterhin markante Vulkanberge sowie Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler vom Abbau bedroht. Das nehmen wir nicht hin."
Diese Auffassung der Arbeitsgemeinschaft Dauner Naturschutzverbände wird laut Felten auch von der Oberen Naturschutzbehörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) gestützt. Felten: "Die SGD hat ganz klar den Erhalt der markanten Vulkanberge als Ziel für die Vulkaneifel ausgegeben."

Zudem kritisiert er scharf, dass auch neue Gruben vorgesehen sind: "Das steht in krassem Widerspruch zur Kreistagsresolution, nach der keine neuen Abbaugebiete ausgewiesen werden sollen."

Es gibt für ihn aber auch positive Aspekte im nun vorgelegten Entwurf. "Natürlich freut uns, dass einige Gebiete verkleinert, andere wiederum ganz herausgenommen wurden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Entwurf nach wie vor völlig überzogen ist. So werden wir ihn nie akzeptieren."Meinung

Widerstand ist programmiert
Rein formal könnte man sagen (und das tut die Planungsgemeinschaft ja auch): Die Ausweitung des Gesteinsabbaus im Kreis im neuen Regionalplan-entwurf ist moderat. Sie soll gerade einmal um 167 Hektar ausgeweitet werden - von 1855 Hektar auf künftig auf 2022 Hektar. Das entspricht immerhin rund 2100 Fußballfeldern. Doch die Realität sieht anders aus. Derzeit wird nicht auf 1855 Hektar gebaggert und gebuddelt, sondern auf rund 400 Hektar. Und viel mehr wollen viele Menschen des Kreises und auch zahlreiche Kommunalpolitiker nicht. Das zeigen die bisherigen Proteste und die Beschlüsse unter anderem des Kreistags. Vor allem sollen keine zusätzlichen Vulkanberge verschwinden, sondern wenn, dann vorhandene Gruben erweitert werden. Und es sollen Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete unangetastet bleiben. Kurzum: Die Vulkaneifel soll ihren Charakter behalten. All dies ist im aktuellen Planentwurf kaum berücksichtigt. Bis auf gut ein Dutzend Stellen, wo geplante Gebiete gestrichen oder verkleinert wurden, spiegelt er im Großen und Ganzen die Vorstellungen des Landesamts für Geologie und Bergbau wider. Da ist breiter Widerstand programmiert. m.huebner@volksfreund.deExtra

Die Pressestelle der Planungsgemeinschaft skizziert den weiteren Zeitplan: Derzeit wird das Anhörungsverfahren mit öffentlicher Auslegung für den neuen Raumordnungsplan vorbereitet. Das Verfahren soll bis Anfang März starten. Drei Monate haben dann Behörden, Kommunen, sonstige öffentliche Stellen, Institutionen und Bürger die Möglichkeit, Anregungen zum Planentwurf vorzutragen. Diese werden von der Planungsgemeinschaft geprüft und entweder berücksichtigt oder verworfen. Anschließend wird diese überarbeitete Version der obersten Landesplanungsbehörde zur Genehmigung vorgelegt. Das wird frühestens im Herbst sein, ein Inkrafttreten des Plans ist demnach frühestens zum Jahreswechsel 2014/2015 denkbar. Dieser Ablauf kann sich aber noch deutlich verzögern: erstens, wenn es zu signifikanten Änderungen kommt (eventuell wird dann ein zweites Anhörungsverfahren notwendig) und zweitens durch die Kommunalwahl im Mai. Denn in deren Folge sind auch die Gremien der Planungsgemeinschaft neu zu konstituieren. mh