Reinhold Klee nimmt Abschied von der Dirigententätigkeit beim MV Darscheid

Menschen : Musik gibt nicht mehr den Takt vor

Abschied von der Dirigententätigkeit und dem Musikverein Darscheid: Der Hupperather Reinhold Klee tritt aus Zeitgründen zurück. Die Nachfolge ist geregelt.

Er ist seit mehr als 30 Jahren Dirigent, nun ist aber für Reinhold (Reini) Klee Schluss: Der 50-Jährige legt am Samstag nach dem Abschiedskonzert in Darscheid den Taktstock nieder. Das Besondere an diesem Auftritt ist, dass die Stücke nicht vom Dirigenten selbst ausgewählt wurden, sondern das Publikum zwischen 40 Liedern entscheiden konnte.

Was gespielt wird, bleibt spannend, nur so viel wird verraten: Bei dem Motto „Hitparade“ wird es rockig! Denn Reini selbst ist Rockfan. Über Queen, Bon Jovi und Deep Purple war in der Vergangenheit bei den Konzerten des MV Darscheid alles dabei. Aber auch Zuschauer, die mit Rockmusik nichts anfangen können, haben ihren Spaß. Denn natürlich werden auch klassische und populäre Stücke gespielt – quasi querbeet von Beethoven bis Westernhagen. Das Konzert steigt am Samstag in der Lehwaldhalle in Darscheid. Um den MV muss sich dennoch niemand Sorgen machen: Für die Nachfolge ist gesorgt. Wer sie jedoch antritt, wird erst morgen verraten.

Vor sage und schreibe 40 (!) Jahren hat er mit der Musik angefangen und ist als Zehnjähriger in den Musikverein Hupperath bei Wittlich eingetreten. Dort, wo er heute noch wohnt. Sein Instrument damals: die Trompete. In seine Tätigkeit als Dirigent sei er „einfach so reingerutscht“, sagt er. Zuerst als Leiter des Jugendorchesters und später im Musikverein Hupperath fand er schnell Gefallen am Dirigieren.

Und weshalb hört er auf, wo doch die Musik ein großer Teil seines Lebens geworden ist? Darauf antwortet der 50-Jährige, der von Beruf selbstständiger Physiotherapeut ist und im vergangenen Jahr geheiratet hat: „Mir fehlt einfach die Zeit, mein Hobby mit meiner Familie und meinem Job unter einen Hut zu bringen.“ Seine Kollegen im MV Darscheid hätten für seine Entscheidung vollstes Verständnis, sagt er.

Denn Dirigieren, das betont der Vollblutmusiker, bedeute deutlich mehr, als mit einem Orchester zu proben und während des Konzerts ein wenig mit dem Stock zu wedeln. Das Zeitraubendste an der Arbeit sei vor allem die Vorbereitung. Zunächst müssen Lieder ausgewählt werden, wobei sich Reini von niemandem reinreden lässt. Durch seine langjährige Erfahrungen wisse er, was beim Publikum gut ankomme und was für das Orchester spielbar sei. Danach müssten die Lieder für jedes Instrument vorbereitet werden, was ebenfalls Aufgabe des Dirigenten sei.

Und dann eben die Konzerte. Die sind vor allem bei befreundeten Vereinen, aber auch beim Martinszug und dem Backfest in Darscheid. Da kommen schon mal 20 Auftritte pro Jahr zusammen. Rechnet man noch die Proben, die Probewochenenden und die Vorbereitungszeit mit ein, kommt man auf einen immensen Zeitaufwand.

Daher wird er nun hinter dem Dirigentenpult hervortreten – und vor allem für sich selbst Musik machen. Genervt ist zuhause übrigens niemand, und das betont er deutlich, wenn er mal wieder lauthals Trompete oder Tenorhorn übt. „Meine ganze Familie ist musikalisch veranlagt und Mitglied im Musikverein.“

Reini Klee gibt nach 30 Jahren den Taktstock ab und musiziert künftig nur noch privat. Am Samstag ist sein Abschiedskonzert mit dem MV Darscheid. Foto: TV/Paula Hübner

Das Abschiedskonzert für und mit Reini Klee ist am Samstag, 7. September, um 20 Uhr in der Lehwaldhalle. Der Eintritt ist frei.

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