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Reit- und Fahrverein verlässt mach 63 Jahren Daun

Freizeit : Umzug mit Ross und Reiter

Mit dem Reit- und Fahrverein (RuFV) verlässt nach 63 Jahren ein renommierter Verein Daun und zieht nach Leienkaul (Landkreis Cochem-Zell) und Demerath um. „Weil es für uns im Grafenwald keine Perspektive mehr gab“, sagt die Vorsitzende Vera Maas-Lehmberg.

Das ist Idylle pur an diesem traumhaften Frühsommertag: Am Ortsrand von Demerath grasen „Cosi“ und „Grandeur“ unterhalb einer Scheune mit Offenstall und Paddock auf einer satten Weide mit Bachlauf. Hinter den beiden Pferden liegt ein vierstündiger Ritt durch die Vulkaneifel. Vera Maas-Lehmberg und Charlotte Maas vom RuFV haben die 17 Kilometer vom Grafenwald im Dauner Stadtteil Gemünden bis zu dem Demerather Bauernhof, der Claudia und Michael Faßbender gehört, mit ihnen zurückgelegt. Tags zuvor hatte es eine ähnliche Überführung gegeben; da waren „Santino“ und „Gin“ mit dem Pferdetransporter zu der von der Familie May betriebenen Reitanlage „Maria Schacht“ nach Leienkaul im Nachbarlandkreis Cochem-Zell gebracht worden.

Idylle pur? „Was das Anwesen hier in Demerath und die Reitanlage in Leienkaul angeht, sind wir absolut froh und sehr zufrieden“, erklärt Vera Maas-Lehmberg. Doch bedeute das Verlassen des seit mehr als drei Jahrzehnten angestammten Sitzes im Grafenwald und damit auch das Verlassen der Kreisstadt Daun nach mehr als 60 Jahren eine große Veränderung für den RuFV, räumt die langjährige Vorsitzende ein.

Das Thema beschäftige Vorstand (siehe Info) und Mitglieder schon eine geraume Zeit, sagt sie. Denn nach einem Besitzerwechsel habe sich in den vergangenen Jahren die Atmosphäre in der Dauner Reitanlage so verändert, dass es letztlich nicht mehr mit den kinder- und familienfreundlichen Grundsätzen des RuFV vereinbar gewesen sei.

Als Beispiel nennt die Vorsitzende, dass Eltern auf Distanz gehalten worden seien und nicht mehr so am Vereinsleben hätten teilnehmen können, wie sie es gewohnt waren und vom Verein auch erwünscht. Auch sei der Hallenboden in bedenklichem Zustand gewesen.

Als die Besitzer der Reitanlage schließlich dem RuFV den Hallennutzungsvertrag (der bedeutet, dass dem RuFV die Halle gegen Gebühr exklusiv neun Stunden pro Woche zum Voltigieren zur Verfügung steht) zum 30. Juni kündigten, zog auch der Verein die Reißleine und kündigte zum 31. Mai die Boxenmietverträge, in denen Kost und Logis für die Pferde geregelt sind.

Mit großer Unterstützung von Vereinsmitgliedern sei der Umzug der Pferde und des gesamten Equipments wie Voltigierturnpferde, Sättel, Gurte, Decken, Spezialfutter, Kücheneinrichtung je zur Hälfte nach Demerath und Leienkaul gebracht worden, lobt Vera Maas-Lehmberg ihre „Truppe“.

Was sie auch noch freut: „dass wir wegen des Umzugs kein einziges Mitglied verloren haben.“ Von Anfang an habe sie Wert auf absolute Transparenz im Vorstand und unter den Mitgliedern gelegt, betont sie. Und meint: „Das hat sich gelohnt.“

Ende gut, alles gut? Noch nicht ganz. Die Unterbringung bei Faßbenders in Demerath sei zwar perfekt, aber nur eine Übergangslösung, bis in Leienkaul die neue Longier- und Voltigierhalle fertig sei. Das soll noch im Laufe dieses Jahres der Fall sein. Und dann - da ist sich Vera Maas-Lehmberg sicher - wird auch der Umzug von „Cosi“ und „Grandeur“ von Demerath nach Leienkaul wieder sehr gut funktionieren.

Tatsächlich hätten die Ansprüche des RuFV und ihr eigenes Konzept auf Dauer nicht zusammengepasst, erklärt Andrea Diederich von der Reitsportgemeinschaft Diederich als Besitzerin der Reitanlage (siehe Hintergrund) auf Anfrage unserer Zeitung. Das Reiten sei ihr Schwerpunkt, Erwachsene seien ihr Hauptklientel. „Es tut mir leid, aber das ließ sich mit der häufig zahlreichen Anwesenheit von Kindern und Familienmitgliedern nicht vereinbaren“, sagt Andrea Diederich.