Schafe hüten statt Mathe pauken
Gillenfeld · Um Pflanzen und Tiere geht es an einer Schule in der Vulkaneifel nicht nur im Sachkunde- und Biologieunterricht. Die Schule am Pulvermaar geht weiter. An der "essbaren Schule" können die Kinder im Garten arbeiten, kochen oder Schafe hüten - ein deutschlandweit einmaliges Projekt.
Gillenfeld. "Guck mal, hier ist noch eine!" Neugierig suchen die Schüler der Grund- und Realschule plus in Gillenfeld ihr Hochbeet ab. Die Erdbeeren sind reif - und begehrt. Schnell verschwinden die gefundenen Früchte in den Mündern. Die süße Belohnung haben sich die Schüler verdient. Schließlich ist alles, was in den zahlreichen Beeten wächst, von ihnen selbst angebaut worden.
Der Schule am Pulvermaar liegt ein deutschlandweit einzigartiges Konzept zugrunde. Sie nennt sich selbst "essbare Schule". Vor und hinter dem Schulgebäude haben die Schüler Beete und Gärten angelegt, die sie bei einem Besuch von Landesumweltministerin Ulrike Höfken selbstbewusst präsentieren. "Am Anfang haben wir gedacht, das hier wird jetzt eine Baumschule", erinnert sich Schülersprecher Felix Bernardi. "Aber inzwischen sind wir alle stolz!"
Neben dem Schmetterlingsgarten, dem Naschgarten mit Beeren, einer Kräuterspirale und einem Kürbisbeet, gibt es außerdem 25 Mini-Hochbeete, von denen die Ab-ins-Beet-AG zehn betreut. Die restlichen werden von den einzelnen Klassen gepflegt. Neben den erntereifen Erdbeeren wachsen hier Salat, Dill, Kohlrabi, Rote Bete, Tomaten, Petersilie oder Lauch. Das Gemüse ernten die Schüler selbst. Entweder wird es für das Mittagessen in der Mensa verwendet oder die Schüler der Hauswirtschaftskurse kochen damit.
Auf den Hängen oberhalb des Immerather Maars bringen die Schüler derweil ihre Schafsherde auf eine neue Weide. Dabei müssen sie gut auf die Tiere aufpassen, denn noch haben sie nicht genug Zaun, um mehrere Weiden einzuzäunen. "Wir müssen die Schafe auf die neue Weide bringen und dann schnell den alten Zaun abbauen, um die Lücken im neuen zu schließen", erklärt der betreuende Lehrer Mario Jehnen.
21 Mutterschafe, zehn Lämmer und drei Ziegen versorgen die Kinder in der Wunder-Maar-AG dreimal die Woche. Auch das Vorbereiten der Weidefläche gehört dazu: Zum Beispiel muss das Jakobskreuzkraut gerupft werden, das für die Tiere giftig ist. Die Schafe sollen das Gras kurz halten und vor einer Verbuschung schützen. Die Kinder und Jugendlichen sind nicht nur mit Begeisterung bei der Sache, sie sind sich auch der Verantwortung bewusst, die sie für die Schafe haben. "Man muss auch ernst bleiben, wenn man zum Beispiel den Zaun aufbaut", weiß Luca. "Wenn die Pfähle nicht richtig in der Erde stecken oder der Zaun schief ist, können sich die Schafe verletzen oder weglaufen."
Auch Jehnen beobachtet die positiven Effekte, die die Arbeit hat: "Die Älteren übernehmen hier Verantwortung für die Jüngeren."Meinung
Vorbild für kleine Schulen
Gerade einmal 250 Schüler hat die Schule am Pulvermaar. Ihr besonderes Konzept ist dennoch so einzigartig wie wichtig. Die Arbeit am gemeinsamen Garten fördert nicht nur Sozialkompetenzen. Sie lässt die Schüler auch erleben, dass Ausdauer und Konsequenz belohnt werden - hier mit eigenem Gemüse oder Obst. Sie lernen dabei nicht nur, wie es aussieht und schmeckt, sondern auch, was alles dazugehört, es anzupflanzen. Es ist ein außergewöhnliches Projekt, das Menschen braucht, die sich dafür einsetzen. Aber es kann auch eine Perspektive für andere kleine Schulen sein. c.libeaux@volksfreund.deExtra
Der Beginn: Seit November 2013 ist die Schule am Pulvermaar Deutschlands erste "essbare Schule". Die Idee: Der Einfall, die kleine Schule mit einem neuen Konzept fit für die Zukunft zu machen, stammt von GesundLand-Botschafterin Heike Boomgarden. Der Schulalltag: Kochen oder Arbeiten in Garten, Küche oder Atelier gehören zum Schulalltag. In der Wundermaar-AG kümmern sich derzeit 23 Schüler um die schuleigene Schaf- und Ziegenherde. Der Kooperationspartner: Als erste Natur- und Geopark-Schule Deutschlands kooperiert sie eng mit dem Natur- und Geopark Vulkaneifel und verpflichtet sich, Natur und Landschaft, Kultur und Handwerk sowie Land- und Forstwirtschaft regelmäßig im Unterricht oder auch in Exkursionen oder Projekttagen zu behandeln. cli/red