Sammelfieber und Wut im Bauch

Sammelfieber und Wut im Bauch

Hoffen und ärgern: Während im Hillesheimer Rathaus täglich auf eine positive Nachricht aus Berlin und damit die zweijährige Verlängerung des "Karla"-Gesundheitsprojekts für Kinder gewartet wird, weist Projektleiterin Karin Pinn die erneut aufgebrandete Kritik am Projekt durch die CDU als "Wahlkampf" sowie "Miesmacherei" deutlich zurück.

Hillesheim. Seit Januar 2007 läuft das Projekt "Karla, die rote Kirsche" in der Verbandsgemeinde Hillesheim. Unzählige Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter haben zwischenzeitlich bei einem oder mehreren der zahlreichen Ernährungs- und Bewegungskurse mitgemacht - und meist viel Spaß dabei gehabt.

Nicht nur Spaß, sondern auch Ärger hat die Projektorganisation hingegen mit sich gebracht. So wurde Bürgermeisterin Heike Bohn, die das Vorhaben und damit die 300 000 Euro Fördergeld "an Land gezogen hat", schon anfangs mit dem Vorwurf konfrontiert, sie habe Verträge ohne vorherige Absprache mit dem Verbandsgemeinderat abgeschlossen. Bis heute hat die CDU stets Kritik wegen der "Karla" geübt. Mal weil Absprachen nicht getätigt oder eingehalten worden seien, mal weil ihr die Honorierung der Fachkräfte zu hoch erscheint und mal weil zu viel Geld für Personal und zu wenig für bleibende Einrichtungen ausgegeben werde. Während Bürgermeisterin Bohn die aktuellen Angriffe als "absolut haltlos" zurückwies (der TV berichtete), wehrt sich nun auch Projektleiterin Karin Pinn. Sie sieht darin vor allem "Wahlkampf", "Miesmacherei" und eine "Herabwürdigung des gesamten Projekts".

Zudem regt sie sich darüber auf, dass die Kritiker "zwar permanent auf dem Geld rumreiten und mein Gehalt in der Öffentlichkeit diskutieren, sich aber noch nie jemand von ihnen bei mir darüber erkundigt hat, wie das Projekt läuft und welche Erfolge wir bereits erzielt haben".

Das "Karla"-Projekt ist eines von 24 Vorhaben, die sich bei einem bundesweiten Wettbewerb unter 490 Teilnehmern durchgesetzt haben. Unter dem Motto "Besser essen - mehr bewegen" sollen Strategien erarbeitet werden, wie Übergewicht und motorischen Defiziten bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter vorgebeugt werden kann. Dafür wurde das auf drei Jahre angelegte "Karla"-Projekt in der Verbandsgemeinde Hillesheim - das einzige in Rheinland-Pfalz - vom Bund mit rund 300 000 Euro ausgestattet. Hintergrund sind die hohen Folgekosten für Krankenkassen und Gesellschaft, die durch Dickleibigkeit und motorische Schäden entstehen.

Bei dem Projekt werden Kinder spielerisch an gesündere Ernährung herangeführt, zudem soll ihnen Spaß an Sport und neuen Bewegungsangeboten vermittelt werden. Wer bei einzelnen Aktionen mitmacht, bekommt einen Karla-Aufkleber. Mittlerweile ist ein richtiges Sammelfieber ausgebrochen. Sämtliche Aktionen werden dokumentiert sowie wissenschaftlich betreut und ausgewertet. Demnächst steht die Entscheidung über die zweijährige Verlängerung an. Interview Seite 13