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Schadensermittlung in Daun, Gerolstein, Hillesheim nach Hochwasser

Hochwasser : Wo nun zuerst angepackt wird

In den Gemeinden versucht man sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was das Hochwasser angerichtet hat. Klar ist: Die Beseitigung der Schäden wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Wenige Tage nachdem das Hochwasser vor allem in der VG Gerolstein große Schäden angerichtet hat, geht es nun darum, „dass sich die Gemeinden und die Verwaltung einen Überblick über die Schäden an öffentlichem Eigentum beziehungsweise an kommunalen Einrichtungen verschaffen, versicherungstechnische Fragen klären und – wo möglich – schnelle Ersatzbeschaffungen beziehungsweise  Reparaturen veranlassen“, heißt es auf TV-Anfrage aus dem Rathaus in Gerolstein.

So sieht die grobe Schadensbilanz bei den öffentlichen Einrichtungen in der VG Gerolstein aktuell aus: Einige Feuerwehrfahrzeuge und Pumpen wurden zerstört beziehungsweise stark beschädigt. Mehrere Feuerwehrgerätehäuser standen unter Wasser, ebenso ein Block des Realschulgebäudes in Hillesheim. Die Keller oder Untergeschosse der Rathäuser in Gerolstein und Jünkerath und des Bahnhofsgebäudes in Gerolstein standen vollständig unter Wasser. Dadurch wurden die IT- und die Telefonanlage beschädigt. Der Damm am Stausee in Stadtkyll ist gebrochen, Stützmauern entlang der Wirft wurden weggerissen. Die Radwege entlang von Flüssen und Bächen (wie der Kyll-Radweg und der Kalkeifel-Radweg) sind aktuell nicht befahrbar, weil Brücken und Teile der Radwege weggerissen oder beschädigt wurden. Der Eifelsteig wurde ebenfalls gesperrt.

Aber: Die Wasserversorgung in der VG Gerolstein steht aktuell – trotz einiger Rohrbrüche und dem zeitweisen Ausfall eines größeren Hochbehälters.

Aus dem Rathaus heißt es weiter: „Wir sind sehr dankbar, dass in den vergangenen Tagen sehr spontan und intuitiv vieles organisiert und erledigt wurde. Ein großer Dank gilt allen Hilfsorganisationen und allen freiwilligen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz für ihre Nachbarn und für ihre Gemeinden. Große Anerkennung gebührt auch den Stadt- und Ortsbürgermeistern und Ortsvorstehern, die die Arbeiten und Hilfsaktionen vor Ort koordinieren und viele Dinge kurzerhand und unabhängig  von ,Zuständigkeitsfragen’ improvisieren müssen.“

Seit Freitag steht im Vordergrund, zusammen mit den Gemeinden die Entsorgung der riesigen Müllmengen zu organisieren. An der Stelle sei die schnelle und unkomplizierte Unterstützung durch die A.R.T. hervorzuheben sowie den Firmen und Helfern zu danken, die mitgeholfen haben.

In den Städten und Gemeinden hat es nach Auskunft der Verwaltung nun Priorität, die Schäden an den vielen Straßen und Brücken zu beheben. Doch allein das werde sich vermutlich über  viele Wochen und Monate erstrecken. Und dann gibt es noch zahlreiche kaputte Wald- und Wirtschaftswege sowie Grünanlagen.

Aktuell würden sich Feuerwehrleute und Helfer darum kümmern, Brücken, Vorfluter und Schächte  freizumachen und die große Anzahl an Straßeneinlaufschächten zu leeren und zu reinigen. Da entsprechende Firmen aktuell dafür kaum zur Verfügung stehen.

In Gerolstein ist Stadtbürgermeister Uwe Schneider (SPD) derzeit „bei betroffenen Privat- und Geschäftsleuten sowie in den Stadtteilen unterwegs, um mir einen Überblick über das Ausmaß der Schäden zu verschaffen, zuzuhören, Trost zu spenden und, falls irgendwie möglich, Hilfsangebote zu vermitteln“.

In Hillesheim hat, wie erst jetzt bekannt wird, das Hochwasser nicht nur im Seniorenheim, sondern auch in den beiden Hotels, im Augustinerkloster und im Krimihotel, enorme Schäden angerichtet. Beide Keller standen komplett unter Wasser, bis zur vorletzten Stufe vor dem Erdgeschoss ging der Pegel der braunen Brühe im Augustinerkloster. Die Folge: Das Schwimmbad, die Sauna, der Wellnessbereich, die gesamte Haustechnik, das Materiallager, der Aufzugsschacht, die Konferenzräume und auch der Frühstücksraum, der im Erdgeschoss etwas tiefer liegt, sind komplett zerstört. Hoteldirektor Ruud Zillig sagt: „Es ist alles kaputt. Das Einzige, über das ich mich noch freuen kann, ist: Es gab keine Toten, es wurde niemand verletzt, Feuerwehr und THW haben toll geholfen.“

Denn: Nach insgesamt zwölf Monaten coronabedingter Schließung war das Hotel erstmals wieder annähernd ausgelastet: 54 der 57 Zimmer waren belegt. Am Mittwoch seien noch rasch einige wenige Gäste abgereist, für die anderen sei im Atrium Essen und Trinken bereitgestellt worden, danach seien sie auf ihre Zimmer in den oberen Geschossen geschickt worden, eine vierköpfige Wache habe die ganze Zeit auf die Situation während der Flutnacht aufgepasst. Donnerstag seien dann alle abgereist. Seither ist das Hotel, in dem der Strom abgestellt wurde und weder Telefon noch Internet funktionieren, geschlossen. Gleiches gilt für das benachbarte Krimihotel, dass ebenfalls von der Augustinerkloster GmbH gepachtet ist. Zillig: „Der Kontakt zur Versicherung wurde aufgenommen, wir haben unsere Lieferanten und auch die Gäste per Privathandys kontaktiert und auf die aktuelle Situation hingewiesen.“

Wie es weitergeht, wie der Keller  ausgeräumt, getrocknet und saniert werden kann, ob die Statik weiter in Ordnung ist, wann die Häuser wieder öffnen können – darauf hat er keine Antwort. Klar ist aber schon jetzt: Das ist weder eine Sache von Wochen, noch wird das mit einigen Zehntausenden Euro zu regeln sein. Zillig versucht dennoch, die Emotionen aus dem Spiel zu lassen, nach dem Motto: „Ruhe bewahren, Tunnelblick, funktionieren.“ Das gilt auch für einen vermeintlich heiklen Aspekt, auf den Zillig hinweist: „Unter dem Schwimmbad befindet sich noch ein vollgelaufener Keller und dort sind Chemikalien gelagert, unter anderem Chlor für das Bad. Wir haben diesbezüglich auch schon Kontakt mit den VG-Werken und einer Spezialfirma aufgenommen.“

Gerald Schmitz, Erster Beigeordneter der Stadt Hillesheim, sagt: „Der Ältestenrat des Stadtrats hat sich getroffen, um die durch das Hochwasser entstandenen Schäden aufzulisten. Da ist vor allem das der Stadt gehörende Hotel zu nennen, das stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Wir haben bereits mit der Hotelleitung gesprochen und sind so schnell wie möglich mit den Versicherungen in Kontakt getreten.“ Der Sportplatz sei geflutet, mehrere Straßen, wie der Schützenweg in Hillesheim und die Straße Im Auel in Bolsdorf, seien stark beschädigt worden. „In einer Größenordnung, dass da nichts auf die Schnelle zu reparieren ist. Es werden sehr umfangreiche Arbeiten nötig sein, deshalb bitten wir schon jetzt um Verständnis dafür, dass sich die Realisierung der Vorhaben lange hinziehen können.“

Zudem gelte es nun, die (bereits bekannten) Schwachstellen in Sachen Hochwasserschutz anzugehen. Schmitz: „Wir sind ja mit dem Förderprogramm Aktion Blau plus des Landes unterwegs, das nicht nur zur Aufwertung für die Stadt Vorteile mit sich bringt, sondern auch ein wichtiger Baustein der Hochwasserprävention werden soll.“ Vor einigen Wochen habe es eine entsprechende Begehung im Stadtgebiet gegeben, „eine zügige Umsetzung ist nun aktueller denn je.“ Schmitz dankt nochmal ausdrücklich der Feuerwehr, deren Einsatz in einer „schwierigen Situation Schlimmeres verhindert hat.“

Der Blick des Beigeordneten ging auch in den Nachbarkreis Ahrweiler, wo er viele Jahre gelebt und gearbeitet hat, „deshalb habe ich eine besondere Beziehung zu den Menschen dort.“ Und sagt: „Natürlich waren auch im Kreis Vulkaneifel viele betroffen, aber wenn man sieht, was im Kreis Ahrweiler geschehen ist, sind wir glimpflich davongekommen.“

So sieht es auch Landrätin Julia Gieseking: „Auch im Landkreis Vulkaneifel haben viele Menschen ihr komplettes Hab und Gut verloren. Das ist sehr schlimm und bedrückend. Trotz allem sind wir beim Anblick der schrecklichen Bilder und Nachrichten aus den Nachbarlandkreisen Ahrweiler und Euskirchen froh und dankbar, dass wir keine schwerwiegenden Personenschäden in unserem Kreis zu verzeichnen haben.“

Eine Bestandsaufnahme der Schäden ist auch in Daun angesagt. 2016 hatte ein Lieser-Hochwasser große Schäden in Betrieben im Industriegebiet Rengen und beim Getränkehersteller „Dauner & Dunaris Quellen“, verursacht, vergangene Woche seien Firmen zwar auch wieder in Mitleidenschaft gezogen worden, „aber nicht so massiv wie vor fünf Jahren“, berichtet Stadtbürgermeister  Friedhelm Marder. Schäden verursacht hat das Hochwasser auch an Wirtschafts- und Wanderwegen, „in Weiersbach ist ein Zugang zum Friedhof abgegangen.“

 Die Macht des Wassers: Teile des Radwegs am Industriegebiet Rengen sind unterspült worden.
Die Macht des Wassers: Teile des Radwegs am Industriegebiet Rengen sind unterspült worden. Foto: TV/Stephan Sartoris
 Im Keller nur noch Matsch, braune Brühe und alles kaputt: Das betrifft den Pool des Hotels Augustinerkloster, den Spa-Bereich und die Haustechnik. Im Krimihotel nebenan ist es ähnlich.
Im Keller nur noch Matsch, braune Brühe und alles kaputt: Das betrifft den Pool des Hotels Augustinerkloster, den Spa-Bereich und die Haustechnik. Im Krimihotel nebenan ist es ähnlich. Foto: TV/Mario Hübner
 Was vom Hochwasser übrig blieb: So wie hier auf dem Hutter-Parkplatz in Gerolstein sieht es vielerorts aus.
Was vom Hochwasser übrig blieb: So wie hier auf dem Hutter-Parkplatz in Gerolstein sieht es vielerorts aus. Foto: TV/Mario Hübner

Tiefe Gräben tun sich auf den Wegen im Kurpark auf, das Areal, das 2015 für eine halbe Million Euro auf Vordermann gebracht worden war, 2016 aber schon mal vom Hochwasser erwischt wurde. „Da ist sich der Stadtrat schon einig: Das packen wir mit dem Bauhof und maschineller Unterstützung so schnell wie möglich an“, kündigt Marder an.