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Schalkenmehren: 100. Geburtstag von Gerda Ewertz

100. Geburtstag : Hundert Jahre Lebensreise ... haben Gerda Ewertz durch die Vulkaneifel und ins Saarland geführt

Gerda Ewertz aus Schalkenmehren ist in Daun geboren und aufgewachsen und hat auch in Manderscheid gewohnt. Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag – mit ihrem Ehemann Johann, drei Kindern, sechs Enkeln und drei Urenkeln.

„Ich wundere mich selbst, dass ich noch da bin“, sagt Gerda Ewertz aus Schalkenmehren, „trotz der schwierigen Umstände in meinem Leben“. Die Frau mit dem schneeweißen Haar wird heute, 7. Juni, 100 Jahre alt. Nichts Besonderes habe sie getan, um so alt zu werden. Zwar habe sie nie geraucht oder Alkohol getrunken und sei bis auf eine Blind­darm­operation nie krank gewesen: „Ich hatte keine Zeit, krank zu sein“.

Bis vor kurzem hat Gerda Ewertz sich auch noch um den Haushalt gekümmert, aber seit rund vier Wochen macht der Körper nicht mehr so mit – geistig ist die betagte Dame allerdings total fit. Sie sei sehr zufrieden mit der Arbeit der Caritas, die nun einmal wöchentlich eine Putzhilfe stellt und mit dem Roten Kreuz, dessen Mitarbeiter ihr morgens die Kompressionsstrümpfe anziehen und die Körperpflege übernehmen, auf die Gerda sehr viel Wert legt. Das Mittagessen kommt aus dem Hotel Schneider-Schild und um das Frühstück, das immer um Punkt 8.15 Uhr fertig ist, kümmert sich Ehemann Johann. Er ist mit 86 Jahren noch sehr agil, auch wenn eine Hüfte ihm Probleme bereitet. So weit ist alles geregelt.

Der Blick zurück in die Vergangenheit macht Gerda Ewertz allerdings recht wütend. In Daun geboren und aufgewachsen, musste sie nach dem Tod ihrer Mutter mit 14 Jahren ihrem Vater und Bruder den Haushalt führen. Sie lernte später einen Mann aus Manderscheid kennen, bekam 1943 mit 21 Jahren ein Kind von ihm, konnte ihn aber nicht heiraten. „Weil unter dem Hitler-Regime nur gesunde Menschen heiraten durften“, sagt Ewertz, ihr Freund war damals schon lungenkrank.

Als alleinstehende Frau mit einem Kind wurde das Leben in Daun unerträglich, zumal der Vater auch wieder geheiratet hatte. Eine Tante und Cousine in Saarbrücken nahmen sie auf. Aber Gerda wollte wieder in die Eifel zurück, weil sie sich aufgrund der häufigen Flieger­alarme nicht sicher fühlte. „Das war eine böse Zeit“, sagt sie. Allein wegen dieser Erinnerung möchte sie die heutigen Nachrichten aus der Ukraine nicht sehen.

Sie ging zurück, denn in der Zwischenzeit erfuhr sie, dass sie nun doch den Vater ihres Kindes heiraten konnte. Gerda zog dann nach Manderscheid, heiratete und war einige Jahre später wieder schwanger. Die Geburt des zweiten Kindes erlebte ihr Mann aber nicht mehr, er starb vorher. Um ihre Kinder zu versorgen, scheute sich die Mutter nicht, alle möglichen „Drecksarbeiten“ zu erledigen, wie sie erzählt. Dazu gehörte das Straßenkehren beim Doktor in Manderscheid und Putzen in verschiedenen Betrieben. „Die wussten, dass ich Geld brauchte und haben mich alle ausgenutzt“ – und das für 50 Pfennig in der Stunde. „Wenn ich dann in der Woche mal 40 Mark hatte, habe ich nur mal Bettwäsche oder sonstige Dinge für den Haushalt gekauft oder mit den Lebensmittel­karten das Nötigste für die Kinder.“ Schuhe und Kleidung habe sie von Verwandten bekommen.

Anfang der 1950er Jahre erfuhr sie wieder einmal, dass sich das moralische Denken nicht im Geringsten geändert hatte, nämlich als sie 1951 wieder schwanger wurde. Dem Vater des Kindes wurde aus dem Elternhaus heraus verboten, sie zu heiraten mit der Begründung: „Eine Witwe mit zwei kleinen Kindern heiratet man nicht.“ Das Blatt wendete sich erst Jahre später, als sie 1960 Johann Ewertz aus Rengen bei einem Kurkonzert in Daun kennenlernte. Schon ein Jahr später heirateten sie, die Ehe blieb kinderlos. „Das Schönste, was ich erlebt habe, war, als wir dieses Haus gekauft haben“, sagt das Geburtstagskind. Denn erst jetzt konnten sich die Beiden etwas aufbauen. Sie kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt, Johann war Maurer, der unter anderem auf Montage gutes Geld verdiente und seine Frau und die Kinder versorgte. Ein Wende­punkt trat ein. Gerda fühlte sich in Schalken­mehren wohl, traf sich mit anderen Frauen ihres Alters zum Schwimmen „am liebsten bei Michels im Schwimmbad“ und spielte auch Theater. Sie erinnert sich genau: „Es war das Stück ‚Der Pantoffelheld‘, in dem ich eine feine Dame spielte.“ Auch habe man sich mehrmals Urlaubsreisen leisten können, unter anderem mit dem Eifelverein.

Und nun im hohen Alter gönne sie sich auch schon mal ein Mittagsschläfchen. Und ganz wichtig: Seit 60 Jahren, „auch als ich noch schon in Manderscheid war“, liest sie nach dem Frühstück den Trierischen Volksfreund von vorne bis hinten. Bis vor einem Monat habe sie auch noch das Rätsel in der Zeitung täglich gelöst.

Zum heutigen Ehrentag haben sich auch die drei Kinder angemeldet, zwei Töchter und ein Sohn, heute im Alter zwischen 71 und 79 Jahren. Mit dabei auch sechs Enkel zwischen 42 und 55 Jahren und drei Urenkel im Alter von 23, 21 und eineinhalb Jahren. Und sicher warten noch einige Überraschungen auf Gerda Ewertz.