Dorfentwicklung: Schalkenmehren – Ein von der Natur gesegnetes Dorf

Dorfentwicklung : Schalkenmehren – Ein von der Natur gesegnetes Dorf

Erfolgsverwöhntes Schalkenmehren: Die Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Landesebene und den Sonderpreis Innenentwicklung hat der Ort schon eingeheimst, nun ist der Sonderpreis „Vorbildliche ökologische Leistungen in der Gemeinde“ hinzu gekommen.

„Ganz einfach Begeisterung ausstrahlen, dann reißt man auch andere mit, es ‚schwappt über‘“, lautet Peter Hartoghs ganz und gar nicht geheimes Rezept, um den vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium ausgelobten Sonderpreis für ökologische Leistungen zu ergattern.

Der Ortsbürgermeister von Schalkenmehren sagt das beschwingt und optimistisch, als ob es die leichteste Übung der Welt wäre. Dass es das nicht ist, weiß er allerdings auch selbst: „Wir arbeiten schon ganz viele Jahre daran. Und alle machen mit, auch die Gastronomen, der Jagdpächter, der Förster.“ Es gehe darum, sich so zu vernetzen, dass es die eigene Lebensqualität hebt und spürbar ist, was man von so viel Bürgersinn hat. „Da machen dann auch die Menschen im Neubaugebiet mit, es ist nicht zu bremsen.“

Das will auch niemand. Der Preis, den Umweltministerin Ulrike Höfken übergab, ist keiner, der mit kurzfristigen Maßnahmen erreichbar wäre. Eines der Bewerbungskriterien ist, dass sich die jeweilige Gemeinde bereits im Landesentscheid von „Unser Dorf hat Zukunft“ qualifiziert hat. Zielsetzung ist, dass ökologisches Denken und Handeln im öffentlichen wie im privaten Bereich gefördert werden. Das Preisgeld – im Falle von Schalkenmehren in Höhe von 2500 Euro – ist zweckgebunden für eine ökologische Aufwertung der Ortslage oder der Umgebung. „Wir werden wohl Fichten im Maarkessel durch höherwertige Bäume wie Wildkirschen oder Nussbäume ersetzen“, plant Hartogh.

Er zitierte bei der Preisverleihung den Theologen Karl Barth: die Überzeugung, „in einem Meer von Unsinn eine Insel der Vernunft“ sein zu sollen. „Ich denke, das sind wir“, so der Bürgermeister stolz. Es ist für das Maardorf zum Beispiel nichts Neues, bewusst einen naturverjüngenden Mischwaldbestand zu pflegen. Schon seit 1985 setzt die Gemeinde auf behutsame einzelstammweise Nutzung, Verzicht auf Insektizide und Herbizide, Biotopholzvermehrung und andere Maßnahmen.

Um der Ministerin den Erfolg zu zeigen, gab es eine Bustour durch die Gemeindewälder rund um Schalkenmehren. Mit von der Partie waren unter anderem die Menschen, die vor Ort die „Aktion blau“ und die „Aktion grün“ umsetzen. Nicht einmal die triefenden herbstlichen Nebel, die alles in tristes Grau tauchten, konnten den positiven Eindruck stören. „Neulich war ich im Westerwald“, verglich sie in ihrer Rede, „es war schockierend. Fünfzig Hektar große Kahlschläge wie dort habe ich sonst noch nie gesehen, aber der Bestand war nicht mehr zu retten. Hier ist es ganz anders.“ Das Gute aus ihrer Sicht: „Es gibt in Schalkenmehren auch eine gute wirtschaftliche Perspektive aus der Nutzung des Waldes.“ In der Tat konnte das noch vorhandene Fichtenholz rechtzeitig und noch mit Gewinn verkauft werden; der neu angepflanzte Wald trotzt dem Klimawandel und Schädlingen.

Aber bei der Auszeichnung geht es nicht allein um den Schutz des Waldes. Umweltbildung und ehrenamtliches Engagement gaben mit den Ausschlag. „Die Gemeinden spielen eine große Rolle bei der Daseinsvorsorge“, betonte die Ministerin, „und da ist das Leitbild von Schalkenmehren mit seinem Schulterschluss von Landwirtschaft, Naturschutz und Bürgersinn vorbildlich. Zwar ist das Dorf schon von der Natur aus gesegnet mit den Maaren, besser kann man es nicht treffen. Doch daraus wurde auch viel gemacht.“

Der genannte Dreiklang sieht konkret so aus: Das Beweidungsprogramm mit Glanrindern, Wasserbüffeln, Schafen und Burenziegen sorgen für artenreiche Heuwiesen und für eine Entbuschung in den Maarkesseln, so dass sie touristisch attraktiv bleiben. Auf Streuobstwiesen wachsen Apfelbäume, deren Ernte zu Saft verarbeitet und in der ortsansässigen Gastronomie verkauft wird.

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