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Schatten-Wahlkampf gegen die einzige Kandidatin

Schatten-Wahlkampf gegen die einzige Kandidatin

In Wiesbaum wird am Sonntag ein neuer Ortsbürgermeister gewählt. Lange hat sich kein Nachfolger für Lothar Schütz (CDU) gefunden, dann meldete sich FWG-Kreisvorsitzende Karin Pinn - und ist nun einzige Bewerberin. Nun sind im Ort anonyme Plakate aufgetaucht, auf denen zum Wahlboykott aufgerufen wird.

Wiesbaum. Monatelang dauerte die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Lothar Schütz (CDU), der im Frühjahr sein Amt als Ortsbürgermeister von Wiesbaum aus Zeitgründen aufgab. Der gesamte Wiesbaumer Gemeinderat beteiligte sich an der Suche und führte Gespräche mit Bürgern und Wunschkandidaten. Lange Zeit erfolglos. Seit Mitte Juli - zum letztmöglichen Termin, bevor eine Wahl laut Gesetz hätte abgesagt werden müssen - steht als einzige Kandidatin die 48-jährige Karin Pinn aus Wiesbaum fest. Sie ist auf der politischen Bühne keine Unbekannte: Die Kreisvorsitzende der FWG ist zugleich ´zweite Kreisbeigeordnete.
Doch jetzt wird im Dorf Stimmung gegen die FWG-Frau gemacht. In Wiesbaum wurden großformatige, nachgemachte Wahlzettel angebracht, auf denen neben Karin Pinns Name ein "Nein" angekreuzt ist. In der Tat ist es so, dass die Kandidatin durchfällt, wenn 50 Prozent der abgegebenen Stimmen "Nein-Stimmen" sind.
Seit geraumer Zeit ist klar, dass nicht alle Gemeinderatsmitglieder und Bürger im traditionell CDU-dominierten Wiesbaum und Mirbach die Kandidatur Karin Pinns positiv finden. Nach einem Bericht vom 19. Juli im TV meldeten sich mehrere, namentlich nicht genannte Bürgervertreter per Brief und gaben ihrer Sorge Ausdruck, die Kandidatin könnte aufgrund ihrer beruflichen und ehrenamtlichen Verpflichtungen den zeitlichen Anforderungen des Ortsbürgermeisteramts nicht gewachsen sein.
In einer eigens einberufenen Sitzung des Gemeinderates wurde dieses Schreiben jedoch zurückgezogen.
"Es gibt aber Kreise, die Frau Pinn verhindern wollen", sagt der erste Beigeordnete Helmut Stuck. "Es wird mit der Aussage Wahlkampf betrieben, dass im Falle einer Wahlniederlage von Karin Pinn ein kompetenter Kandidat aus den Reihen des Gemeinderats für das Amt zur Verfügung steht", sagt Stuck und fügt hinzu: "Das ist aber definitiv nicht richtig. Und für das, was ich sage, habe ich einen einstimmigen Ratsbeschluss."
In diesem Zusammenhang fällt der Name Werner Zens, doch der Beigeordnete Zens hat in der Zwischenzeit mehrfach geäußert, dass er für das Amt des Ortsbürgermeisters nicht zur Verfügung steht. "Bevor wir auf die Suche nach einem Kandidaten gegangen sind, haben wir natürlich auch intern geklärt, ob Interesse besteht", sagt Stuck. "Das haben alle Gemeinderatsmitglieder verneint." Sollte Pinn am Sonntag nicht gewählt werden, und sich auch danach kein Kandidat aus den Reihen des Ortsgemeinderats findet, wird das Dorf zwangsverwaltet. now