Porträt Eine Eifelerin und ihre Leidenschaft für die Kelten

STEINEBERG · Warum Sabine Koch aus Steineberg die Geschichte des Volksstamms für sich entdeckt und zu ihrem Lieblingshobby erklärt hat.

Sabine Koch in voller Keltenkleidung. Alles hat sie nach ausgiebigen Recherchen selbst genäht.

Sabine Koch in voller Keltenkleidung. Alles hat sie nach ausgiebigen Recherchen selbst genäht.

Foto: tv/BERND SCHLIMPEN

Als Nebenberuf gibt Sabine Koch aus Steineberg „Weberin in Heimarbeit“ an. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich nämlich intensiv mit dem Leben der Kelten. Zu diesem Hobby ist sie gekommen, als sie sich vor drei Jahren für einen Autorenkurs das Thema Kelten aussuchte und im Keltendorf Otzenhausen im Saarland ausgiebige Recherchen über diese Volksgruppe anstellte. Im Februar 2020 nahm sie an einem Kurs teil, in dem ihre keltischen Schuhe aus Rindsleder entstanden. Sie war von ihren neuen Erfahrungen so begeistert, dass sie sich entschied, Vereinsmitglied der „Hochwaldkelten“ in Otzenhausen zu werden.

Sie erklärt: „Die Keltenfrauen trugen ein Leinenunterkleid, darüber ein Peplos, der mit schmucken Gewandnadeln befestigt wurde. Bei Kälte wurde zusätzlich ein Rechteckmantel übergeworfen.“ Selbst hergestellter, vielfältiger Schmuck wird auch getragen. Diese Kleidungsstücke näht sie nun selbst – aus Wolle, die mit einer Spindel gesponnen wurde. „Die Wolle wurde anschließend gefärbt mit Naturfarben aus Birke, Färberkamille, Krapp, das für rote Farben sorgte, oder Färberwaid, das blaue Töne hervorbrachte“,erklärt sie. Denn: „Die Kelten liebten bunte, leuchtende Farben. Sie verarbeiteten die Wolle mit einem Gewichtswebstuhl weiter und nähten Kleider, Gürtel, Mützen, sogar Socken oder Frauenschleier in Handarbeit. Die Männer trugen eine Tunika und Hosen.“

Koch weiß auch viel über die keltische Kochkunst. So sei Salz den Kelten kostbarer als Gold gewesen, da man damit Fleisch konservieren konnte. Zum Kochen hätten sie meist Dinkel, aber auch Gerste und Hirse verwendet.

Koch: „Es gab Leindotteröl, als Gewürze waren Wildkräuter beliebt, unter anderem Brennnessel, Thymian, Beifuß oder Löwenzahn. Und ich koche mit den anderen keltischen Frauen an der Kochstelle in unserem ,Hochwaldkeltendorf Otzenhausen’.“ Gut informiert hat sie sich in Otzenhausen, aber sie hat auch Fachliteratur gelesen, um sie sich weiterzubilden.

Etwa 40 Keltenfans reisen jeden ersten Samstag im Monat zu einem „Belebungstag“ ins Keltendorf nach Otzenhausen. Alle erscheinen in keltischen Gewändern und zeigen ihr Handwerk, brauen Bier, schmieden, brennen Glasperlen oder backen Dinkelvollkornbrot für die verschworene Gemeinschaft. Durch die authentisch nachgebauten Lehmhäuser ist hier ein echtes Dorf entstanden. Zweimal im Jahr – an einem Wochenende –  gibt es ein Kelten-Römer-Treffen. Dann übernachtet Koch in einer Getreidekammer mit hochhängenden Kornsäcken. Und der aus Steineberg mit angereiste Hund Coco hält an der Haustür Wache.

„An Abwechslung fehlt es nicht bei unseren Keltentagen in Otzenhausen“, sagt die 55-Jährige. Gäste und Zuschauer seien stets willkommen. „Sehr viele Interessenten und Neugierige kommen bei freiem Eintritt in unser Dorf und hinterlassen auch manche Spenden. Für sie stehen Getränke bereit.“

Hat Sabine Koch noch einen Wunsch oder Plan für die Zukunft? „Ich versuche, auch meine Mitbürger in Steineberg für ein Keltendorf zu begeistern. Denn hier kann man echte, wertvolle Gemeinschaft leben und gemeinsam Sinnvolles unternehmen. Sicherlich würden viele Besucher kommen, zumal die Vulkano-Aussichtsplattform momentan leider gesperrt ist. Steineberg hätte etwas Neues zu bieten, das sicherlich nicht oft anzutreffen ist“, meint Sabine Koch.