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Rendezvous-System bringt Sicherheit

 Rettungsassistent Christoph Bäcker (Zweiter von links) erklärt die medizinische Ausstattung des Rettungswagens und zeigt den Einsatz des Herz-Defibrillators an Helmut Pfeiffer (rechts).Foto: Gabi Vogelsberg
Rettungsassistent Christoph Bäcker (Zweiter von links) erklärt die medizinische Ausstattung des Rettungswagens und zeigt den Einsatz des Herz-Defibrillators an Helmut Pfeiffer (rechts).Foto: Gabi Vogelsberg
GEROLSTEIN. (vog) Etwa zwei Mal täglich rückt der Notarztwagen der Gerolsteiner DRK-Rettungswache aus. 40 Prozent der Notfallpatienten sind Senioren. Der Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Gerolstein spendet 800 Euro für ein neues Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF), das im April geliefert werden soll.

"In den vergangenen zwei Stunden mussten wir zwei Mal raus", sagt Wachenleiter Toni Schüßler, als Mitglieder des Seniorenbeirates die Gerolsteiner Rettungswache besuchen. Gemeinsam mit Rettungsassistent Christoph Bäcker nehmen die Besucher das NEF genau in Augenschein. "Es hat die gleiche medizinische Ausstattung wie der Krankenwagen. Der hat nur noch zusätzlich die Liege für den Krankentransport", erklärt Schüßler. Gerd A. Hommelsen, Geschäftsführer DRK-Rettungsdienst Eifel-Mosel-Hünsruck, ergänzt: "In Rheinland-Pfalz haben wir fast überall das so genannte Rendezvous-System, also ein NEF und einen Rettungswagen pro Wache." Die Senioren erfahren, dass das NEF im Notfall schneller vor Ort sein kann und stets mit einem Notarzt aus dem Krankenhaus besetzt ist. Manchmal lassen sich in Gerolstein auch niedergelassene Ärzte für den Dienst im NEF einteilen. Schüßler erläutert weitere Vorteile des "Rendezvous-Systems": "Wird der Notarzt am Einsatzort nicht mehr gebraucht, kann er schnell zum nächsten Einsatz fahren. Wäre nur der Rettungswagen im Einsatz, wäre der Notarzt bis zur Einlieferung ins Krankenhaus gebunden." Hommelsen versichert: "Im Rettungswagen ist immer ein Rettungsassistent. Das ist seit fünf Jahren ein staatlich anerkannter Lehrberuf mit zwei Jahren Ausbildungszeit." Die Gerolsteiner DRK-Rettungswache ist rund um die Uhr besetzt. Zum Team gehören sieben haupt- und neun ehrenamtliche Einsatzkräfte sowie drei Auszubildende. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter dauert dreieinhalb Monate und wird oft von Zivildienstleistenden absolviert. Die Gerolsteiner Rettungswache istviel gefragt. Seit dem Einsatz des derzeitigen NEF Ende Oktober 1999 wurde es bisher mehr als 3000 Mal angefordert und legte mehr als 32000 Kilometer zurück. Das neue NEF soll im April geliefert werden und kostet 35000 Euro ohne elektro-medizinische Ausstattung. Die Kostenträger übernehmen 31000 Euro. 800 Euro (erwirtschaftet aus dem Weihnachtskuchen-Verkauf) steuert der Seniorenbeirat bei. Vorsitzender Karlheinz Knobloch: "Das Geld ist gut angelegt für die gesamte Bevölkerung." Helmut Pfeiffer ergänzt: "Schließlich wollen wir sicher sein, dass wir Tag und Nacht den Rettungsdienst beanspruchen können." Während Agnes Mertes glaubt, dass die meisten Notfallpatienten wohl Senioren seien, korrigiert Schüßler die Vermutung: "Etwa 40 Prozent der Notfälle sind Senioren." Im vergangenen Jahr wurde das NEF in Gerolstein 455 Mal angefordert. In der Region Trier waren es insgesamt 135 000 Einsätze. Karl Juntermanns fragt nach: "Können Krankenhäuser eigentlich die Aufnahme verweigern? Kann ich selbst bestimmen, in welches Krankenhaus ich gebracht werde?" Hommelsen antwortet: "An erster Stelle steht der Wille des Patienten. Ist der Notarzt aber anderer Meinung, weil beispielsweise ein weiterer Weg zu gefährlich sei, zählt dessen Wille." Die Aufnahmeverweigerung in Krankenhäusern komme nur dann vor, wenn Intensivstationen belegt seien. In der Leitstelle Trier würde ein Bettennachweis geführt. So sei beispielsweise bei vielen Brandverletzten rasch klar, welche Spezialklinik in Koblenz, Ludwigshafen oder Mainz noch Patienten aufnehmen könne.TIPPS FÜR DEN NOTFALL: Rettungsassistent Bäcker und Wachenleiter Schüßler geben abschließend den Senioren noch ein paar Tipps für den Notfall: Zuerst den Notruf unter 19222 oder 112 absetzen. Angaben über Ort, Straße, Anzahl der Verletzten und Art des Notfalls machen. Erste Hilfe bei Oberschenkelhalsbruch: Den Verletzten so lagern, wie er die wenigstens Schmerzen verspürt. Warm halten. Erste Hilfe bei akuten Herzattacken: Ruhe bewahren, den Kranken behutsam betreuen. Das NEF und der Rettungswagen sind mit Herz-Defibrillatoren ausgerüstet, um mit Elektroschocks effektive erste Hilfe zu leisten. Das teure Medikament "Lyse" (fünf Milliliter kosten 1200 Euro) haben die DRK-ler nicht dabei (der TV berichtete). Rettungsassistent Bäcker: "Bevor wir alle Diagnose-Untersuchungen ausgeführt haben, um es verabreichen zu dürfen, sind wir lange im Krankenhaus. Das Präparat ist unter bestimmten Bedingungen nicht ungefährlich."